Pandemie

Reisen ohne Quarantäne: Wo Geimpfte Urlaub machen dürfen

| Lesedauer: 5 Minuten

Mit Corona-Impfpass in den Urlaub?

Mit Corona-Impfpass in den Urlaub?

Geimpften mit einer Art Passierschein Urlaubsreisen ermöglichen - in der EU mehren sich die Forderungen nach einem Impfpass in der Corona-Pandemie. Andere Stimmen warnen vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft und Privilegien für Geimpfte.

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Reisen ohne Testpflicht und Quarantäne nach der Einreise: In manchen Ländern ist das schon möglich. Die Übersicht zeigt, wo genau.

Brüssel. Für Israelis rückt die Reisefreiheit nach der Corona-Impfung immer näher: Nach Griechenland dürfen Bürger und Bürgerinnen Israels, die bereits die Spritze mit dem Covid-Impfstoff bekommen haben, auch nach Zypern einreisen. Auch Malta führt entsprechende Gespräche mit Israel.

Israelis, Zyprioten und Griechen sollen künftig wieder ohne Auflagen zwischen den Staaten reisen können – wenn sie gegen Covid-19 geimpft sind und dies in einem sogenannten Grünen Impfpass nachweisen können.

Quarantänevorschriften und Flugeinschränkungen sollen damit entfallen, wie Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis in Jerusalem erklärten. Lesen Sie auch: Corona-Impfpass: Reisen bald nur noch mit Impf-Nachweis?

Über 60 Prozent der Israelis bereits geimpft

Mitsotakis machte klar, worum es ihm vor allem geht: so schnell wie möglich israelische Touristen in seinem Land zu begrüßen. Über 60 Prozent der Israelis sind bereits geimpft, aber nur vier Prozent der Griechen – vorerst bleibt die Reisefreiheit ziemlich einseitig.

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Die Regierung in Athen plant eine ähnliche Vereinbarung auch mit Großbritannien. Griechenland ist dringend auf Tourismuseinnahmen angewiesen. Deshalb setzt Premier Mitsotakis im Alleingang und in einem kleinen Korridor die Reisefreiheit für Geimpfte durch, die er eigentlich für die gesamte Europä­ische Union fordert.

Unterstützt wird Griechenland dabei von Zypern. Die Aussichten sind gut: Im Sommer könnte es auch in ganz Europa so weit sein. Auch interessant: EU-Debatte um Corona-Impfpass für freies Reisen

Allerdings, bislang bremsen andere Länder der Europäischen Union noch: Zentrales Argument ist, dass noch gar nicht feststeht, ob Geimpfte nicht doch das Virus weitertragen könnten. Mehrere Vakzin-Hersteller gehen von einem Schutz auch gegen Übertragungen aus, Biontech-Pfizer und Moderna erwarten entsprechende Nachweise bis Ende des Monats.

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EU: Bis Sommer Impfangebot für 70 Prozent der Bürger

Zweiter Einwand ist, dass erst eine ausreichende Zahl von Bürgern Gelegenheit haben müsste, sich impfen zu lassen. Aber das kommt: Nach den bisherigen Zielvorgaben sollen im Sommer 70 Prozent der EU-Bürger ein Impfangebot erhalten haben.

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Immerhin vereinbarten die EU-Länder im Januar bereits, als ersten Schritt einen möglichst einheitlichen Impfpass einzuführen, der klar und zuverlässig die Covid-Immunisierung dokumentiert und den alle Staaten gegenseitig anerkennen. Mit der Koordinierung sei auf technischer Ebene bereits begonnen worden, heißt es in Brüssel. Lesen Sie hier: Reisen während Corona: Kommt das Ende der Zettelwirtschaft?

Gegenseitig anerkannten Impfnachweise

Schweden und Dänemark preschen vor, kündigen schon entsprechende Dokumente an: Dänemark will erst einen Papier-Corona-Pass, bis zum Frühsommer auch ein digitales Dokument für das Smartphone einführen – damit sollen als Erstes Dienstreisen möglich werden. Schweden will bis zum 1. Juni so weit sein, eng abgestimmt mit der Europäischen Union und der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

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Welche Rechte genau mit einem EU-weiten Zertifikat verbunden wären, wollen die Mitgliedsländer erst noch klären. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides verspricht aber schon, die gegenseitig anerkannten Impfnachweise „werden ein wichtiges Instrument für die Bürger während der Pandemie, aber auch nachdem wir sie überwunden haben.“ Mehr zum Thema: Neue Flex-Tarife: So werden Reisen kostenlos storniert

Auch Polen und Rumänien verzichten auf Quarantänepflicht für Geimpfte

Polen und Rumänien verzichten bereits jetzt auf die Quarantänepflicht für Einreisende, wenn sie gegen Corona geimpft sind.

Und auch auf der bei Touristen beliebten Atlantikinsel Madeira entfällt die Pflicht zur Vorlage eines negativen PCR-Tests - wenn Reisende ein englischsprachiges Dokument vorlegen können, das ihnen die Impfung bescheinigt. Außerdem entfällt die Testpflicht für all jene, die in den letzten 90 Tagen bereits an Covid-19 erkrankt waren und darüber eine ärztliche Bescheinigung haben.

Wer gegen Corona geimpft ist und nach Georgien reisen will, kann das mit einem Nachweis auf dem Luftweg tun. Und für alle Geimpften, die es weiter in die Ferne zieht, erlauben auch die Seychellen die Einreise ohne Quarantänepflicht - zumindest wenn die Impfung mindestens zwei Wochen zurückliegt.

Weber: „Die Bürger wollen Sicherheit“

In Brüssel machen unterdessen Politiker Druck: „Die Bürger wollen Sicherheit, wie sie in Zukunft nach einer Impfung reisen können“, sagte der Chef der christdemokratischen EVP-Fraktion im EU-Parlament, Manfred Weber (CSU). „Ein EU-weites Zertifikat für Geschäftsreisende und Touristen ist eine praktikable Lösung.“

Auch die österreichische Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) drängt, der Impfpass müsse zur Verfügung stehen, sobald viele Menschen geimpft seien – so werde sichere Mobilität als Schlüssel für den wirtschaftlichen Aufschwung wieder möglich. Im Sommer, meint Edtstadler, könne es so weit sein.

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