Friedensstudie

Ein bisschen mehr Frieden: Die Welt ist weniger gewalttätig

Die Welt ist ein bisschen friedlicher geworden, heißt es in einem Bericht. Von einem Trend wollen die Autoren aber nicht sprechen.

Die Welt ist ein bisschen friedlicher geworden, so ein aktueller Bericht - trotz vieler negativer Entwicklungen. Europa bleibt die friedlichste Region der Welt.

Die Welt ist ein bisschen friedlicher geworden, so ein aktueller Bericht - trotz vieler negativer Entwicklungen. Europa bleibt die friedlichste Region der Welt.

Foto: imago stock&people / imago/Winfried Rothermel

London. Auch wenn viele einen anderen Eindruck haben: Die Welt ist etwas friedlicher geworden. Das geht aus dem aktuellen Bericht der Denkfabrik Institute for Economics and Peace (IEP) hervor. Demnach hat sich die Friedenslage in der Welt erstmals seit fünf Jahren verbessert.

Das Londoner Institut bewertet einmal im Jahr die Lage von 160 Ländern nach Kriterien wie Terrorismus, Krieg, Polizeigewalt und Waffenexporten - und berechnet daraus den Globalen Friedensindex.

Laut der Studie ist vor allem die weltweite Bewaffnung zurückgegangen. Die habe sich in 106 Ländern verringert – und damit einen jahrzehntelangen Trend fortgesetzt. Am meisten verbessert habe sich die Friedenslage in der Ukraine. Auch in Syrien und im Irak habe sich die Situation stabilisiert. Damit ist Syrien erstmals seit vielen Jahren nicht mehr das Land mit dem geringsten Frieden. Auch das Bamf hatte kürzlich die Sicherheitslage für Syrien-Flüchtlinge neu bewerte t.

Hintergrund: Minister Maas fordert neue weltweite Abrüstungsinitiative

Weltfrieden erstmals gestiegen – ein Trend?

Von einem Trend will IEP-Gründer Steve Killelea aber noch nicht sprechen. Vieles komme darauf an, wie sich die Situation im Nahen Osten entwickle, besonders im Hinblick auf den Iran. Ein Konflikt dort hätte erhebliche Auswirkungen auf die Länder in der Region, so Killelea gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran könnte sich hier zuspitzen.

Trotz dieser Verbesserungen ist die Welt heute jedoch deutlich weniger friedlich als noch vor zehn Jahren, gibt der Bericht zu Bedenken. Der durchschnittliche Grad an Friedlichkeit habe sich seit 2008 um fast vier Prozent verschlechtert – und bleibt damit gemessen a, Jahrzehnt weiterhin auf einem Tiefstand.

Weltfrieden: Die Ungleichheit ist trotzdem weiter gestiegen

Obwohl sich der Frieden aktuell insgesamt verbessert habe, so Killelea, gäbe es eine Mischung aus positiven und negativen Trends. „Während die Konflikte, die das letzte Jahrzehnt beherrscht haben, wie der Irak und Syrien, nachzulassen beginnen, sind im Jemen, Nicaragua und in der Türkei neue Konflikte entstanden.“ Das führe dazu, dass die untersten zehn Länder des Index um mehr als den globalen Durchschnitt zurückgegangen sind. Die weltweite Ungleichheit hinsichtlich des Friedens habe sich damit vergrößert.

Europa ist nach wie vor die friedlichste Region der Welt. Im vergangenen Jahr trug dazu vor allem ein Rückgang an Terroranschlägen bei. Auch die Zahl der Flüchtlinge, die in Europa Schutz suchten, ging zurück. Unter den Ländern steht Island als das friedvollste Land an der Spitze des Index.

Es folgen Neuseeland, Österreich, Portugal und Dänemark. Bhutan hat die größte Verbesserung aller Länder unter den Top 20 verzeichnet und ist in den letzten 12 Jahren um 43 Plätze gestiegen.

Kommentar: Grundgesetz und Europäische Union – ein Land, zwei Anker

Auf den letzten Platz der Friedensskala ist Afghanistan abgerutscht. Auch in Nicaragua, der Türkei und im Jemen habe sich die Lage verschlechtert.

Das Institut erfasste auch, welche die Kosten der weltweiten Gewalt: Auf 12,5 Billionen Euro bezifferten sie ihre wirtschaftlichen Auswirkungen – mehr als 11 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die zehn am stärksten von Gewalt betroffenen Ländern zahlten im Schnitt 35 Prozent ihres BIP dafür. (dpa/vem)