Datenschutz

Infektionsschutz: Braucht es eine neue Corona-App?

Kritiker fordern, eine Überarbeitung der Corona-Warn-App, um Nutzer besser zu schützen. Bei Datenschützern trifft das auf Widerspruch.

Wie funktioniert die Corona-Warn-App?

Die Bundesregierung hält die Corona-Warn-App nach wie vor für ein hilfreiches Instrument im Kampf gegen die Pandemie. Allerdings nutzen nach Einschätzung von Experten zu wenig Menschen in Deutschland die Anwendung.

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Berlin. Viele Hoffnungen waren an die Corona-Warn-App der Bundesregierung geknüpft, als diese im Sommer an den Start ging. Doch die App ist nicht die Wunderwaffe im Kampf gegen die Pandemie, die viele erwartet haben. Jetzt werden Stimmen laut, die fordern, die Anwendung müsse mehr Infektions- und weniger Datenschutz bieten – oder gleich durch eine neue ersetzt werden.

„Wir müssen runter von diesem Datenschutzkult“, sagte zuletzt der Grünen-Politiker und Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer. Und Philosoph Julian Nida-Rümelin forderte bei „Anne Will“ gleich eine vollständig neu entwickelte App nach dem Vorbild von Anwendungen, die in ostasiatischen Demokratien zum Einsatz kommen.

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Datenschützer: Corona-Warn-App wie in Südkorea in Deutschland nicht denkbar

Doch Experten zweifeln, ob das die Wirkung der App wirklich verbessern würde. „Platt zu sagen, wir müssten den Datenschutz senken, und damit zu suggerieren, wir könnten die Pandemie schneller beenden, halte ich für eine Nebelkerze“, erklärt Ann Cathrin Riedel, Vorsitzende von Load, einem Verein für liberale Netzpolitik.

Wer wolle, dass die App mehr Daten sammle, müsse auch erklären, welche das sein sollen und woher sie kommen. „Südkorea wird immer wieder als Beispiel genannt“, sagt Riedel. „Da wird aber nicht nur mit Daten aus der Tracking-App gearbeitet, sondern diese werden angereichert mit Informationen aus Überwachungskameras und Finanztransaktionen. Wir haben kaum Überwachungskameras und die Deutschen zahlen sehr viel bar, woher sollen diese Daten hier kommen?“

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Ineffektive Corona-App? Datenschutzbeauftragter weist Vorwürfe zurück

Auch Henning Tillmann, Software-Entwickler und Vorsitzender des SPD-nahen Netzpolitikvereins D64, glaubt nicht, dass sich die südkoreanische Methode einfach auf Deutschland übertragen lässt. Trotzdem sei das Potenzial der App nicht ausgeschöpft. „Man ist ein bisschen eingeschlafen mit Weiterentwicklung“, sagt Tillmann. Einfach zu machen sei zum Beispiel ein freiwilliges, lokal gespeichertes Kontakttagebuch in der App, bei dem Nutzer festhalten, wen sie wann getroffen haben. Das könne die Nachverfolgung deutlich erleichtern.

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Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber weist die Vorwürfe zurück, dass Datenschutz eine bessere Nachverfolgung von Corona-Infektionen verhindere. „Ich halte es für falsch, Gegensätze zwischen Datenschutz und Gesundheitsschutz aufzubauen“, sagte der SPD-Politiker unserer Redaktion.

Die Corona-Warn-App müsse weiterentwickelt werden. Das gehe allerdings am besten mit der bestehenden Architektur. „Denn dann behalten wir die Millionen Menschen, die die App bereits nutzen, und können weiter Begegnungsdaten mit unseren Nachbarländern austauschen.“

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