Antisemitismus

Grütters: Jeder sollte einmal im Jahr den Davidstern tragen

Kulturstaatsministerin Grütters fordert ein Zeichen der Solidarität mit Juden – etwa an einem bestimmten Tag den Davidstern zu tragen.

Davidsstern als Zeichen der Solidarität? Kulturstaatsministerin Monika Grütters fordert ist für klare Solidaritätsbekenntnisse.

Davidsstern als Zeichen der Solidarität? Kulturstaatsministerin Monika Grütters fordert ist für klare Solidaritätsbekenntnisse.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat die Menschen in Deutschland dazu aufgerufen, ein Zeichen gegen die Ausgrenzung von Juden zu setzen.

„Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass an einem bestimmten Tag Menschen in Deutschland als Zeichen der Solidarität mit den jüdischen Mitbürgern einen Davidstern tragen, um auf Ausgrenzung und Antisemitismus aufmerksam zu machen“, sagte Grütters unserer Redaktion.

„Damit würde eine bisher schweigende Mehrheit zeigen: Wir dulden nicht, dass die Judenfeindlichkeit in Deutschland wieder Raum bekommt.“ Die Gesellschaft müsse sich intensiver mit dem Problem des Antisemitismus auseinandersetzen.

Außerdem befürwortet die CDU-Politikerin eine Verschärfung des Strafrechts bei Straftaten mit antisemitischem Hintergrund – dies hatte auch der Antisemitismus-Beauftragte kürzlich gefordert. „Ich bin dafür, dass Straftaten mit antisemitischem Hintergrund schärfer bestraft werden“, sagte Grütters mit Blick auf den 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

Kulturstaatsministerin: Keine verpflichtenden Gedenkstätten-Besuche für Schüler

Zugleich forderte Grütters, den Besuch von Gedenkstätten zum Teil der Lehrerausbildung zu machen. Sie halte es „für unabdingbar, den Besuch in Gedenkstätten zum Teil der Lehrerausbildung zu machen – besonders in den Geschichts-, Sozial- und Geisteswissenschaften. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass es hier an den Hochschulen einen großen Nachholbedarf gibt“, sagte sie.

Für Schüler sollte der Gedenkstätten-Besuch hingegen eine freiwillige Veranstaltung bleiben, sagte die CDU-Politikerin weiter – konträr zur Meinung des Antisemitismus-Beauftragten. Es müsse vielmehr darum gehen, mit innovativen Ideen und digitalen Formaten gerade Jüngere und neue Zielgruppen zu erreichen.

Selfies in Gedenkstätten: Lieber online den Besuch zeigen als gar nicht kommen

Mit Blick auf die Verwendung von Selfies aus Gedenkstätte in sozialen Netzwerken mahnte Grütters zur Gelassenheit. „Die Würde des Ortes muss natürlich immer gewahrt werden. Mir ist es aber lieber, Jugendliche zeigen in den sozialen Netzwerken, dass sie eine Gedenkstätte besuchen, als dass sie gar nicht erst kommen.“

Das Posten in den Sozialen Netzwerken zeige immerhin, dass sie sich über den millionenfachen Mord an Juden Gedanken machen, sagte Grütters. Die Kulturstaatsministerin ist qua Amt zuständig für die Erinnerungskultur in Deutschland.

Gerade erst wurde der 75. Jahrestag der Befreiung vom KZ Auschwitz bei einer Gedenkveranstaltung bedacht. Bundespräsident Steinmeier in Israel: „Ich verneige mich in tiefer Trauer“. Eine Überlebende berichtet: „Sie trieben uns mit Peitschen an.“

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