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Christchurch-Anschlag: Neuseeland verbietet Sturmgewehre

Bei dem Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch erschoss ein Mann 50 Menschen. Alle Entwicklungen im News-Blog.

Zahl der Toten nach Angriff auf Moscheen steigt auf 50

Trauer und Solidarität zeigt sich auch in Australien. Das Land, aus dem der mutmaßliche Attentäter stammt.

zahl der toten nach angriff auf moscheen steigt auf 50

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Christchurch.  Terror in Neuseeland: Bei bewaffneten Angriffen auf zwei Moscheen in Christchurch starben mindestens 50 Menschen, Dutzende weitere wurden mit Schusswunden in verschiedenen Krankenhäusern behandelt. Wir berichten im News-Blog von den aktuellen Entwicklungen.

Am Freitag war der Täter zunächst in eine Moschee in der Innenstadt von Christchurch gestürmt. Zu dem Zeitpunkt – etwa 13.45 Uhr Ortszeit (1.45 Uhr deutscher Zeit) – hatten sich dort Hunderte Muslime zum Freitagsgebet versammelt. Später fielen in einer zweiten Moschee Schüsse.

Neuseeland: Terrorangriff auf Moscheen in Christchurch – das Wichtigste in Kürze

• Ein Mann hat in der neuseeländischen Stadt Christchurch in zwei Moscheen um sich geschossen
• 50 Menschen starben bei dem rassistisch motivierten Anschlag, darunter auch Kinder
• Premierministerin Ardern sprach von einem terroristischen Angriff
• Die Polizei nahm vier Personen in Gewahrsam, inzwischen gilt nur einer als tatverdächtig
• Der Mann wurde des vielfachen Mordes beschuldigt
• Im Netz kursiert ein angebliches Täter-Manifest
• Der mutmaßliche Täter hat den Angriff auf Video aufgenommen

Donnerstag, 21. März

09.15 Uhr: Facebooks Software auf Basis künstlicher Intelligenz, die in Livestreams auf der Plattform unter anderem Gewalt erkennen soll, hat beim Video des Massakers von Christchurch nicht reagiert. „Um das zu erreichen, müssen wir unsere Systeme erst mit großen Mengen von Daten von genau solchen Inhalten versorgen – was schwierig ist, da solche Ereignisse dankenswerterweise selten sind“, erklärte das Online-Netzwerk am Donnerstag.

Eine weitere Herausforderung für die Software sei, echte Gewalt von der Übertragung von Videospiel-Szenen zu unterscheiden. „Wenn unsere Systeme zum Beispiel bei tausenden Stunden von Livestreams aus Videospielen Alarm schlagen würden, könnten unsere Prüfer die wichtigen Videos aus der realen Welt verpassen“, bei denen Facebook Helfer alarmieren könnte.

06.10 Uhr: Neuseeland will Sturmgewehre und halbautomatische Waffen verbieten. Dies kündigte Premierministerin Jacinda Ardern am Donnerstag in Wellington an. Der Verkauf von solchen Waffen ist mit sofortiger Wirkung bereits nicht mehr erlaubt.

Mit dem Verbot der Schusswaffen drückt Ardern mächtig aufs Tempo. Die Premierministerin hatte gleich nach der Tat eine Verschärfung der Waffengesetze angekündigt. Dies war allerdings erst später erwartet worden. Die sozialdemokratische Regierungschefin verfolgt damit eine völlig andere Politik als zum Beispiel die USA. Dort wird nach Massakern immer wieder über strengere Regelungen diskutiert. Bislang gelang es der mächtigen Waffenlobby jedoch stets, dies zu verhindern.

Mittwoch, 20. März

06.56 Uhr: Australien bestellte wegen Bemerkungen von Präsident Erdogan den türkischen Botschafter ein. Der konservative Premierminister Scott Morrison warf Erdogan vor, im Ersten Weltkrieg gefallene australische und neuseeländische Soldaten „hochgradig beleidigt“ zu haben.

Morrison weigerte sich auch, eine Entschuldigung anzunehmen. Ardern ging zunächst nicht näher auf die Äußerungen ein. Erdogan hatte bei einem Auftritt vor den türkischen Kommunalwahlen Ende März den Anschlag als Angriff auf den Islam und auch auf die Türkei verurteilt.

Zugleich warnte er, dass Australier mit antimuslimischer Gesinnung das gleiche Schicksal erleiden könnten wie Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gegen das Osmanische Reich gekämpft hatten. Erdogan verlangte zudem die Todesstrafe für den Täter. Er fügte hinzu. „Wenn Neuseeland ihn nicht zur Rechenschaft zieht, werden wir dies tun – auf die eine andere Weise.“

Dienstag, 19. März:

10.49 Uhr: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat das Live-Video aus Christchurch laut Medienberichten wiederholt auf Wahlkampfveranstaltungen in der Türkei gezeigt. Erdoğan schürte offenbar die Angst vor rechtsextremistischen Anschlägen.

Mit Blick auf den Anschlag auf die Moscheen in Christchurch sagte er vor AKP-Anhängern: „Sie testen uns aus einer Entfernung von 16,500 Kilometer, aus Neuseeland, mit einer Botschaft von dort. Das ist keine individuelle Tat, das ist organisiert.“

08.37 Uhr: Facebook hat nach eigenen Angaben den ersten Hinweis auf das Anschlagsvideo von Christchurch nach 29 Minuten erhalten. Der mutmaßliche Täter hatte den Angriff auf zwei Moscheen bei Facebook Live im Netz übertragen. Der Nutzerhinweis kam 12 Minuten nach Ende dieses Livestreams, wie Facebook am Dienstag erklärte.

Das Video sei „binnen Minuten“ nach einer Anfrage der neuseeländischen Polizei gelöscht worden, hieß es weiter. Damit blieb zunächst unklar, wie lange genau es online war. Livestream-Videos bleiben nach Ende einer Übertragung zum Abruf verfügbar.

Der Clip sei während des Livestreams weniger als 200 Mal angesehen worden und insgesamt rund 4000 Mal, bevor Facebook es entfernte, heißt es in einer Mitteilung von Facebook. Allerdings habe ein Nutzer der Plattform 8chan eine Kopie auf eine Filesharing-Seite hochgeladen, noch bevor Facebook auf das Video aufmerksam gemacht worden sei. Das dürfte zur späteren Verbreitung des Videos entscheidend beigetragen haben.

07.30 Uhr: Neuseelands Premier Ardern hat sich erneut über den mutmaßlichen Täter von Christchurch geäußert. „Er wollte viele Dinge mit seinem Akt des Terrors zu erreichen. Eines davon war, berühmt zu werden. Deshalb werden Sie von mir niemals seinen Namen hören“, sagte sie.

Montag, 18. März:

09.00 Uhr: Mitglieder der Ureinwohner Neuseelands, der Māori, haben mit ihrem traditionellen Tanz Haka der Opfer gedacht. Ein Video, das über Twitter verbreitet wurde, zeigt ihren Auftritt.

Sonntag, 17. März:

12.15 Uhr: Facebook hat nach eigenen Angaben in den ersten 24 Stunden nach dem Anschlag 1,5 Millionen Videos der Tat aus dem sozialen Netzwerk gelöscht. „Wir arbeiten weiter rund um die Uhr, um gegen die Regeln verstoßende Inhalte zu entfernen“, twitterte Mia Garlick von Facebook Neuseeland am Sonntag.

Zur Entfernung der Inhalte würden sowohl technische Hilfsmittel sowie Angestellte eingesetzt. 1,2 Millionen der entfernten Videos seien bereits beim Hochladen blockiert worden. Aus Respekt für die Betroffenen sowie wegen Bedenken der Behörden würden auch alle bearbeiteten Versionen des Videos entfernt, einschließlich derer, die keine brutalen Szenen zeigten, schrieb Garlick weiter.

8.01 Uhr: Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern hat angekündigt, dass die ersten Leichen am Sonntag den Familien übergeben würden, damit mit den Beerdigungen begonnen werden könne. Bis Mittwoch sollen alle Leichen freigegeben werden. Inzwischen gibt es eine provisorische Liste mit den Namen der Opfer. Nach neuseeländischen Medienberichten reicht deren Alter von zwei bis 77 Jahren. Vermutet wird, dass alle Todesopfer Muslime sind und aus Einwandererfamilien stammen.

7.35 Uhr: Der mutmaßliche Attentäter hat seine rechtsextreme Kampfschrift kurz vor den Anschlägen auch an Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern geschickt. Die Regierungschefin bestätigte am Sonntag in Wellington, dass neun Minuten vor Beginn der Angriffe auf zwei Moscheen am Freitag eine E-Mail an ihr Büro gegangen sei. Darin seien aber keine Tatorte oder ähnliche Hinweise genannt worden, mit denen die Anschläge noch hätten verhindert werden können.

3.17 Uhr: Zwei Menschen schweben nach den Anschlägen noch in Lebensgefahr. Das teilte die Polizei am Sonntag in Christchurch mit. 36 zum Teil schwer verletzte Menschen werden derzeit noch in den Krankenhäusern der neuseeländischen Stadt behandelt.

Samstag, 16. März:

Anschlag auf Moscheen in Christchurch: Zahl der Opfer steigt auf 50

22.45 Uhr: Nach dem Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch hat sich die Zahl der Getöteten auf 50 erhöht. Dies gab die Polizei auf einer Pressekonferenz am Sonntagmorgen (Ortszeit) in der Hauptstadt Wellington bekannt. Das 50. Todesopfer sei in einer der beiden Moscheen gefunden worden.

• Update: Nach einer Schießerei in Utrecht haben die Behörden zur Sicherheit alle Moscheen der Stadt geschlossen.

16.33 Uhr: Christchurch steht weiter unter Schock. In der Nähe der Tatorte legten viele Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Insgesamt war es in der Stadt jedoch viel ruhiger als an normalen Samstagen. Viele Geschäfte blieben geschlossen. Mit etwa 50.000 Gläubigen – darunter viele Einwanderer aus Staaten wie Pakistan und Bangladesch – sind Muslime in Neuseeland eine Minderheit.

Nach bisherigem Ermittlungsstand drang der Täter zunächst in die Al-Nur-Moschee ein, in der sich mehr als 300 Menschen zum Freitagsgebet versammelt hatten. Dort schoss er mit mindestens zwei Schnellfeuerwaffen um sich und tötete 41 Menschen. Ardern zufolge hatte er die Waffen manipuliert, um die Schusskraft zu erhöhen. Anschließend fuhr er zu einer zweiten Moschee und brachte dort acht weitere Menschen um. Mit einer Helmkamera filmte er die Tat und übertrug sie live ins Internet. Das Video ist 17 Minuten lang.

15.01 Uhr: Die Botschaft Neuseelands in Berlin hat sich für das Mitgefühl aus Deutschland und der Welt bedankt. „Wir sind äußerst dankbar für all die Anteilnahme, Solidarität und Unterstützung, die wir von unseren Freunden aus Deutschland sowie unseren Partnern weltweit in dieser so traurigen Zeit für Neuseeland erhalten“, war am Samstag in einem Beitrag auf der Facebook-Seite der Botschaft zu lesen. Die Einrichtung hat ihren Sitz in einem Geschäftshaus an der Friedrichstraße in Berlin-Mitte.

11.51 Uhr: Der mutmaßliche Attentäter hat nach einem Bericht der Zeitung „The Australian“ in früheren Jahren als Fitness-Trainer gearbeitet. Dabei soll der Australier schon vor längerer Zeit merkwürdige Kommentare von sich gegeben haben, berichtete das australische Blatt am Samstag unter Berufung auf ehemalige Nachbarn und Online-Einträge des heute 28-Jährigen.

In einem Eintrag aus dem Jahr 2011 habe der Mann über sich geschrieben: „Ich bin ein Monster der Willenskraft. Ich brauche nur ein Ziel.“ In einem anderen Eintrag aus demselben Jahr heißt es demnach: „Ich dirigiere jeden Tag Fitness-Kurse mit mehr als 20 Leuten, die mich die ganze Zeit anschauen, mir Fragen stellen und 60 Minuten lang meine Bewegungen nachmachen. Und ich genieße das. Mein Selbstbewusstsein ist durch die Decke. Ich bin die stärkste Person der Stadt.“ Als Lieblingsbeschäftigungen habe er damals Videospiele und „Stripperinnen mieten“ genannt.

7.33 Uhr: Nach Angaben von Premierministerin Jacinda Ardern sind bei den Anschlägen auch mehrere Kinder getötet worden. Auf einer Pressekonferenz in Christchurch bestätigte die Regierungschefin am Samstag die Zahl von 49 Todesopfern. Insgesamt 39 Menschen wurden einen Tag nach der Tat noch in verschiedenen Krankenhäusern der neuseeländischen Großstadt behandelt, elf davon in Intensivbehandlung.

Ardern zufolge hatte der Schütze geplant, seine Tat fortzusetzen, allerdings konnten ihn zwei Beamte in seinem Auto stoppen. „Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen“, sagte die Regierungschefin. In seinem Auto wurden weitere Feuerwaffen gefunden.

Zu den beiden weiteren Verdächtigen, die am Freitag festgenommen worden waren, sagte ein Polizeisprecher: „Wir ermitteln derzeit, ob eine Person oder diese Personen in den Vorfall verwickelt waren.“

5.17 Uhr: Zwei Verletzte waren am Samstagmorgen (Ortszeit) noch in kritischem Zustand, darunter ein vierjähriges Kind. Die Polizei verstärkte die Maßnahmen zum Schutz muslimischer Veranstaltungen und rief die Bürger über Twitter auf, Verdächtiges sofort zu melden. „Es gibt keine Garantie, dass die Gefahr auf Canterbury begrenzt ist, und alle Neuseeländer müssen besonders wachsam sein“, hieß es.

In der Umgebung der beiden Tatorte legten viele Menschen Blumen nieder und steckten Kerzen an.

3.43 Uhr: Bei dem Terroranschlag hat die Polizei insgesamt 36 Minuten vom ersten Alarm bis zur Festnahme des mutmaßlichen Täters gebraucht. Im Wagen des 28-jährigen Australiers wurde dann auch ein Sprengsatz gefunden, wie die Polizei am Samstag weiter mitteilte.

1.25 Uhr: Der 28-jährige Australier, der als Tatverdächtiger festgenommen worden ist, ist nur einen Tag nach dem Anschlag offiziell des Mordes beschuldigt worden. Weitere Anschuldigungen würden folgen, teilte die neuseeländische Polizei am Samstag mit. Das Bezirksgericht in Christchurch habe die Entscheidung bei einer Anhörung am Samstag unter großen Sicherheitsvorkehrungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefällt.

Freitag, 15. März:

Nach Anschlag auf Moscheen verschärft Neuseeland Waffenrecht

22.39 Uhr: Als Konsequenz aus dem Terroranschlag auf zwei Moscheen mit mindestens 50 Toten verschärft Neuseeland das Waffenrecht. „Unsere Waffengesetze werden sich ändern“, versprach Premierministerin Jacinda Ardern am Samstag (Ortszeit).

Der Tatverdächtige habe im November 2017 einen Waffenschein erworben. Bei ihm seien fünf Schusswaffen gefunden worden, darunter zwei halbautomatische, die er legal habe erwerben können, sagte sie. Als mutmaßlicher Haupttäter war am Freitag ein 28-jähriger Australier festgenommen worden. Der australische Premierminister Scott Morrison sprach von einem „rechtsextremistischen gewalttätigen Terroristen“. Balkanreisen des Mannes legen ideologische Verbindungen nach Europa nahe.

20.22 Uhr: Bulgarien ermittelt, ob der Attentäter von Neuseeland Kontakte in dem Balkanland gehabt hat, da auf seinen Waffen Namen von Kämpfern gegen die Osmanen eingraviert seien. Der Attentäter von Christchurch habe im November 2018 Bulgarien als Tourist besucht und sich an historischen Orten aufgehalten, sagte Generalstaatsanwalt Sotir Zazarow am Freitagabend nach einem Treffen von Regierungsvertretern mit den bulgarischen Geheimdiensten.

Der Attentäter sei anschließend nach Rumänien und Ungarn weitergereist. Er habe nach den bulgarischen Erkenntnissen 2016 auch andere Balkanländer wie etwa Serbien besucht. Bulgarien prüfe nun, was für Kontakte der Mann in Bulgarien gehabt habe.

16.46 Uhr: UN-Generalsekretär António Guterres hat dazu aufgerufen, gemeinsam gegen Muslimfeindlichkeit, Fanatismus und Terror zusammenzustehen. Dies gelte heute und an jedem anderen Tag, erklärte Guterres am Freitag über den Kurznachrichtendienst Twitter. Er sei erschüttert und verurteile die Schüsse auf unschuldige und friedlich betende Menschen. Den Angehörigen sprach Guterres sein Beileid aus.

13.38 Uhr: Papst Franziskus äußert sich zutiefst erschüttert über die Anschläge. Das Kirchenoberhaupt sei solidarisch mit den Neuseeländern, insbesondere mit den dortigen Muslimen, betont Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in einem Beileidstelegramm im Namen des Papstes. Franziskus bete nach den „sinnlosen Gewaltakten“ um Heilung der Verletzten, Trost für diejenigen, die ihre Angehörigen verloren hätten, und alle übrigen Betroffenen. Parolin würdigte überdies die Bemühungen der Sicherheits- und Rettungskräfte.

13.07 Uhr: Einer der Täter von Christchurch malte Namen von anti-islamischen Vorbildern auf Militärausrüstung und Maschinengewehrmagazine, deren Fotos er über Twitter veröffentlichte. Der bekannteste unter ihnen dürfte Luca Traini sein, wie unsere Korrespondentin in Italien, Bettina Gabbe, berichtet.

Der Italiener schoss im Februar 2018 in Macerata auf Immigranten und verletzte dabei sechs Afrikaner. Er wurde unter Berücksichtigung von Rassenhass als erschwerendem Umstand zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt. Ein anderes Vorbild des Attentäters ist der Doge von Venedig, Sebastiano Venier. An der Spitze der sogenannten Heiligen Liga besiegte er 1571 in der Schlacht von Lepanto die Osmanen und verhinderte so deren Vorrücken nach Westen.

Der auf das gleiche Magazin wie Traini gemalte Name der mittelenglischen Stadt Rotherham steht für einen 2014 aufgedeckten Pädophilie-Skandal in der mittelenglischen Stadt. Zwischen 1997 und 2013 wurden dort insgesamt 1400 Kinder und Jugendliche missbraucht. Die meisten Täter stammten aus der örtlichen pakistanisch-britischen Gemeinschaft.

Ein weiteres Vorbild suchte der Täter sich in Alexandre Bissonnette, dessen Namen er ebenfalls mit weißer Farbe auf ein Magazin malte. Der Kanadier erschoss 2017 in einer Moschee in Quebec sechs Menschen. Er wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, von der er mindestens vierzig Jahre absitzen muss.

Der auf einem anderen Magazin verzeichnete Schipkapass steht für eine Reihe von Schlachten zwischen dem russischen und dem Osmanischen Reich im heutigen Bulgarien. Dort gelten sie heute als entscheidender Schritt auf dem Weg zum Ende der türkischen Herrschaft über das Land.

Als Held aus einer Schlacht gegen die Osmanen malte der Täter auch den Namen von Novak Vujosevic auf ein Magazin. Er kämpfte 1876 in der Schlacht von Fundina auf Seiten Montenegros gegen die Osmanen und wurde für seine Erfolge später vom russischen Zaren geehrt.

13.01 Uhr: Frankreich und Großbritannien erhöhen die Sicherheitsvorkehrungen. Der französische Innenminister Christophe Castaner kündigte Kontrollen rund um religiöse Stätten an. Die britische Terror-Abwehr erklärte, es werde verstärkt Polizeistreifen im Umkreis von Moscheen geben. In Berlin verwies das Innenministerium darauf, dass eine Erhöhung der Sicherheitsvorkehrungen Sache der Bundesländer sei. Bisher sei dem Ministerium dazu nichts bekannt.

12.48 Uhr: In dem angeblichen Video vom Angriff soll zu sehen sein, wie der Täter anschließend in sein Auto steigt, dabei läuft ein Song von Arthur Brown aus dem Jahr 1968: „Fire“. Die erste Zeile: „Ich bin der Gott des Höllenfeuers. Und ich bringe Euch: Feuer.“

12.37 Uhr: Italiens Regierungschef Giuseppe Conte zeigt sich „erschüttert“. „Wehrlose Menschen wurden getroffen, während sie sich an einem Ort des Gebets aufhielten. Jede Form von Intoleranz, Hass und Gewalt ist inakzeptabel“, twitterte der Premierminister. Auch Vize-Premierminister Luigi Di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung gedachte der Opfer von Christchurch. „Italien ist all jenen Familien nah, die heute mit ansehen mussten, wie ein lieber Mensch fortgeht oder durch die Hand des Terrorismus verwundet wurde.“ Vize-Premierminister Matteo Salvini von der rechten Lega äußerte sich zunächst nicht.

12.16 Uhr: Der Attentäter hat dem bosnischen Botschafter in Neuseeland zufolge auf dem Weg zum Tatort ein serbisch-nationalistisches Kampflied gehört. Während der Fahrt habe der Täter einen Song über den früheren Serbenführer Radovan Karadzic gehört, sagte der Botschafter Mirza Hajrić dem Sender N1 TV. Das gehe aus einem Video der Tat hervor. Das nationalistische Kampflied „Karadzic, führe deine Serben“ kursiert im Internet seit einigen Jahren im Zusammenhang mit einem anti-muslimischen Meme.

12.13 Uhr: Die Fluggesellschaft Air New Zealand annullierte mehr als ein Dutzend Flüge von und nach Christchurch, weil es nicht möglich sei, das Gepäck der Fluggäste zu kontrollieren.

12.04 Uhr: Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hat die Anschläge verurteilt und zu Gebeten für die Opfer in deutschen Moscheen aufgerufen. „Wir sind erschüttert über das Ausmaß des schlimmsten Terrorangriffes in der Geschichte Neuseelands, den offenbar rechtsradikale Terroristen von langer Hand geplant und mit ideologisch verbrämten Muslimhass, Rassismus und Menschenverachtung ausgeführt haben“, erklärte Mazyek in Berlin.

11.37 Uhr: Die Kricket-Nationalmannschaft von Bangladesch ist knapp dem mutmaßlichen Terrorangriff in Neuseeland entkommen. Das Team wollte vor einem geplanten Spiel gegen Neuseeland zum Freitagsgebet die Al-Nur-Moschee besuchen, wie die bangladeschische Zeitung „The Daily Star“ aus Christchurch berichtete. Als die Spieler gerade das muslimische Gotteshaus betreten wollten, habe eine Frau sie gewarnt, drinnen werde geschossen. Daraufhin legten sich die Sportler dem Bericht zufolge in ihrem Bus auf den Boden.

11.28 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat der Generalgouverneurin von Neuseeland seine Anteilnahme ausgesprochen. „Meine Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer, den Verletzten und den mutigen Helfern“, schrieb Steinmeier an Dame Patricia Lee Reddy. Besonders verachtenswert sei, „dass Menschen Opfer dieser feigen Anschläge wurden, die friedlich ihrem Glauben nachgingen“, stellte er nach Angaben des Bundespräsidialamtes in dem Kondolenzschreiben heraus.

Hintergrund: Terroranschläge in Neuseeland: Was wir bisher wissen

11.03 Uhr: Die EU-Spitzen drücken ihr Mitgefühl aus. „Unsere Gedanken in Europa sind mit den Opfern und ihren Familien“, schreibt EU-Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter. „Der brutale Angriff wird die Toleranz und den Anstand, wofür Neuseeland berühmt ist, niemals schmälern.“ Auch EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker drückt seine Anteilnahme aus. „Die Europäische Union trauert heute mit euch und wir werden immer gegen jene an eurer Seite stehen, die auf abscheuliche Weise unsere Gesellschaften und unsere Art zu leben zerstören wollen.“

Angebliches „Manifest“ mit Bezug zu Anders Breivik

10.55 Uhr: Schon vor dem Angriff soll der australische Täter ein 74-seitiges „Manifest“ mit rechtsextremen Parolen ins Internet gestellt haben. Als eines der Motive soll er genannt haben, eine „Atmosphäre der Angst“ schaffen zu wollen. Sich selbst beschreibt er als jemanden aus der Arbeiterklasse. In dem angeblichen „Manifest“ wird auch Bezug auf den norwegischen Massenmörder Anders Breivik genommen. Die Echtheit ist jedoch noch nicht bestätigt.

10.48 Uhr: Die Polizei führt eine weitere Durchsuchung durch, die in Zusammenhang mit dem Angriff in Christchurch stehe. Das teilten die Ermittler auf Facebook mit.

10.35 Uhr: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verurteilt die Angriffe als „abscheuliche Verbrechen“. „Frankreich stellt sich gegen alle Formen des Extremismus und geht mit seinen Partnern gegen den Terrorismus in der Welt vor“, teilte Macron am Freitag mit. Alle Gedanken seien jetzt bei den Opfern und ihren Angehörigen.

10.26 Uhr: Facebook teilt mit, nach einem Hinweis der neuseeländischen Polizei das Profil des mutmaßlichen Attentäters sowohl auf Facebook als auch auf Instagram entfernt zu haben. Auch der Livestream sei entfernt worden. Der neuseeländische Rechtsprofessor Alexander Gillespie von der Universität von Waikato warnte, die Verbreitung des Videos könne Nachahmungstäter anstiften.

10.23 Uhr: Premierministerin Ardern unterstützt den Aufruf der Behörden, das Video vom Angriff nicht zu verbreiten. Diesem „Akt der Gewalt“ dürfe kein Raum geboten werden. Das 17-minütige Video, wohl vom mutmaßlichen Attentäter selbst gefilmt, soll den Angriff auf die erste Moschee zeigen.

Neuseelands Polizei will Video von Angriff löschen

10.20 Uhr: Die neuseeländische Polizei arbeitet nach eigenen Angaben daran, die Verbreitung eines Videos vom mutmaßlichen Terror-Angriff in Christchurch zu verhindern. Ermittler forderten die Öffentlichkeit am Freitag auf, Links zu dem Video nicht im Internet zu teilen.

9.49 Uhr: Laut Premierministerin Ardern stand keiner der Verdächtigen auf der Gefährderliste.

9.42 Uhr: Von den vier Festgenommenen stehe einer vermutlich nicht mit dem Angriff in Verbindung, sagte Polizeichef Bush. Einem anderen Verdächtigen, der Ende 20 sei, werde Mord vorgeworfen. Er soll bereits an diesem Samstag einem Richter vorgeführt werden. Bei den übrigen zwei Verdächtigen müsse noch genau geklärt werden, was sie mit dem Vorfall zu tun hätten. Sie seien im Besitz von Schusswaffen gewesen.

9.37 Uhr: Großbritanniens Premierministerin Theresa May kondoliert den Menschen in Christchurch. „Meine Gedanken sind bei allen, die von diesem abscheulichen Gewaltakt betroffen sind“, schrieb die Regierungschefin auf Twitter.

9.35 Uhr: Die Gefahr sei noch nicht gebannt, sagte Polizeichef Bush bei einer Pressekonferenz in Wellington. Die Menschen sollten nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

9.29 Uhr: Auch Russland hat den mutmaßlichen Terror-Angriff verurteilt. „Der Angriff auf friedliche Bürger, die sich zum Gebet versammelt haben, erschüttert in seiner Grausamkeit und in seinem Zynismus“, erklärte Präsident Wladimir Putin am Freitag einer Mitteilung des Kremls zufolge. Er habe Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern in einem Schreiben sein tiefstes Beileid ausgedrückt.

9.11 Uhr: Außenminister Heiko Maas (SPD) äußert sich erschüttert. „In diesen schweren Stunden stehen wir fest an der Seite unserer neuseeländischen Freunde. Unser ganzes Mitgefühl gilt den Familien und Freunden der Opfer“, twitterte Maas am Freitagmorgen.

9.09 Uhr: Laut Polizei sind mindestens 49 Menschen getötet worden.

8.54: Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt sich tief erschüttert vom Angriff in Christchurch. Auf Twitter teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit, Merkel trauere mit den Neuseeländern um ihre Mitbürger. Man stehe Seite an Seite gegen solchen Terror.

8.19 Uhr: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verurteilt die mutmaßlichen Terror-Angriffe scharf. Sie seien „das jüngste Beispiel des wachsenden Rassismus und der Islam-Phobie“, schrieb Erdogan auf Twitter am Freitagmorgen.

Neuseelands Premier spricht von Terrorakt in Christchurch

7.37 Uhr: Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern bestätigt den Tod von mindestens 40 Menschen. Auch sie stuft den Angriff als Terrorakt ein. „Es ist klar, dass dies nur als terroristische Attacke beschrieben werden kann“, sagte sie im Fernsehen.

7.25 Uhr: Nach Angaben von Australiens Premierminister Scott Morrison handelt es sich um einen Terrorakt. „Wir verurteilen diese Attacke, die von einem rechtsextremistischen gewalttätigen Terroristen begangen wurde, aufs Schärfste“, sagte Morrison. An der Attacke sei ein rechtsextremistischer Australier beteiligt gewesen.

6.40 Uhr: Einer der überlebenden Gläubigen, Mohan Ibrahim, berichtet der Zeitung „New Zealand Herald“ von einem „Schockmoment“. „Dann haben alle Leute angefangen davonzulaufen.“ Ein anderer Zeuge, Ahmad Al-Mahmoud, sagt: „Es fielen mindestens 50 Schüsse, sehr schnell hintereinander. Können auch Hunderte gewesen sein.“

Video soll mutmaßlichen Anschlag in Neuseeland zeigen

6.38 Uhr: In den sozialen Medien kursiert ein Video, das angeblich von einem Täter aufgenommen wurde und zeigt, wie jemand zu der Moschee fährt, das Gebäude betritt und auf Menschen schießt. Offenbar trug er dabei eine Helmkamera. Die Echtheit der Aufnahme konnte bisher nicht bestätigt werden. In einem anderen Video ist zu sehen, wie mehrere bewaffnete Beamte einen Mann aus einem weißen Auto ziehen, das zuvor offensichtlich gerammt wurde.


Angriff in Neuseeland: Polizei findet Sprengkörper an Autos

5.43 Uhr: Die Polizei teilt mit, vier Menschen festgenommen zu haben – drei Männer und eine Frau, darunter auch einen Australier. Zur aktuellen Lage sagte Sprecher Bush: „Lassen Sie uns nicht so tun, als ob es keine Gefahr mehr gibt.“ Die Polizei stoppte mehrere Fahrzeuge, an denen Sprengkörper befestigt gewesen waren. Er ließ offen, ob die Polizei die Angriffe als terroristische Tat einstuft.

4.36 Uhr: Premierministerin Ardern kündigt an, noch am Freitag selbst nach Christchurch zu fliegen. Nach neuseeländischen Medienberichten wurden bei den Angriffen, die sich zur Zeit der Freitagsgebete ereigneten, mindestens neun Menschen getötet und Dutzende verletzt.

4.31 Uhr: Auf Twitter drücken Nutzer ihre Bestürzung und ihre Trauer über die Geschehnisse aus. Mehrfach wurde das Bild einer Zeichnung geteilt: Ein weinender weißer Vogel auf schwarzem Grund, daneben das Datum 15.3.19. Es handelt sich bei dem Vogel um einen Kiwi, eine Art, die in Neuseelands Wäldern lebt. Kiwis sind so etwas wie die Nationaltiere der Neuseeländer, manchmal bezeichnen sie sich auch selbst als „Kiwis“.

4.24 Uhr: Nach Augenzeugenberichten handelt es sich bei dem Täter um einen weißen Mann, der Helm und kugelsichere Weste trug. Die Stadt riegelt wegen der unklaren Lage alle staatlichen Gebäude ab. Neben Schulen werden auch das Rathaus, die städtische Bücherei und Museen geschlossen. Bürgermeisterin Lianne Dalziel appelliert an die 350.000 Einwohner, die Innenstadt zu meiden. Dalziel sagte: „Alle sind geschockt. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas hier passieren kann.“

4.20 Uhr: Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern spricht von einem der dunkelsten Tage für das Land. Sie könne die Zahl der Toten nicht beziffern, aber die Bilder zeigten, dass dies ein ernsthafter Vorfall sei. Die Polizei habe einen Verdächtigen verhaftet, aber es gebe möglicherweise noch weitere. Neuseeland sei die Heimat derjenigen Menschen, die Opfer der Attacke geworden seien.

4.18 Uhr: Polizeisprecher Mike Bush bestätigte, dass es mehrere Tote gegeben habe und dass in mindestens zwei Moscheen geschossen worden sei. Es habe eine Festnahme gegeben. Unklar blieb, ob es sich dabei um den mutmaßlichen Täter handelt und ob es Komplizen gibt. Die Menschen sollten im Moment alle Moscheen in Neuseeland meiden.

Eine Karte zeigt, wo genau sich Christchurch befindet:

4.10 Uhr: Die Polizei hat nach eigenen Angaben eine Person in Gewahrsam genommen. Es gebe möglicherweise noch andere Angreifer. Die Polizei sei an mehreren Orten in der Stadt.

3.50 Uhr: Ein Augenzeuge sagte Medienberichten zufolge, ein Mann in Tarnkleidung mit einer automatischen Waffe habe in der Moschee wahllos auf Menschen geschossen.

3.40 Uhr: Die Polizei ist in der Innenstadt von Christchurch auf der Suche nach einem „aktiven Schützen“. Es sei eine „ernsthafte und sich entwickelnde Situation“.

(dpa/rtr/sdo/cho/moi)