Glücksspiel

Online-Casinos, Sportwetten und Poker: Das wird bald erlaubt

Das virtuelle Casino wird legal. Der Zuspruch ist groß. Linken-Chef Riexinger spricht dagegen von einer „Kapitulation vor Kriminellen“.

Das sind die neuen Regeln für Online-Poker und Sportwetten

Einzahlungen von höchstens 1.000 Euro und eine zentrale Sperrdatei für Spielsüchtige: Wer online pokert, zockt und wettet, muss sich auf neue Regeln einstellen.

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Berlin. Beim Fußball auf die eigene Mannschaft setzen, im Internet gegen andere Poker spielen und online auf die richtige Reihe am virtuellen Automaten hoffen – das alles soll schon bald erlaubt sein.

Nach langen Verhandlungen haben sich die Bundesländer auf eine Reform des Glücksspiel-Staatsvertrages geeinigt. Mit Inkrafttreten des neuen Staatsvertrages am 1. Juli 2021 wird sich der Glücksspielmarkt in Deutschland damit grundlegend verändern. Unsere Redaktion beantwortet die wichtigsten Fragen.

Online-Glücksspiel - Sind Lottoland und Co. illegal?
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Was ist künftig erlaubt?

Die Sportwetten werden ab 2021 endgültig aus der Grauzone geholt. Der bisherige Glücksspiel-Staatsvertrag sieht das Wetten auf Sportergebnisse und -ereignisse nicht vor. Trotzdem entwickelte sich der Markt rasant: Zwischen 2014 und 2018 haben sich die Einsätze auf Sportwetten in Deutschland fast verdoppelt: von 4,51 auf 8,8 Milliarden Euro.

Das liegt daran, dass den Bundesländern die Hände gebunden waren. 2016 untersagte der Europäische Gerichtshof den Bundesländern, gegen Anbieter aus der EU vorzugehen. Seitdem waren die Anbieter geduldet. Mit Beginn dieses Jahres trat zudem eine Übergangslösung in Kraft, die die Wetten bereits erlaubte. Aus der Übergangslösung soll nun eine dauerhafte Regelung werden.

Zudem soll das Wetten auf Ereignisse legal werden. Neben dem Ergebnis kann künftig beispielsweise darauf getippt werden, wer beim Fußball das nächste Tor schießt oder beim Volleyball den nächsten Satz gewinnt.

Neben den Sportwetten haben sich die Bundesländer nun auch dazu durchgerungen, Online-Casinos, Online-Poker und Online-Automatenspiele zu erlauben. Die waren bisher mit Ausnahme eines Schlupflochs in Schleswig-Holstein verboten.

Wie sollen Süchtige geschützt werden?

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) gibt es in Deutschland eine halbe Million Spielsüchtige. 180.000 von ihnen gelten als zwanghaft süchtig, die anderen weisen demnach ein problematisches Verhältnis zum Glücksspiel auf. Der herkömmliche Glücksspielmarkt ist deshalb bereits streng reguliert. Für Spielhallen gelten beispielsweise Mindestabstände zu Schulen und Kindergärten. Es gibt strenge Einlasskontrollen und Sperrdateien.

Diese Maßnahmen des Spieler- und Jugendschutzes in die Online-Welt zu transferieren, war einer der Knackpunkte in der Diskussion der Länder. Sie wollen die Anbieter nun verpflichten, für jeden Spieler ein Spielkonto einzurichten. Mit einem „automatisierten System“ sollen die Anbieter zudem zur Früherkennung von Spielsucht beitragen.

Alle Spieldaten sollen an die zentrale Aufsichtsbehörde übermittelt werden. Auch sind die Spielbeträge gedeckelt: Maximal dürfen 1000 Euro im Monat verspielt werden, ausgenommen sind hierbei die Gewinne. Die Aufsichtsbehörde ist als oberste Kontrollinstanz für das Einhalten der Vorgaben verantwortlich. Für Live-Sportwetten soll es zudem zwischen sechs und 21 Uhr ein Werbeverbot im Rundfunk und im Internet geben.

So wahrscheinlich ist ein Lotto-Gewinn
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Wie groß ist der Glücksspielmarkt?

Laut dem Jahresreport der Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder wurden im Jahr 2018 Brutto-Spielerträge von 13,91 Milliarden Euro umgesetzt. 2,63 Milliarden Euro stammen dabei aus dem bisher nicht regulierten Bereich der Sportwetten und Online-Angebote. Für die Bundesländer bedeutet das bislang auch, dass ein Fünftel möglicher Steuereinnahmen an den Kassen vorbeifließt. Rund 5,4 Milliarden Euro wurden 2018 allein aus dem legalen Bereich an Steuern und Abgaben umgesetzt.

Wie sind die Reaktionen?

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, begrüßte die Einigung über rechtliche Rahmenbedingungen beim Online-Glücksspiel. Bisher gebe es eine unsichere Grauzone. „Immer mehr Menschen haben im Netz bei Anbietern gespielt, die dafür weder eine Lizenz hatten, noch klare Regeln befolgten.“ Nun werde es wichtig sein, die neuen Regeln konsequent durchzusetzen.

Zu den Gegnern einer Online-Zulassung bei Beibehaltung der herkömmlichen Regulierungsstandards zählte bisher die Deutsche Automatenwirtschaft. Doch auch der Dachverband kann mit der Einigung offenbar leben: „Dass bei der Regulierung des gewerblichen Automatenspiels Qualitätskriterien zum Zuge kommen sollen, ist eine gute Nachricht für die legalen Spielangebote und den Spielerschutz“, sagte Georg Stecker, Sprecher des Vorstandes der Automatenwirtschaft.

Kritik äußerte dagegen der Parteichef der Linken, Bernd Riexinger. „Die Legalisierung der Glücksspiel-Abzocke im Internet ist eine Kapitulation vor Kriminellen“, sagte Riexinger unserer Redaktion. „Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Staat sich vor allem auf die Steuereinnahmen aus dem legalisierten Glücksspiel freut und deshalb kein besonderes Interesse daran hat, seine Bürger vor der Glücksspiel-Abzocke im Internet zu schützen“, führte der Linken-Chef fort. „Bei Marihuana leisten wir uns weiterhin eine irrationale Verbotspolitik, die Abzocke beim Glücksspiel soll jetzt auf einmal legal sein?“, fragte Riexinger.

Online-Glücksspiel – Mehr zum Thema

2019 hatten sich die Länder zunächst auf eine zeitlich befristete Neuregelung des Sportwettenmarktes geeinigt. Im Kern ging es dabei um eine Liberalisierung privater Anbieter von Sportwetten, die sich bisher in einer rechtlichen Grauzone befinden.

Der Schwarzmarkt boomt, vor allem staatliche Lotterien verlieren Erträge - und der Staat hohe Steuereinnahmen. Zuletzt hatten staatliche Anbieter verkündet, dass Lotto teurer wird: Das kostet ein Tippfeld ab Herbst 2020.

Ein Pro und Contra zu der Zulassung des Online-Glücksspiels lesen Sie hier.