Perischer Golf

Iran stoppt ausländischen Öltanker – Crew verhaftet

Irans Revolutionsgarden haben einen ausländischen Tanker gestoppt. Er soll Öl geschmuggelt haben. Woher er kam, ist noch nicht bekannt.

Anfang Juli war der iranische Öltanker „Grace 1“ durch die britische Marine vor Gibraltar festgesetzt. Der Iran hatte daraufhin mit Konsequenzen gedroht.

Anfang Juli war der iranische Öltanker „Grace 1“ durch die britische Marine vor Gibraltar festgesetzt. Der Iran hatte daraufhin mit Konsequenzen gedroht.

Foto: JON NAZCA / Reuters

Teheran.. Neue Eskalation im Persischen Golf: Der Iran hat nach eigenen Angaben einen ausländischen Öltanker gestoppt und die zwölf ausländischen Crew-Mitglieder festgenommen. Details zum Schiff und zur Nationalität der Crew wurden zunächst nicht bekannt gegeben.

Die Revolutionsgarden hätten das Schiff mit angeblich einer Million Liter geschmuggeltem Öl in der Nähe der Straße von Hormus festgesetzt, berichtete das staatliche iranische Fernsehen am Donnerstag. Der Vorfall habe sich bereits am vergangenen Sonntag ereignet. Bei den Revolutionsgarden handelt es sich um paramilitärische Einheiten, die im In- und Ausland zum Schutz des iranischen Regimes eingesetzt werden.

Öltanker auf dem Weg nach Syrien in Gibraltar festgesetzt

Das Außenministerium in Teheran teilte mit, der Tanker sei nach einem Notruf in iranische Gewässer geschleppt worden. Dabei habe man festgestellt, dass das Schiff geschmuggeltes Öl geladen habe. Der Ölschmuggel ist in der südiranischen Provinz Hormusgan ein lukratives Geschäft. Über die Straße von Hormus werden immer wieder Öl und Benzin, die im Iran relativ billig sind, direkt in die Nachbarstaaten geschmuggelt oder an andere Schiffe außerhalb der iranischen Gewässer geliefert.

Straße von Hormus – Ölschmuggel ist lukratives Geschäft

Vergangene Woche hatte ein Zwischenfall mit einem britischen Tanker in der Straße von Hormus international Besorgnis ausgelöst. Nach britischen Angaben hatten dort drei iranische Boote versucht, ein britisches Handelsschiff an der Durchfahrt zu hindern. Eine britische Fregatte zwang sie jedoch zum Abdrehen.

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Teheran bestritt, in den Vorfall verwickelt zu sein. Zudem gibt es zwischen beiden Ländern Streit über einen in Gibraltar festgesetzten iranischen Öltanker. Im Mai und Juni waren mehrere Schiffe im Golf von Oman angegriffen worden. Washington macht hierfür den Iran verantwortlich, was dieser bestreitet. Durch die Straße von Hormus wird rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs transportiert.

Vor diesem Hintergrund drängen die USA ihre Verbündeten, Kriegsschiffe zum Schutz von Handelsschiffen im Persischen Golf zu entsenden. Nach Informationen unserer Redaktion wurden am Dienstag in Brüssel die Diplomaten einiger Nato-Staaten – darunter auch Deutschland – von amerikanischen Regierungsvertretern kontaktiert. Es seien „informelle Gespräche“ gewesen, heißt es in Berlin.

Iranische Boote versuchten britischen Öltanker zu stoppen

An diesem Freitag wollen die USA zudem andere Staaten über ihre Initiative zum Schutz der freien Seefahrt informieren. Vertreter des Verteidigungs- und des Außenministeriums würden zu einem Treffen mit ausländischen Diplomaten in Washington zusammenkommen, kündigte das US-Außenministerium an. Multinationale Bemühungen seien nötig, um die sichere Passage von Schiffen am Golf zu garantieren. Eine mögliche Beteiligung haben nach Angaben aus Nato-Kreisen bislang nur Staaten wie die Niederlande, Dänemark und Norwegen angedeutet.

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Die Bundesregierung steht unter Zugzwang. Derzeit überwiegt allerdings noch die Skepsis. Bei einer Marine-Mission der Bundeswehr müsse die Frage gestellt werden, ob sie zur Eskalation oder Deeskalation in der Region beitrage, wird in Regierungskreisen betont. Zudem sei zu prüfen, wie das Mandat eines derartigen Einsatzes aussehe.

Reeder über militärische Eskalation besorgt

Mit einem UN-Auftrag sei nicht zu rechnen, da die Sicherheitsratsmitglieder Russland und China hinter dem Iran stünden. Eine Aktion auf der Basis des Selbstverteidigungsrechts sei problematisch, heißt es in Berlin. Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen spricht jedem Staat das Recht auf Selbstverteidigung gegen einen bewaffneten Angriff zu.

In der Bundesregierung kursieren jedoch auch andere Szenarien. So wird zum Beispiel angedacht, Handelsschiffe durch zivile Mittel zu schützen. Im Mittelpunkt stünden vertrauensbildende Maßnahmen mit Blick auf die Regierungen in der Region.

Nach Schätzungen des Verbandes Deutscher Reeder in Hamburg sind derzeit maximal 20 Schiffe unter deutschem Management im Golf von Oman und im Persischen Golf unterwegs. Darunter befänden sich höchstens fünf Großtanker, wie der Verband auf Anfrage mitteilte.

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Einer davon gehört der Hamburger Reederei Jacob. „Wir machen uns Sorgen über eine militärische Eskalation im Persischen Golf. Die Entsendung von Kriegsschiffen in die Region würde die Lage im gegenwärtigen Stadium nur verschlimmern“, sagte Peter Juul Christensen, Sicherheitschef bei Jacob, unserer Redaktion.

Das Unternehmen hat derzeit einen Öltanker im Persischen Golf, der den Hafen von Fudschaira an der Ostküste der Vereinigten Arabischen Emirate verlassen hat und aktuell Kurs auf Katar nimmt. In dem Golfstaat soll das Schiff Öl laden und danach nach China und Singapur transportieren.

Dennoch will Christensen einen Marine-Einsatz nicht grundsätzlich ausschließen. „Falls die Situation weiter eskaliert und noch mehr Attacken stattfinden, sollten sich alle Seefahrer-Nationen einschalten, um die Schiffe und ihr Personal sicher zu halten.“