Gewalt

Sturm auf das Kapitol: So reagierten Trump und Biden

| Lesedauer: 5 Minuten
Chaos und Gewalt in Washington: Trump-Anhänger stürmen Kapitol

Chaos und Gewalt in Washington: Trump-Anhänger stürmen Kapitol

Es ist eine beispiellose Attacke auf das Zentrum der US-Demokratie: In Washington stürmen wütende Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump das Kapitol. Dort sollte der Kongress den Wahlsieg von Joe Biden bestätigen.

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Während des Gewaltausbruchs am Kapitol wandten sich Joe Biden und Donald Trump an die Randalierer. So unterschiedlich waren ihre Reden.

Washington. 
  • Während des Sturms von militanten Demonstranten wandte sich der künftige US-Präsident Joe Biden mit einer Rede an die Bevölkerung
  • Biden forderte Donald Trump auf, seine Anhänger auch in einer Fernsehansprache zu adressieren
  • Trump postete daraufhin eine Videobotschaft auf Twitter – diese war aber nicht ganz eindeutig

Es sind Szenen, von denen man nicht erwartet hätte, sie in den USA zu sehen. Militante Anhänger von Trump stürmen das Kapitol, teilweise schwer bewaffnet. Im Kapitol hatten sich das Repräsentantenhaus und der Senat am Mittwochmittag – Ortszeit Washington – versammelt, um die Ergebnisse der US-Präsidentenwahl vom November, und damit Bidens Sieg, offiziell zu bestätigen. Eigentlich nur eine demokratische Formalie.

Die US-Polizei musste am Mittwoch Schusswaffen zücken, um Abgeordnete im Kapitol gegen militante Anhänger des abgewählten Präsidenten Donald Trump zu schützen. „Die Sicherheitsleute des Repräsentantenhauses und die Polizei des Kapitols haben ihre Waffen gezogen, während Demonstranten gegen die Eingangstür des Repräsentantenhauses schlagen“, berichtete der Abgeordnete Dan Kildee über den Onlinedienst Twitter. „Wir sind angewiesen worden, uns auf den Boden zu legen und unsere Gasmasken anzulegen.“

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Joe Biden: Gewalt am Kapitol ist beispielloser Angriff auf US-Demokratie

Die Kongresssitzung musste abgebrochen werden. Trump-Anhänger stürmten wohl nicht nur Büros und Gänge des Gebäudes, es fielen wohl auch Schüsse im Saal.

Der künftige US-Präsident Joe Biden verurteilte die Ereignisse und die Gewalt noch während Protestler durch das Regierungsgebäude wüteten. Es handele sich dabei um einen „beispiellosen Angriff“ auf die US-Demokratie.

Biden in Fernsehansprache: "Die Gewalt muss enden"

Biden forderte ein „Ende der Belagerung“ des Kapitols. „Ich bin wirklich schockiert und traurig, dass unsere Nation – so lange Leuchtfeuer und Hoffnung für Demokratie – an so einem dunklen Moment angekommen ist.“

Die Gewalt müsse enden, sagte Biden. „Das Kapitol zu stürmen, Fenster einzuschlagen, Büros zu besetzen, den Senat der Vereinigten Staaten zu besetzen, durch die Schreibtische des Repräsentantenhauses im Kapitol zu stöbern und die Sicherheit ordnungsgemäß gewählter Beamter zu bedrohen, ist kein Protest“, sagte Biden. „Es ist Aufruhr.“

Sturm auf Kapitol: Trump veröffentlicht Video auf Twitter

Die Worte eines Präsidenten hätten Gewicht, erklärte Biden – egal wie gut oder schlecht dieser Präsident sei. In seiner Rede forderte Biden daher den scheidenden Präsidenten Trump auf, sich in einer Fernsehansprache an das Volk zu wenden. Dieser müsse seinem Eid nachkommen und die Verfassung verteidigen, sagte Biden. „Also Präsident Trump, treten sie vor.“

Trump kam dieser Bitte prompt nach. In dem auf dem Onlinedienst Twitter veröffentlichten Video forderte er Demonstranten am Kapitol auf, abzuziehen. Er verstehe den Ärger über den Ausgang der Wahl, „aber ihr müsst jetzt nach Hause gehen“, sagte der scheidende US-Präsident in der Videobotschaft. „Wir müssen Frieden haben, wir müssen Recht und Ordnung haben.“ Niemand dürfe verletzt werden, mahnte er.

Trump spricht in Ansprache von Wahlbetrug – Twitter reagiert

Gleichzeitig wiederholte er aber seine unbelegten und großteils widerlegten Behauptungen eines Betrugs bei der Präsidentschaftswahl. Man habe ihm und seinen Anhängern die Wahl gestohlen, erklärte Trump in der Videobotschaft – erneut ohne jeden Beweis. „Ich weiß, wie ihr euch fühlt, aber geht nach Hause.“ Trump sagte an die Adresse der Protestler: „Wir lieben euch. Ihr seid etwas ganz Besonderes.“

Als der Fernsehsender CNN den Clip ausstrahlte, erklärte der Nachrichtensprecher Jake Tapper, dass die Botschaft des Videos eher zweideutig sei. „Ich weiß gar nicht, ob es eine gute Idee war, das hier zu zeigen." Twitter sperrte zudem Trumps Video-Tweet erstmals für Kommentare, Likes und Retweets, da es die Gefahr der Anstachelung zu Gewalt berge.

Vize-Präsident Mike Pence verurteilt Gewalt am Kapitol

Trumps Tochter Ivanka bezeichnete die Teilnehmer der dramatischen Proteste in Washington auf Twitter als „Patrioten“. Nach kritischen Kommentaren löschte die Tochter des amtierenden US-Präsidenten am Mittwoch den Tweet und konkretisierte: „Friedlicher Protest ist patriotisch. Gewalt ist inakzeptabel und muss aufs Schärfste verurteilt werden.“

Der scheidende republikanische Vizepräsident Mike Pence verurteilte die turbulenten Geschehnisse rund um das US-Kapitol. „Friedlicher Protest ist das Recht jedes Amerikaners, aber dieser Angriff auf unser Kapitol wird nicht toleriert werden und jene, die daran beteiligt sind, werden mit der ganzen Härte des Gesetzes zur Verantwortung gezogen“, twitterte Pence am Mittwoch. Lesen Sie auch: Sturm auf Kapitol: Droht Trump ein Amtsenthebungsverfahren?

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(bml/dpa/afp)

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