Klimawandel

UN-Klimagipfel: Greta kämpft bei Rede mit den Tränen

Kanzlerin Merkel stellt vor den UN die Beschlüsse des „Klimakabinetts“ vor. Vorher sprach Greta Thunberg und kämpfte mit den Tränen.

Die 16-Jährige Greta Thunberg auf dem UN-Klimagipfel in New York.

Die 16-Jährige Greta Thunberg auf dem UN-Klimagipfel in New York.

Foto: LUCAS JACKSON / Reuters

Berlin/New York. Greta Thunberg hat mit einer emotionalen Rede an die Regierungschefs der Welt appelliert, einen Kurswechsel in der Klimapolitik zu vollziehen.

„Wie können Sie es wagen!“, sagte sie an die versammelten Staats- und Regierungschefs gerichtet. „Sie haben meine Träume gestohlen und meine Kindheit, mit Ihren leeren Worten.“

Dabei sei sie noch eine von den „Glücklicheren“. Andere Menschen würden leiden und sterben, sagte Thunberg sichtlich bewegt und mit brüchiger Stimme. „Ökosysteme kollabieren und wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und Sie sprechen nur über das Geld und Märchen von unendlichem wirtschaftlichen Wachstum. Wie können Sie es wagen!“

Greta Thunberg auf UN-Klimagipfel: Junge Menschen begreifen Verrat

„Wie Sie es wagen, wegzuschauen und herzukommen, um zu sagen, Sie tun schon genug.“ Die jungen Menschen begriffen allmählich diesen Verrat. „Wenn Sie uns im Stich lassen, werden wir Ihnen niemals vergeben.“

Zuvor hatte UN-Generalsekretär António Guterres den Klima-Sondergipfel mit einem Aufruf zu mehr Einsatz für den Klimaschutz offiziell eröffnet. „Wenn wir nicht umgehend unsere Art zu leben ändern, werden wir das Leben selbst gefährden“, sagte er am Montag im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York.

Es sei genug geredet und verhandelt worden, jetzt seien konkrete Taten nötig. Die internationale Gemeinschaft habe darin versagt, diesen Planeten zu schützen. „Das muss sich ändern.“Staats- und Regierungschefs wollen im Laufe des Montags (Ortszeit) ihre Klimaschutzpläne für die kommenden Jahre vorstellen.

Guterres will mit der Veranstaltung drei Monate vor der Weltklimakonferenz im Dezember in Chile den Druck auf alle Länder erhöhen, da der Kampf gegen die Erderwärmung zu Scheitern droht. Mache die Menschheit weiter wie bisher, erwärme sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um mindestens drei Grad Celsius, warnte er.

Was kann die Kanzlerin vorlegen?

Das deutsche „Klimakabinett“ präsentierte pünktlich vor dem Klimagipfel am Freitag „Eckpunkte für das Klimaschutzprogramm 2030“. Sie enthalten den Kohleausstieg bis spätestens 2038, diverse Förderpläne und Anreize sowie einen gesetzlichen Rahmen, über den beim Klimaschutz nachgesteuert werden soll.

Ein CO2-Preis für Verkehr und Heizen soll ab 2021 fossile Heiz- und Kraftstoffe verteuern. Er wird anfangs aber so niedrig angesetzt, dass Experten zufolge zunächst kaum eine Wirkung zu erwarten ist.

Wie steht es um die Erfüllung der Pariser Klimaziele?

Ziel des Pariser Abkommens ist es, die Erderwärmung auf „deutlich unter 2 Grad“ zu beschränken, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad. Legt man sämtliche Maßnahmen zugrunde, die die Staaten bisher zugesagt haben, so bewegt sich die Erde nach Berechnungen von Klimaforschern jedoch auf einen Temperaturanstieg von rund 4 Grad zu.

Wie die Bundesregierung scheitern auch viele andere Staaten schon bei der Umsetzung der bisher zugesagten Maßnahmen. Das ist einer der Gründe, warum es – anders als bei anderen Klimakonferenzen – am Montag kein Abschlussdokument geben wird. Die Länder werden sich also an ihren angekündigten Maßnahmen messen lassen müssen. Das gilt auch für Deutschland und die Beschlüsse des „Klimakabinetts“.

Die bisher beschlossenen Maßnahmen haben bereits Konsequenzen. 16 Kinder und Jugendliche aus zwölf verschiedenen Ländern – unter ihnen Greta Thunberg und eine 15-jährige Jugendliche aus Hamburg – haben am Montag bekannt gegeben, dass sie eine offizielle Beschwerde beim UN-Kinderrechtsausschuss eingereicht haben. Darin werfen sie Staaten, unter anderem Deutschland, vor, dass sie zu wenig gegen die Klimakrise tun und damit gegen die weltweit gültigen Kinderrechte verstoßen.

(max/les/dpa)