Persischer Golf

Die Iran-Krise erklärt: So gefährlich ist der Golf-Konflikt

Immer wieder Zwischenfälle im Persischen Golf. Warum hat sich die Lage so zugespitzt? Und was bedeutet das? Die wichtigsten Infos.

Der Iran hatte den Tanker am Freitag beschlagnahmt, weil er in einen Unfall mit einem Fischerboot verwickelt gewesen sein und dessen Notruf ignoriert.

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Berlin..  Die Lage im Persischen Golf ist explosiv wie lange nicht. Fast keine Woche vergeht, ohne dass Tanker auf der wichtigsten Ölroute der Welt angegriffen werden. „Es geht darum, Krieg zu verhindern“, warnt Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD).

Sollte die Diplomatie scheitern und es zu einer militärischen Eskalation kommen, gäbe es „keine Gewinner, nur Verlierer“. Wie gefährlich ist der Konflikt zwischen den USA und dem Iran? Wie bedrohlich ist der Tanker-Krieg? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum hat sich die Lage am Golf zuletzt so zugespitzt?

Am Freitag halten Iranische Revolutionsgarden zwei britische Tanker in der Straße von Hormus fest. Während die „Mesdar“ nach einer Befragung weiterdarf, wird die unter britischer Flagge fahrende „Stena Impero“ in die Kette gelegt. Teheran behauptet, dass das Schiff ohne GPS-Signal auf der falschen Richtungsspur unterwegs gewesen sei. London bestreitet dies.

Der britische Außenminister Jeremy Hunt spricht von einer „inakzeptablen und eskalierenden“ Bedrohung der freien Schifffahrt und kündigt Konsequenzen an. Nach Medienberichten will er an diesem Montag diplomatische und wirtschaftliche Sanktionen gegen den Iran ankündigen.

Westliche Experten sehen in den jüngsten iranischen Kaper-Aktionen Ver­geltungsmaßnahmen gegen Großbritannien. Am 4. Juli wird der unter der Flagge Panamas fahrende Supertanker „Grace 1“ mit Öl aus dem Iran im britischen Gibraltar festgesetzt. Der Vorwurf: Es habe sich um von der EU untersagte Lieferungen an Syrien gehandelt. Der iranische Präsident Hassan Rohani kritisiert dies als „Piraterie“ und droht Konsequenzen an.

Warum ist die Straße von Hormus so wichtig?

Die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist die bedeutendste Ölroute der Welt. Durch die Wasserstraße wird rund ein Drittel aller Exporte des „schwarzen Goldes“ transportiert.

Sind die USA militärisch involviert?

Es kam bislang zwar zu keiner direkten militärischen Konfrontation zwischen den USA und dem Iran – aber beide Seiten setzen Nadelstiche. Am 20. Juni schießt der Iran eine US-Aufklärungsdrohne ab. Die Behauptung Teherans, dass der Flugkörper den iranischen Luftraum verletzt habe, wird von Washington zurückgewiesen.

US-Präsident Donald Trump will einen Militärschlag erst in letzter Minute gestoppt haben, es soll einen Cyberangriff gegeben haben. Am 18. Juli vernichtet die „USS Boxer“ in der Straße von Hormus angeblich eine iranische Drohne, weil sie dem US-Kriegsschiff zu nahe gekommen sei. Teheran widerspricht.

Kommentar: Iran und die USA - Das gefährliche Spiel mit dem Feuer

Wann hat die Eskalation begonnen?

Am 8. Mai, dem ersten Jahrestag des US-Ausstiegs aus dem internationalen Atomabkommen, droht der Iran den restlichen Unterzeichnerstaaten. Sollte es vor allem den Europäern nicht gelingen, innerhalb von 60 Tagen die US-Sanktionen zu kompensieren, fühle sich Teheran nicht mehr an Teile des Nuklearvertrags gebunden.

Dann werde der Atombomben-Baustoff Uran wieder über das erlaubte Limit hinaus angereichert. Am 12. Mai werden im Golf von Oman vier Handelsschiffe attackiert, im Juni zwei. Die USA machen den Iran dafür verantwortlich. Teheran dementiert.

Welches Ziel verfolgt US-Präsident Donald Trump?

Der Chef des Weißen Hauses will das Mullah-Regime durch harsche Wirtschaftssanktionen in die Knie zwingen. Vor allem der iranische Öl- und Bankensektor soll vom internationalen Handel abgeschnitten werden. Trotz des Atomabkommens halte Teheran an seinen Kernwaffen-Plänen fest, kritisiert Trump.

Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) hat allerdings mehr als 15-mal zertifiziert, dass der Iran alle Auflagen seit Inkrafttreten des Vertrags im Januar 2016 einhalte. Dem US-Präsidenten geht es jedoch um mehr: Er will, dass Teheran sein Raketenprogramm einstellt. Darüber hinaus verlangt er den Rückzug aller iranischen Kräfte aus der Region.

Trumps Kalkül: Um einen Zusammenbruch des Regimes zu vermeiden, würde die iranische Führung am Ende einlenken. In Washington heißt dies: „Strategie des maximalen Drucks“.

Was will der Iran?

Teheran fühlt sich durch den US-Ausstieg aus dem Atomabkommen verraten. Die Europäer haben zwar keine Sanktionen verhängt. Doch viele Firmen haben sich aus dem Iran zurückgezogen – aus Angst, ihr US-Geschäft zu verlieren. Mit der begonnenen Anreicherung von Uran will der Iran die Europäer zwingen, die US-Sanktionen auszugleichen.

Einige westliche Fachleute werfen Teheran eine Eskalation auf kleiner Flamme vor. Die Drohkulisse: Die Angriffe gegen Tanker im Persischen Golf sollen Unsicherheit in der Energie-Arterie schaffen – mit dem Risiko eines Schocks für die Weltkonjunktur.

Maas fordert Iran auf, sich an das Atomabkommen zu halten

Wie verhalten sich die Europäer?

Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen am Atomabkommen festhalten. Doch die vom Iran gewünschte Kompensation für die US-Sanktionen können sie nicht bieten. Die Tauschbörse Instex, die einmal als Ersatz-Handelsplattform an den Amerikanern vorbei geplant war, arbeitet nur zaghaft.

Bislang wickelt sie nur die Lieferung von Medikamenten und Nahrungsmitteln ab. Teheran dürfte sich damit nicht zufriedengeben. Das heißt: Die Iraner werden Uran weiter anreichern. Die Gefahr einer Eskalation am Golf steigt. Heiko Maas äußerte seine Angst vor einem Krieg.