Wahlkampf

Wie Mike Mohring nach der Krebserkrankung die AfD bekämpft

Thüringens CDU-Chef Mike Mohring hat eine schwere Krebserkrankung überlebt – und kämpft nun gegen Linke und AfD. Wir haben ihn besucht.

Mike Mohring, CDU-Fraktionsvorsitzender von Thüringen, am Dienstag auf Schloss Blankenhain.

Mike Mohring, CDU-Fraktionsvorsitzender von Thüringen, am Dienstag auf Schloss Blankenhain.

Foto: Martin Schutt / dpa

Apolda.. Wenn man Mike Mohring in diesen Sommertagen im thüringischen Wahlkampf erlebt, wirkt er, als sei nichts geschehen. Als seien die letzten Monate an ihm spurlos vorbeigegangen. Leicht gebräunt, in weißem Hemd und heller Hose erklärt er am Dienstag Besuchern die wirtschaftliche Lage seiner Heimatstadt Apolda.

Man merkt dem wahlkämpfenden CDU-Landeschef nicht an, dass die schlimmsten sieben Monate seines Lebens hinter ihm liegen. In dieser Zeit überwand er eine schwere Krebserkrankung. Eine Zeit, in der er um sein Leben kämpfte. Eine Zeit, in welcher der Hashtag „Mützen für Mike“ populär wurde, weil er seine Glatze, die durch die Chemotherapie entstand, mit wechselnden Kopfbedeckungen überdeckte. Es ist Anfang August, noch ruht das politische Berlin in der Sommerpause.

Mike Mohring hat Probleme mit der Bundes-CDU

Mohring ist dagegen den ganzen Sommer unterwegs. Unter dem Motto „Auf geht’s Thüringen“ erwandert das CDU-Präsidiumsmitglied sich sein Bundesland, jüngst mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU, „Bratwurst gern aus Thüringen, aber nur mit Senf aus Bautzen“). Und sieht bei seinen Wanderungen einen sterbenden Wald.

So schlimm, dass er angesichts der dramatischen Lage in den Thüringer Wäldern Amtshilfe durch Bundeswehr und Technisches Hilfswerk beantragte. Vom Borkenkäfer befallenes Holz müsse unverzüglich aus dem Wald, damit sich der Befall nicht ausbreite. Auch das Trockenholz müsse beiseite geräumt werden. Die Waldbesitzer seien heillos überfordert.

Im Sommer 2019 werden alle Politiker zu Umwelt- und Klimaschützern, möchte man meinen. Besonders bei der Union. Doch so leicht ist es nicht. Wenn der 47-Jährige in Berlin vor der CDU-Zentrale auftritt, dann hadert der Ostdeutsche durchaus auch öffentlich mit dem Kurs seiner Partei. Jüngst etwa mit den Vorschlägen zum Klimaschutz, die die schwarze Null im Haushalt wackeln lassen könnten.

„Ich verstehe die Berliner Politiker überhaupt nicht, die meinen, wenn schon so viel Geld da ist, noch mehr Geld irgendwo herzunehmen, aus Steuererhöhungen oder durch Verschuldung. Ich teile diesen Weg ausdrücklich nicht.“ Er hoffe, dass die für September angekündigten Vorschläge der CDU zum Klimaschutz „vor allem Vorschläge zum Anreiz sind und nicht zum Verbot“.

CDU in Thüringen zwischenzeitlich nur drittstärkste Partei

Mohring argumentiert gegen eine CO2-Steuer. Auch eine „Fleischsteuer“ lehnt er ab. Nach den Gründen gefragt, verweist er auf die Menschen in seinem Bundesland. Nicht bei allen haben der Klimaschutz oberste Priorität. Es gehe auch um Arbeitsplätze, Sicherheit und Anerkennung von Lebensleistung.

Und er machte sich zu Recht Sorgen. Im Gegensatz zu seinen CDU-Kollegen in Sachsen und Brandenburg hat er zwar noch Zeit bis Ende Oktober für den Wahlkampf. Zeit für seinen Plan, den thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) aus der Erfurter Staatskanzlei zu verdrängen.

Mohring tritt für den Wahlkreis 30 an, Weimarer Land I/Saalfeld-Rudolstadt III. Die Umfrage sahen eine ganze Zeit lang positiv für ihn aus, die CDU war stärkste Kraft. Doch dann schreckte jüngst eine Umfrage des MDR auf. Die CDU, in Thüringen bei Wahlen und in Umfragen seit der Wiedervereinigung stärkste Partei, war mit 21 Prozent nur drittstärkste Kraft.

Für die Christdemokraten im Freistaat ein Tiefstwert. Die Linke kam auf 25 Prozent, die AfD mit ihrem Fraktionschef, Rechtsaußen Björn Höcke, erreichte 24 Prozent. Die CDU schiebt die Zahlen auf die Thüringer Sommerferien. Dennoch ist Mohring gewarnt. Er kämpft, tourt zu Sommerfesten und schüttelt Hände.

Mike Mohring will Unsicherheit im Osten bekämpfen

Man merkt ihm dennoch eine neue innere Gelassenheit an. Er hat vieles richtig gemacht im Umgang mit seiner Krankheit – sie öffentlich gemacht, ohne medizinische Details zu nennen. Noch immer kommen Menschen auf ihn zu, verraten ihm ihre persönlichen Schicksale, nehmen Anteil. Er hat vielen Mut gemacht und sich selbst eine andere Sichtweise auf die Dinge verordnet.

„Viele Menschen aus meinem Umfeld sagen mir, dass ich mich weiterentwickelt habe und dass ihnen das gefällt. Nach einer solchen Diagnose relativiert sich vieles. Mir fällt jetzt auf, wie viel Zeit wir mit nebensächlichen Fragen verballern. Und wenn ich in eine Diskussion gehe, denke ich: Auch der andere könnte recht haben“, hatte er unserer Redaktion im März gesagt . Er hat es beherzigt.

Einen Wandel in der Persönlichkeit attestieren ihm auch jene, die ihn wegen seiner Rolle im Intrigantenstadel der Thüringer CDU generell kritisch sehen. Die Partei hatte sich unter der ehemaligen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht jahrelang innerparteiliche Grabenkämpfe geliefert.

Ist er optimistisch? Auf die Frage, was er von der Parteizentrale erwarte, erwidert er, er sei „bescheiden“ geworden. Wichtig sei vor allem endlich eine Einigung mit der SPD bei der Grundrente. Das sei auch ein Zeichen von Handlungsfähigkeit und Glaubwürdigkeit. Es gebe im Osten eine Unsicherheit gegenüber dem Wohlstandsversprechen des Staates. Dem müsse man endlich entgegentreten. „Die Leute sind frustriert, wenn wir unsere Versprechen nicht einhalten.“

Was ist aus den Mützen geworden? Er hat sie noch alle. Aber will sie nur noch im Winter tragen.