Rente

VdK fordert höheren Rentenbeitrag der Arbeitgeber

Der Sozialverband VdK fordert einen höheren Anteil der Arbeitgeber am Rentenbeitrag: „Zwei Prozentpunkte mehr wären angemessen.“

Der Sozialverband VdK kämpft für eine „gerechte Rente“.

Der Sozialverband VdK kämpft für eine „gerechte Rente“.

Foto: Marijan Murat / dpa

Berlin. Es ist ein ambitioniertes Programm, das sich Verena Bentele vorgenommen hat. Für eine „gerechte“ Rente will die Präsidentin des Sozialverbands VdK in den nächsten Wochen kämpfen.

Die staatliche Altersvorsorge müsse so gerecht werden, dass alle Generationen davon profitieren, ist die 37-Jährige überzeugt: „Um die Rente sicher zu machen, müssen wir neue Wege gehen.“

Mit einer groß angelegten Kampagne will der VdK ab Montag, 6. Mai, seine Positionen und Forderungen unters Volk bringen. Dazu gehören mehr Steuergeld für die Rente, eine Einbeziehung von Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung und höhere Belastungen für Arbeitgeber. „Die Menschen müssen sich auf die Rente verlassen können und keine Angst vor sozialem Abstieg haben“, sagte Bentele unserer Redaktion.

VdK steht hinter Heils Konzept einer Grundrente

Dass sich parallel zum Start der Kampagne auch der Bundestag mit dem Thema Rente befasst, ist Zufall. Die vier Oppositionsparteien AfD, FDP, Linke und Grüne haben jeweils eigene Konzepte erarbeitet, wie sie Altersarmut verhindern wollen. Experten aus der Wissenschaft und aus Verbänden nehmen am Montag im Bundestag dazu Stellung.

„Niemand, der sein Leben lang in die Rente eingezahlt hat, soll später auf Grundsicherung angewiesen sein“, sagt VdK-Chefin Bentele. Sie steht deshalb hinter dem Konzept für eine Grundrente, wie es Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD) vorgeschlagen hat und noch in diesem Monat im Detail vorstellen will.

„Es wäre eine Schande, wenn die Politik die Grundrente auch im dritten Anlauf nicht einführen würde“, meint Bentele. „Sie muss kommen.“ Wichtig sei, dass zur Berechnung dieses neuen Instruments gegen Altersarmut auch Zeiten der Arbeitslosigkeit einbezogen würden. Und: Eine Prüfung, ob jemand die Grundrente wirklich braucht, dürfe es nicht geben. Eine solche Prüfung sei im Rentensystem nicht vorgesehen, argumentiert Bentele.

Erwerbsminderungsrentner sollen besser gestellt werden

Ein wirksames Mittel gegen Altersarmut ist ihrer Ansicht nach auch eine Besserstellung von Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr voll arbeiten können und erwerbsgemindert sind. Die Leistungen für diese „Erwerbsminderungsrentner“ hat die große Koalition zwar mehrfach erhöht. Dies greift aber immer nur für die Zukunft. Bentele will nun durchsetzen, dass die Verbesserungen auch rückwirkend greifen: „1,8 Millionen Erwerbsminderungsrentner leiden unter großen Rentenabschlägen. Wer ihnen hilft, tut etwas gegen Altersarmut“, ist Bentele überzeugt.

Der Vorschlag birgt deshalb gewisse Brisanz, weil die Rentenversicherung das Prinzip der rückwirkenden Änderungen eigentlich nicht kennt. Mit der Einführung der Mütterrente wurde es erstmals durchbrochen. Deren explizites Ziel war es, dass bereits in Rente befindliche Frauen davon profitierten. Der VdK war einst der Vorkämpfer der Mütterrente. Bei der Erwerbsminderungsrente könnte sich das wiederholen.

VdK fordert höheren Rentenbeitrag der Arbeitgeber

Politisch heikel sind auch andere Forderungen des VdK. So will Bentele mit einem weiteren Prinzip der Rentenversicherung brechen: der gleichwertigen Finanzierung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. „Arbeitgeber könnten einen höheren Anteil am Rentenbeitrag übernehmen“, fordert die Verbandschefin. Und konkret: „Für Arbeitgeber wäre ein um zwei Prozentpunkte höherer Rentenbeitrag angemessen.“

Das würde bedeuten, dass Arbeitgeber nicht mehr wie aktuell 9,3 Prozent des Bruttolohns eines Angestellten an die Rentenkasse überweisen, sondern 11,3 Prozent. Den Anteil von 9,3 Prozent, den Arbeitnehmer zahlen, will sie unverändert lassen. Die Belastung durch die Sozialbeiträge sei hoch genug, vor allem für Geringverdiener. Benteles Begründung für die Belastung von Arbeitgebern: Unternehmen müssten sich mehr an der Finanzierung von Sozialsystemen beteiligen: „Es sind die Mitarbeiter, nicht die Aktionäre, die ein Unternehmen erfolgreich machen.“

VdK: Auch Beamte sollen in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen

Um weitere Geldquellen für die Rente zu erschließen, fordert der VdK die Wiedereinführung der Vermögensteuer für „Multimillionäre und Milliardäre“. Auch eine Digitalsteuer sei denkbar für „Firmen, die mit wenig Personal und mit Hilfe von digitaler Technik, Automatisierung und künstlicher Intelligenz große Gewinne machen“, wie Bentele es formuliert.

Am weitreichendsten ist der Vorschlag des Sozialverbands zur Frage, wer alles in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen soll. Geht es nach dem VdK, sollen es nicht nur Angestellte sein, sondern auch Selbstständige und vor allem Beamte. Bentele nennt das „Erwerbstätigenversicherung“.

Vor allem die nach ihrer Auffassung bestehende Privilegierung von Beamten stört die Verbandschefin massiv: „Es ist unfair, dass Beamte im Alter höhere Einkommen haben als Angestellte und dafür keine eigenen Beiträge zahlen müssen“, sagt Bentele. Für seine Rentenkampagne hat der VdK ein Beispiel ausgewählt, in dem eine Angestellte bei gleichem Gehalt nach 45 Jahren ein rund halb so hohes Alterseinkommen erhält wie eine Beamtin nach 40 Jahren Dienstzeit. „Diese Ungerechtigkeit muss aufhören“, fordert Bentele.

Während die Bundesregierung Selbstständige demnächst zur Zahlung in die Rentenkasse verpflichten will, ist dies bei Beamten bislang nicht geplant. (Philipp Neumann)