Klimakonferenz

Greta kritisiert EU-Klimaplan – Aktivisten rausgeschmissen

Auf der Klimakonferenz in Madrid kritisiert Aktivistin Greta Thunberg die Politik – und erklärt, warum sie trotzdem Hoffnung hat.

Greta Thunberg: "Es gibt Hoffnung, ich habe sie gesehen"
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Madrid.  Greta Thunberg hat gelernt, ihre Wut zu kontrollieren. Ein Jahr nach ihrer ersten Rede auf einer Weltklimakonferenz – 2018 in Kattowitz – steht Thunberg am Mittwoch wieder auf einer Bühne bei dem Treffen mit Vertretern aus fast 200 Ländern. Und anders als bei Auftritten in der Vergangenheit ist sie ganz ruhig.

Sie habe im letzten Jahr viele Reden gehalten, sagt Thunberg, als sie am Mittwochvormittag auf der internationalen Klimakonferenz in Madrid spricht. Und sie habe gelernt, dass man mit Persönlichem und Emotionalem beginnen solle, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu bekommen.

„Etwas wie ‚Unser Haus brennt‘, ‚Ich will, dass ihr in Panik geratet‘ oder ‚Wie könnt ihr es wagen‘“, erklärt Thunberg und zitierte sich damit selbst. Mit diesen drastischen Formulierungen hat sie in der Vergangenheit versucht, auf die drohende Klimakatastrophe aufmerksam zu machen.

Greta Thunberg: In acht Jahren ist das CO2-Budget aufgebraucht

Am Mittwoch verzichtet sie trotzdem auf eine emotionale Ansprache. Die Leute würden sich sonst zu sehr auf solche Phrasen konzentrieren, sagt sie, und vergessen darüber die Wissenschaft, an die Thunberg doch eigentlich erinnern will.

Und die Wissenschaft sage, dass zu Beginn des Jahres 2018 nur noch ein Budget von 420 Gigatonnen CO2 übrig war, die ausgestoßen werden können, wenn die Erderwärmung 1,5 Grad Celsius nicht übersteigen soll.

„Natürlich ist dieses Budget heute viel kleiner, weil wir jedes Jahr 42 Gigatonnen CO2 ausstoßen“, mahnt Thunberg. „Mit dem heutigen Niveau von Emissionen wird dieses Budget in acht Jahren aufgebraucht sein.“ Schon ein Grad Erwärmung koste dabei Menschenleben, so Thunberg.

Greta Thunberg im Interview: Das würde sie Angela Merkel sagen
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Klimaneutralität 2050 ist Greta Thunberg zu spät

Kritiker hatten der schwedischen Aktivistin in der Vergangenheit Alarmismus und einen zu emotionalen Ansatz vorgeworfen. Ihnen antwortet sie in Madrid: „Bitte sagt mir, wie reagiert man auf diese Zahlen, ohne zumindest ein Stück weit Panik zu fühlen? Wie geht man um mit der Tatsache, dass praktisch nichts getan wird, ohne das geringste bisschen Wut? Und wie kommuniziert man das, ohne alarmistisch zu klingen? Ich wüsste es gern.“

In Madrid verhandeln noch bis Ende der Woche Vertreter aus fast 200 Ländern über die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens, mit dem die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad beschränkt werden soll. Das, was die Verhandler auf der Konferenz und auch politische Führer einzelner Länder bislang vorgelegt haben, beeindruckt Thunberg jedenfalls nicht.

Die Versprechen, Emissionen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft „um so und so viele Prozent“ zu reduzieren oder irgendwann klimaneutral zu sein – wie es EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen für die Europäische Union im Jahr 2050 anstrebt – mögen auf den ersten Blick beeindruckend klingen, so Thunberg.

„Aber null Emission 2050 bedeutet nichts, wenn hohe Emissionen auch nur für ein paar Jahre weitergehen.“ Dann werde das verbleibende Budget aufgebraucht sein. „Das ist nicht führen, das ist in die Irre führen.“

Die Klimaaktivistin hat weiter Hoffnung

Die nötige Veränderung sei nirgendwo in Sicht. „Es gibt überhaupt kein Gefühl von Dringlichkeit, unsere Anführer verhalten sich nicht, als ob wir in einem Notfall sind“, sagte Thunberg. Doch die 16-Jährige sieht auch Grund zur Hoffnung – nicht mit Blick auf die Regierungen, sondern die Menschen. Denn die würden jetzt beginnen, aufzuwachen.

Mit „Fridays for Future“ hat die Schwedin eine globale Bewegung für mehr Klimaschutz ins Leben gerufen. Mehr als je zuvor wird über die drohende Katastrophe gesprochen. Auf den Druck, der so auf die Regierenden entsteht, setzt die 16-Jährige: Die öffentliche Meinung regiere die Welt, sagt Thunberg. „Wir müssen nicht warten. Wir können den Wandel beginnen, jetzt sofort.“

Aktivisten nach unangemeldetem Protest des Geländes verwiesen

Eine Form von Druck, die am Mittwoch auf der Klimakonferenz nicht toleriert wurde, war der lautstarke Protest mehrerer Hundert Aktivistinnen und Aktivisten. Sie wurden des Geländes verwiesen, weil sie bei einem nicht angemeldeten Protest vor einem der Plenarsäle unter anderem mit Parolen für mehr Einsatz im Kampf gegen den Klimawandel protestiert hatten. Die Aktivisten wurden von Sicherheitskräften vom Gelände gebracht.

Dem Protest sei mit unverhältnismäßiger Aggressivität von Seiten der Sicherheitskräfte begegnet worden, sagte Olaf Bandt, Vorsitzender der Naturschutzorganisation BUND, in einem Statement. „Menschen wurden daran gehindert, sich frei zu bewegen und wir haben beobachtet, wie friedliche Aktivistinnen und Aktivisten von Sicherheitskräften angegangen wurden.“ Am Abend war zunächst unklar, ob die Betroffenen am nächsten Tag wieder Zugang zum Konferenzgelände bekommen würden.