Strache-Video

Böhmermann und das Strache-Video: Schweigen im „Neo Magazin“

Jan Böhmermanns Rolle in der Strache-Affäre bleibt unklar: Im aktuellen „Neo Magazin Royale“ äußerte er sich nicht zu Österreich.

Böhmermann nach Strache-Video- Countdown zu „Europa-Special“

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Köln. Am Mittwoch hatte Jan Böhmermann noch die Erwartungen geschürt, dass es neue Enthüllungen im Fall von Heinz-Christian Strache geben könnte. Inzwischen ist klar: Der Satiriker hat die Fernsehzuschauer genarrt. Er veröffentlichte am Mittwochabend einen „Europa Song“.

Auch in der jüngsten Folge des „Neo Magazin Royale“ gab es keine neuen Details zum Video, das den Rücktritt des ehemaligen österreichischen Innenministers Heinz-Christian Strache und die schwere Regierungskrise im Nachbarland ausgelöst hatte.

Jan Böhmermann veröffentlicht „Europa-Video“

Stattdessen zeigt Böhmernann das Europa-Video, das er am Mittwoch unter dem Hashtag #Dotheyknowitseurope veröffentlicht hatte, auch im „Neo Magazin Royale“. Auch wirbt Jan Böhmermann dafür, bei der Europawahl wählen zu gehen – und wandte sich hier auch einmal an die Österreicher. Das war es dann aber auch schon an Sendungsinhalten mit Bezug zur Alpenrepublik. Statt der Ibiza-Affäre stand das 70-jährige Jubiläum des Grundgesetzes im Vordergrund.

Bis zuletzt war spekuliert worden, dass Böhmermann das Video mit heimlichen Aufnahmen Heinz-Christian Straches bereits seit Wochen kannte. Das zeigt auch ein Video aus einer vorigen „Neo Magazin Royale“-Ausgabe, in dem er sagt, dass es sein könne, dass „morgen Österreich brennt“.

Satiriker wusste von Strache-Video

Die Sendung war am 16. Mai in der ZDF-Mediathek veröffentlicht worden. Was da noch völlig zusammenhangslos wirkte, bekam dann schnell einen neuen Kontext, als einen Tag später ein Video veröffentlicht wurde, das Strache zeigt, der versucht, möglicherweise illegale Absprachen mit angeblichen russischen Investorin zu treffen.

Inzwischen hat sich Böhmermanns Haussender zu den Vorkommnissen geäußert. Und jenen, die an einen genialen Coup des Satirikers glaubten, die Hoffnung genommen. Böhmermann selbst schweigt zu den Vorwürfen.

Böhmermann und das Strache-Video: Was bisher bekannt ist

• Schon im April gab Böhmermann eindeutige Hinweise auf das Strache-Video – damals wirkten sie zusammenhangslos
• Seine Kommentare sorgten in dem Land für viel Aufsehen
• Auch am Vorabend der Veröffentlichung gab es eine Anspielung
• Seitdem hat Böhmermann immer wieder zum Thema „Ibiza-Affäre“ getwittert

• In der jüngsten Ausgabe des „Neo Magazin Royale“ gab es keine weiteren Hinweise

Böhmermann und die Ibiza-Affäre

Der Countdown verweist hingegen auf die Seite dotheyknowitseurope.eu – „Wissen sie, dass es Europa ist“. Auf der Seite fand sich ein Countdown bis Mittwochabend: Der interessierte so viele Böhmermann-Fans, dass die Seite am Abend zunächst nicht erreichbar war. Ein Nutzer wollte im Code der Seite des Wort „Ibiza“ entdeckt haben und zeigte dies mit Screenshots in den Kommentaren. Mittlerweile ist auf der Seite der Europa-Song sichtbar.

Auf der Seite des ZDF gibt es allerdings seit Mittwochabend mehr zum Thema: Nach dem Countdown hat Jan Böhmermann einen „Europa Song“ veröffentlicht. Unter dem Titel „#DoTheyKnowItsEurope“ ist er dort zu sehen – „die große Kampagne des ,Neo Magazin Royale’ mit Jan Böhmermann und Freunden für Europa“, heißt es. Die Ibiza-Affäre spielt dort keine Rolle.

Direkt äußerte sich Böhmermann seit Bekanntwerden des Videos nicht mehr. Auf Twitter hatte er allerdings ein Video von den „Vengaboys“ gepostet. Der Titel: „We’re Going To Ibiza!“. Der Beitrag wurde fast 1000 Mal geteilt und tausendfach mit „Gefällt mir“ markiert. In den Kommentaren feiern Nutzer den Satiriker für die Aktion.

Böhmermann wird als Held gefeiert

Neben Dankesbekundungen wird Böhmermann auch als Held bezeichnet. Zwischenzeitig war spekuliert worden, Böhmermann hatte die Falle selbst gestellt. Dafür gibt es keine Bestätigung. Das ZDF schloss gegenüber „Bild“ allerdings eine Beteiligung Böhmermanns oder seiner Produktionsfirma an der Herstellung des Videos aus.

Strache-Video- Österreich bereitet sich auf Neuwahlen vor

Schon vor Wochen hatte er Hinweise auf die Affäre gegeben, die damals bis auf wenige Eingeweihte niemand hatte zuordnen können. Aus vermeintlich willkürlichen Äußerungen wurde so nachträglich ein sehr präziser Hinweis.

Jan Böhmermann kannte Video: Sprecher bestätigt Verdacht zu Strache-Skandal

Freitagabend löste das Video, das in einer Villa in Ibiza aufgenommen wurde, den erwartbaren Skandal in Österreich aus. Daraufhin trat Heinz-Christian Strache als Vizekanzler und FPÖ-Chef zurück. Bundeskanzler Sebastian Kurz kündigte am Samstag Neuwahlen in Österreich an.

Dass Böhmermann von dem Skandal-Video wusste, bestätigte sein Manager Peter Burtz schon am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Er dementierte aber, dass die Aufnahmen Böhmermann angeboten worden seien. Da sie ihm nicht angeboten worden seien, habe er sie auch nicht abgelehnt, ließ Burtz mitteilen.

Auch Strache selbst erwähnte den ZDF-Moderator in seiner Rücktrittsrede. Nicht wenige fragten sich, ob Böhmermann nicht tatsächlich hinter dem Video steckte oder nur davon gewusst hatte. Der Satiriker hatte zum Beispiel bei der Aktion #verafake 2016 einen Schauspieler in die Sendung „Schwiegertochter gesucht“ eingeschleust und mit den Enthüllungen RTL entrüstet.

Woher Böhmermann von den Video-Aufnahmen mit Strache wusste, wisse er nicht, sagte Manager Burtz. Böhmermann hatte bereits im April bei der Verleihung des österreichischen TV-Preises Romy in einer Video-Botschaft Andeutungen zu dem Fall gemacht. Den Preis könne er nicht persönlich abholen, weil er „gerade ziemlich zugekokst und Red-Bull-betankt mit ein paar FPÖ-Geschäftsfreunden in einer russischen Oligarchen-Villa auf Ibiza rumhänge“, hatte Böhmermann gesagt.

Kommentar zur aktuellen Lage: Wem der Rücktritt Straches nützt

Er verhandele gerade, wie er die „Kronen-Zeitung“ übernehmen könne, dürfe darüber aber nicht reden. Der Auftritt hatte ihm scharfe Kritik in österreichischen Medien eingebracht. Er würdige die österreichische Regierung herab, hieß es damals.(dpa/aba/bekö/tki)