FDP

Warum Lindner auf Teuteberg als Generalsekretärin setzt

Die FDP-Führung wird weiblicher: Linda Teuteberg wird die neue Generalsekretärin. Sie sieht sich auf Augenhöhe mit Christian Lindner.

Linda Teuteberg soll neue FDP-Generalsekretärin werden.

Linda Teuteberg soll neue FDP-Generalsekretärin werden.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Berlin. Zu wenige Frauen, zu viele Westdeutsche, zu viele Lindner-Gefolgsleute – so geht die übliche Kritik an der Führungsmannschaft der FDP. Mit seiner Entscheidung für die Brandenburgerin Linda Teuteberg als neue Generalsekretärin will Christian Lindner zeigen, dass er auch anders kann: Lindner als Frauenförderer, als Freund des Ostens, als Parteichef, der nicht nur Seinesgleichen um sich schart.

An diesem Wochenende soll die 38-jährige Juristin beim Bundesparteitag der FDP in Berlin gewählt werden. Schon vor ihrer Wahl schlägt die Neue an Lindners Seite einen selbstbewussten Ton an. Sie blickt nicht hoch zum Chef, sie sieht sich auf Augenhöhe: „Zusammen sind wir ein wirklich gutes gemischtes Doppel“, sagte Teuteberg unserer Redaktion.

Linda Teuteberg als Korrektiv für Christian Lindner?

In der Partei setzen sie große Hoffnungen in dieses Duo: „Christian Lindner ist gut darin, Debatten anzustoßen – und Linda Teuteberg hat eine Stärke darin, diese Debatten mit einem abwägenden Ton zu unterlegen.“ Eine Kombination, die die FDP stärke, findet Marco Buschmann, parlamentarischer Geschäftsführer der Liberalen im Bundestag. „Sie ist sachkundig, entschlossen, dabei aber niemals aggressiv.“

Teuteberg als Korrektiv für Lindner? Sichtbar wird das bereits mit Blick auf die Wahlen in Ostdeutschland: Während Lindner keinen speziellen „Wahlkampf Ost“ machen will, sagt Teuteberg: „Im Stil und in der Wortwahl“ müssten Ostdeutsche anders angesprochen werden als Westdeutsche. „Jammerei widerspreche ich ganz entschieden, aber ich werbe schon für Verständnis.“ Etwa für die harten ökonomischen Brüche nach der Wende.

FDP hofft im Osten auf Aufmerksamkeitsschub durch Teuteberg

Thomas Kemmerich, FDP-Spitzenkandidat in Thüringen, hat bereits mit Teuteberg zusammen Wahlkampf im Osten gemacht und setzt auf deren Gespür für die dortigen Wähler – und auch für die schwierige Lage der FDP im Osten: „Sie kennt das Diasporagefühl.“ Die Liberalen sind derzeit in keinem ostdeutschen Landtag vertreten. Kemmerich hofft auf einen Aufmerksamkeitsschub durch Teuteberg: „Sie hat Charisma, sie kann klare Botschaften sympathisch rüberbringen.“

Die 38-Jährige ist in Brandenburg geboren. Knapp zehn Jahre nach dem Mauerfall begann sie bei den Jungen Liberalen ihre politische Karriere, seit 2011 sitzt sie im Bundesvorstand der Partei, im Bundestag hat sie sich als Migrationsexpertin einen guten Ruf erworben.

Nur jedes fünfte FDP-Mitglied ist weiblich

Als Generalsekretärin folgt sie auf Nicola Beer, die nach Brüssel wechselt. Von ihr übernimmt sie auch eine der schwierigsten Baustellen: Sie soll sich um die Frauenförderung kümmern – nur jedes fünfte FDP-Mitglied ist weiblich.

Die Landesverbände sollen sich deswegen Zielvorgaben setzen – etwa für den Frauenanteil bei Parteiämtern und die Zahl der weiblichen Parteimitglieder. Teuteberg musste es noch ohne Quoten schaffen. Das hat sie geprägt: „Ich lasse mich nicht davon erschrecken, dass ich in der Politik einfach mehr Männern als Frauen begegne.“

(Julia Emmrich)