CDU-Vorsitzender

Armin Laschet: Darum ist die Familie so wichtig für ihn

| Lesedauer: 5 Minuten
Tobias Blasius
Laschet: Werde K-Frage schnell und gemeinsam mit Söder klären

Laschet: Werde K-Frage schnell und gemeinsam mit Söder klären

CDU-Chef Armin Laschet drängt auf eine rasche Klärung der K-Frage: Nach der Positionierung der CDU-Gremien zu seinen Gunsten wolle er noch im Tagesverlauf das Gespräch mit CSU-Chef Markus Söder suchen, um die Kandidatenfrage "sehr bald" zu klären, sagte Laschet.

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Für den CDU-Vorsitzenden Armin Laschet ist die Familie der vertraulichste Beratungszirkel. Das muss man über die Laschets wissen.

Düsseldorf. 
  • Geht es nach CDU-Vorstand und -Präsidium, soll Armin Laschet Kanzlerkandidat der Union werden
  • Der NRW-Ministerpräsident zeichnet sich vor allem durch seine Leidensfähigkeit aus
  • Kraft schöpft Laschet vor allem aus seinen engen Familienbanden
  • Das muss man über die Familie des CDU-Chefs wissen

Armin Laschet mag diese kurzen, stillen Berliner Nächte. Wenn der CDU-Chef bei Übernachtungen in der Hauptstadt sein Quartier in der verwaisten nordrhein-westfälischen Landesvertretung bezieht, genießt er die Ruhe in dem riesigen dunklen Glasbau am Rand des Tiergartens. Er sei dann allein mit seinen Gedanken, nur dezent bewacht von Personenschützern und dem Pförtner, hat er mal geschwärmt: „Ich höre keinen Laut, nur mein eigenes Atmen.“

Laschet hätte in solchen Momenten zurzeit allen Grund, schwermütig zu werden. Der 60-Jährige macht gerade die kritischste Phase seiner Karriere durch. Laschet wird bundesweit als Pannenonkel der Pandemie verlacht. Seine persönlichen Beliebtheitswerte: katastrophal. Seine NRW-Landesregierung: auf einem Tiefpunkt des Ansehens. Sein CSU-Konkurrent Markus Söder: spielt genüsslich seine kommunikative und handwerkliche Überlegenheit aus.

Doch Laschet macht weiter. Einfach immer weiter. Er hat größere Leidensfähigkeit als all die anderen Landespolitiker von Kurt Beck bis Annegret Kramp-Karrenbauer, die in der Berliner Hitze irgendwann gar gekocht waren.

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CDU-Chef Armin Laschet: Standhaft in Krisen durch die Familie?

Woher nimmt Laschet diese Resilienz, die ihn in 25 Jahren Berufspolitik schon durch so viele Krisen getragen hat? Das Geheimnis seiner Steherqualitäten liegt wohl in seinem persönlichen Umfeld in Aachen-Burtscheid begründet. Anders als viele Spitzenpolitiker ist Laschet auf seinem Weg aus der Jungen Union in höchste Staatsämter nicht in reinen Zweckbeziehungen sozial vereinsamt.

Dafür sorgt schon seine Frau Susanne, eine herzliche Buchhändlerin mit „Öcher“ Schnodderigkeit. Sie ist seine Sandkastenliebe. Als Frau Laschet mal in einer WDR-Talkshow erzählte, ihr Mann habe sie in Jugendtagen „verprügelt“ und man sei bloß zusammengeblieben, weil beide „nichts Besseres gefunden“ hätten, verstanden den Humor nicht alle Zuschauer.

Sandkastenliebe: Das ist die Frau von Armin Laschet

Laschet und seine Frau kommen beide aus Großfamilien. Laschet wuchs mit drei Brüdern auf, Susanne mit drei Schwestern. Die in den 70er und 80er Jahren sehr aktive katholische Kirchengemeinde in Burtscheid hat zwei sehr unterschiedliche Familien zusammengeführt.

Hier die Aufsteigerfamilie Laschet mit Vater Heinz, der vom Kohlekumpel zum Grundschullehrer umschulte. Dort die großbürgerlichen Malangrés, die zur lokalen Elite zählten. Susannes Vater war der langjährige IHK-Präsident Heinz Malangré. Er leitete den Kirchenchor, in dem auch seine Tochter und Armin Laschet aktiv waren. Dort hat es gefunkt. Die Spätfolgen der Sangeslust: Der CDU-Chef kennt noch heute fast jeden Schlager der 70er Jahre auswendig.

Später holte sein Schwiegervater, inzwischen Mit-Gesellschafter des Aachener Kirchenverlags, Laschet als Chefredakteur zur Bistumszeitung. Susannes Onkel wiederum war der langjährige Aachener Oberbürgermeister und Europaabgeordnete Kurt Malangré, Laschets direkter Vorgänger in Brüssel. Seinen Aufstieg in der Aachener CDU betrieb Laschet jedoch eher unabhängig, bisweilen sogar in Abgrenzung zum arg konservativen und katholischen Schwieger-Clan. Was er jedoch verinnerlichte: Familie ist Schutzraum, Diskussionsort, vertraulichster Beratungszirkel.

Laschet wohnt noch heute in seinem Reihenhaus in einer verkehrsberuhigten Straße. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen empfingen die Laschets herzlich gern Gäste, erzählt ein Jugendfreund. Laschet hat sich kostbare Bindungen außerhalb der Politik bewahrt und findet es auch nicht schlimm, wenn alte Weggefährten schon mal öffentlich erzählen, dass der CDU-Chef als Halbstarker gern das Frühstücksei per Wurf an die Zimmerdecke geköpft habe.

Armin Laschet: Privatleben und Politik gehen Hand in Hand

Laschets Elternhaus liegt gleich um die Ecke. Dort lebt der 86-jährige Vater Heinz, der dem Sohn zur CDU-Vorsitzwahl im Januar seine alte Bergmannsmarke als Glücksbringer zusteckte. Eine strikte Grenze zwischen Privatleben und Politik gibt es bei Laschet nie.

Laschets Brüder zählen zu seinen wichtigsten Beratern. Zwei arbeiten als umtriebige Rechtsanwälte in Köln, einer als Ingenieur beim Vodafone-Konzern in Düsseldorf. Sie helfen ihm bei wichtigen Reden. Dass die Ahnenforschung als Hobby von Patrick Laschet zur Lesart führte, der NRW-Ministerpräsident sehe sich in direkter Linie zu „Karl dem Großen“, ist eher eine kuriose Stilblüte der engen Brüder-Beziehung.

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Armin Laschets Familie: Das sind seine Kinder

Als Vater von drei erwachsenen Kindern ist Laschet ebenso eine fast öffentliche Person. Sein ältester Sohn Johannes arbeitet als Influencer-Model „Joe“, dessen Dandy-Fotos der Papa stolz gegen Häme verteidigt. Mit Tochter Eva posiert Laschet schon mal beim Konzert von Mark Forster. Mit Sohn Julius, einem Kreisliga-Fußballer vom Burtscheider TV, flaniert er bei der Premiere des Toni Kroos-Films über den roten Teppich.

Wohin das politische Schicksal „diese Laschets“ auch noch führen wird: Das Schönste an Berlin wird die Heimreise nach Burtscheid bleiben.

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