Rechtsextremismus

Neonazi-Todesdrohung auch gegen Claudia Roth gerichtet

Neben Cem Özdemir erhält auch Claudia Roth Todesdrohungen von einem Neonazi-Netzwerk. Sie stehe auf „Platz 2“ der Todesliste.

Claudia Roth wird von Neonazis bedroht – wie ihr Kollege Cem Özdemir.

Claudia Roth wird von Neonazis bedroht – wie ihr Kollege Cem Özdemir.

Foto: Angelika Warmuth / dpa

Berlin. Neben Cem Özdemir hat eine weitere Politikerin der Grünen eine Todesdrohung erhalten: Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth. Das bestätigte Roths Büro unserer Redaktion. Beide Drohmails wurden vom Neonazi-Netzwerk „Atomwaffen Division Deutschland“ unterzeichnet, gingen am 27. Oktober ein und nehmen Bezug aufeinander.

Wörtlich heißt es in dem Schreiben an Roth: „Sie sind zurzeit Platz zwei auf unserer Abschussliste.“ Die Politikerin wird darin aufgefordert, sich bis Ende dieser Woche mit einer schriftlichen Erklärung in den sozialen Medien „klar von den Grünen zu distanzieren“.

Neonazi-„Todesliste“: Claudia Roth steht laut Drohung „auf Platz 2“

Vom Duktus her erinnert das Schreiben an die Drohungen des so genannten Staatsstreichorchesters gegen andere Politiker wie zuletzt den thüringischen CDU-Vorsitzenden Mike Mohring. Deswegen wird in Sicherheitskreisen nicht ausgeschlossen, dass die Drohungen einen gemeinsamen Urheber haben, der sich verschiedene Namen gibt.

In den USA gilt die „Atomwaffen Division“ als extrem gewaltbereit. Seit einigen Monaten häufen sich die Hinweise auf einen neuen deutschen Ableger der Organisation.

Roth sagte unserer Redaktion: „Wer glaubt, uns mit seinem dumpfen Hass und seiner geschichtsblinden Hetze vom Einsatz für eine vielfältige und weltoffene Gesellschaft abbringen zu können, den muss ich bitter enttäuschen.“

Roth kritisiert Salonfähigkeit rassistischen Gedankenguts

Allerdings seien viel zu lange Warnungen vor der Salonfähigkeit rassistischen Gedankenguts ignoriert und Hinweise auf Vernetzung und Radikalisierung kleingeredet worden. „Das muss sich dringend ändern.“

Roth forderte: „Mehr denn je müssen wir Gesicht zeigen und die Stimme erheben gegen die Stichwortgeber und Brandbeschleuniger, auch in unseren Parlamenten.“

Die Drohungen gegen Cem Özdemir wurden am Sonnabend bekannt, nachdem er mit unserer Redaktion gesprochen hatte.