US-Wahl

Trump nennt Aufklärung über Rassismus „Kindesmissbrauch“

US-Präsident Donald Trump will die „linke Indoktrination“ an Schulen beenden und patriotische Bildung fördern. Was dahinter steckt.

Trump leugnet abermals den Klimawandel

US-Präsident Donald Trump hat bei einem Besuch der Waldbrandgebiete in Kalifornien erneut den Klimawandel geleugnet. Wissenschaftler machen für die seit Jahren in ihren Dimensionen immer weiter zunehmenden Wald- und Buschbrände im Westen der USA die Erwärmung des Erdklimas mitverantwortlich. [COMPLETES VIDI8PY3QB_EN]

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Washington. US-Präsident Donald Trump will die Schulen der Vereinigten Staaten zu einer neuen Form patriotischer Bildung anhalten: eine, in der die Aufklärung über Sklaverei und Rassismus keinen hohen Stellenwert mehr haben.

Schüler und Schülerinnen sollten darin unterrichtet werden, „Amerika mit ihrem ganzen Herzen und ihrer ganzen Seele zu lieben”, erklärte Trump am Donnerstag (Ortszeit) in einer Rede in Washington.

Er kündigte per Präsidial-Erlass die Einsetzung einer Kommission ein, die der „jahrzehntelangen linken Indoktrination in unseren Schulen” ein Ende bereiten soll. In den herrschenden Lehrplänen werde jungen Amerikanern und Amerikanerinnen beigebracht, sich für die Historie ihrer Nation „zu schämen”, behauptete der Präsident im National-Archiv, ohne einen einzigen Beleg dafür zu nennen.

Trump verbindet Aufklärung mit Ausschreitungen bei Anti-Rassismus-Protesten

Lehrer-Gewerkschaften, Universitäten und oppositionelle Demokratinnen und Demokraten bezeichneten den Vorstoß als „haltlosen” und „unverantwortlichen” Versuch, den „Kulturkampf” in den USA vor den Wahlen im November weiter anzuheizen. Dies vor allem, weil Trump eine direkte Linie zog von der angeblich Amerika-feindlichen Unterrichtung in den Schulen hin zu den gewalttätigen Auseinandersetzungen in vielen US-Städten nach den jüngsten Fällen tödlicher Polizei-Brutalität gegen Afro-Amerikaner.

Trump gab seinem Vorhaben bewusst das Etikett „Kommission 1776” – das Jahr der Unabhängigkeitserklärung. Er kontert damit das viel beachtete und preisgekrönte „1619 Projekt”, das im vergangenen Jahr von der „New York Times“ angeschoben wurde.

400 Jahre nach der ersten Einschiffung von Sklavinnen und Sklaven aus Afrika, so die Initiierenden, müsse sich das Land der oft verdrängten Wahrheit stellen, dass die Anfänge der Vereinigten Staaten auf „Prinzipien der Unterdrückung, nicht der Freiheit” zurückgingen.

Trump will in aufklärender Schulbildung „Kindesmissbrauch“ erkennen

Trump bestreitet gegen die überwältigende Meinung der Bevölkerung kategorisch, dass es heute noch systemischen Rassismus in Amerika gibt. Er erkennt in Vorhaben wie dem „1619 Projekt” den Versuch, Kinder mit „hasserfüllten Lügen” zu bedienen, anstatt ihnen das „Wunder” der „Einzigartigkeit” der USA zu erläutern. Hintergrund: So tief sind Rassismus und Gewalt in der US-Polizei verankert.

Der in Umfragen hinter seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden liegende Rechtspopulist stellte fest, dass „patriotische Mütter und Väter die Indoktrinierung ihrer Kinder nicht mehr länger hinnehmen”. Der Präsident will darin eine Form von „Kindesmissbrauch” erkennen.

Trump leugnet Existenz von systemischem Rassismus in USA

Trumps Vorstoß ist nicht neu. Bereits vor vier Jahren im Wahlkampf in Phoenix/Arizona forderte er, dass in den Schulen mehr „Stolz und Patriotismus” gelehrt werden müssten. „Wir wollen, dass unsere Kinder die unglaublichen Errungenschaften der amerikanischen Geschichte, seiner Institutionen und Helden erlernen.” Nicht „Globalismus“, sondern „Amerikanismus” werde im Falle seiner Wahl ganz oben stehen.

Am Rand der Feiern zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli dieses Jahres gab er ähnliche Töne von sich. Ebenso bei einer Wahlkampf-Rede am Fuß von Mount Rushmore in South Dakota. Dort sagte Trump unter den steinernen Monumenten großer US-Präsidenten am Abend zuvor, dass öffentliche Lehranstalten Schüler und Schülerinnen darin unterwiesen, „Amerika zu hassen”.

Darum ist Trumps Plan in Wahrheit gar nicht umsetzbar

Während rechtskonservative Stimmen in sozialen Medien Trumps Vorstoß als überfällig lobten, erinnerten Fachleute wie der frühere US-Bildungsminister Arne Duncan daran, dass die Zentralregierung keinerlei rechtlichen Einfluss auf die Gestaltung von Lehrplänen besitzt.

„Über das Curriculum wird allein auf Ebene der Bundesstaaten oder der Kommunen entschieden.” Trumps Initiative sei allein dazu gedacht, seine weiße Kern-Wählerschaft auf der Schlussetappe vor der Wahl zu mobilisieren, sagten Analysten im US-Fernsehen.

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