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Corona-Pandemie: Was wird aus dem Sommerurlaub im Süden?

| Lesedauer: 4 Minuten

Mit Corona-Impfpass in den Urlaub?

Mit Corona-Impfpass in den Urlaub?

Geimpften mit einer Art Passierschein Urlaubsreisen ermöglichen - in der EU mehren sich die Forderungen nach einem Impfpass in der Corona-Pandemie. Andere Stimmen warnen vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft und Privilegien für Geimpfte.

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Tourismusbeauftragter Bareiß hofft auf einen Sommerurlaub im Süden. SPD-Politiker Lauterbach ist, selten genug, überfragt. Und warnt.

Berlin. Der Donnerstag ist immer ein Zittertag für die Tourismusbranche. Dann weist die Bundesregierung die Risikogebiete aus. Es gibt drei Kategorien – Risiko-, Hochinzidenz- und Virusvariantengebiete – und regelmäßig Auf- und Abstiege. Wie bei einer Ratingagentur. Nur dass es um die Reise-Bonität geht.

Thomas Bareiß ist eigentlich ein Berufsoptimist: Tourismusbeauftragter der Bundesregierung. Er hofft, dass die Deutschen im Sommer ins Ausland verreisen können. Diesen Optimismus teilen nicht alle: Der SPD-Politiker Karl Lauterbach gilt zwar als kundiger Analytiker der Corona-Krise, aber zum Sommerurlaub wagt er noch keine Prognose.

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Corona-Pandemie macht Urlaub praktisch nicht planbar

Vor einer Woche wurde Spanien wieder heruntergestuft. Für die Reise-Bonität des Landes eine gute Nachricht. Seither gilt es nicht mehr als Hochinzidenzgebiet. Das bedeutet für Urlauber, dass sie einen Corona-Test auch nach ihrer Ankunft in Deutschland nachholen können.

Hinter den Kulissen wurde am Donnerstag darüber diskutiert, Frankreich – bisher Risikogebiet – in die nächsthöhere Warnstufe zu heben: als Hochinzidenzgebiet. Reisende müssten dann schon bei Ankunft einen negativen Test vorlegen. Das macht einen Unterschied.

Virologen kartographieren die Welt nach Inzidenzen. Ab einer 7-Tage-Inzidenz von 50 Infizierten auf 100.000 Einwohner gilt ein Land als Risikogebiet, ab 200 als Hochinzidenzgebiet – und als Virusvariantengebiet, wenn Mutationen im Umlauf sind. Ein No-Go. Dann gilt ein Beförderungsstopp: Die Fluggesellschaften müssen den Transport verweigern.

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Urlaub 2021: Tourismusbeauftragter hofft auf den Impfeffekt

Reisen ist riskant, umständlich erklärungsbedürftig und durch die Testpflicht zusätzlich teurer geworden und vor allem eines: nicht planbar. Das ist eine Kombination, die einen sicheren Abschreckungsmechanismus auslöst. Und die Deutschen haben das verstanden. Die Zahl der Passagiere an deutschen Flughäfen betrug in der zweiten Februarwoche 2020 etwa 3,58 Millionen - ein Jahr später 311.670.

Tourismusbeauftragter Bareiß hat zwei Ankerplätze für seine Hoffnung gefunden. Er traut etwa den Mittelmeerinseln zu, die Inzidenz bis zum Sommer auf unter 50 oder gar 35 zu drücken. Und er hält es für möglich, dass die meisten Deutschen bis zum Sommer geimpft sind. Viele „Wenns“.

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Urlaub in Gefahr: Der Jo-Jo-Effekt mit den Inzidenzen

Und genauso viele Aber. Zum einen hat Gesundheitsminister Jens Spahn den Bürgerinnen und Bürgern lediglich versprochen, jedem bis zum „Ende“ des Sommers ein Impfangebot zu machen. Zum anderen beginnen die Sommerferien in mehreren Bundesländern bereits am 21. Juni, zum Beispiel in Berlin und Hamburg, mutmaßlich zu früh für Reisende wie Zielländer.

Das Beispiel Portugal zeigt, dass ein Land binnen weniger Wochen seine Inzidenz von über 800 auf derzeit etwa 100 drücken kann, wenn es nur einen strengen Lockdown einhält. Einerseits.

Andererseits: Sobald Auflagen gelockert werden, steigt die Inzidenz. Dafür gibt es mittlerweile auch unzählige Beispiele. Dieser Jo-Jo-Effekt macht es unmöglich, die schönsten Wochen des Jahres zu planen.

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Karl Lauterbach wagt keine Prognose zum Sommerurlaub 2021

Bareiß lässt sich nicht entmutigen. „Wir können die Menschen ja nicht dauerhaft zu Hause festhalten“, sagte er „Bild“.

Anruf bei Karl Lauterbach. Wenn Bareiß der Gute-Laune-Onkel der Tourismuswirtschaft ist, dann ist der studierte Epidemiologe Lauterbach der Dr. No der Branche.

„Da wage ich keine Prognose. Es kommt sehr darauf an, ob wir weitere Mutationen bekommen und wie schnell sich bekannte Mutationen ausbreiten“, sagt der SPD-Gesundheitspolitiker. Er warnt, „wir haben noch keine Planungssicherheit, wir stehen am Anfang einer dritten Welle.“

Lauterbach: Am Beförderungsstopp festhalten

Nach seiner Ansicht hat sich insbesondere das Beförderungsverbot für Virusvariantengebiete – in Europa: Großbritannien, Irland, Portugal, Tschechien und Tirol - bewährt, „es war richtig.“ Die Aufgabe müsse sein, die dritte Welle so abzuflachen, „dass möglichst viele das rettende Ufer der Impfungen erreichen.“

Lauterbach ist nach eigenen Worten froh, dass Innenminister Horst Seehofer (CSU) so beherzt und schnell reagiert hat. „Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es vollkommen unverantwortlich, davon Abstand zu nehmen“, sagt Lauterbach, „wenn sich die Lage nicht verbessert, sollte das Beförderungsverbot für Virusvariantengebiete verlängert werden.“ Auch interessant: Corona: Drosten-Podcast – Stagnieren Zahlen wegen der Mutationen?

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