ARD-Talk

AfD-Frau Beatrix von Storch: Dexit-Vorschlag floppt total

Bei „Anne Will“ wurde die Zukunft der EU diskutiert. Mit dabei: Beatrix von Storch. Die schlug einen Dexit vor. Und floppte völlig.

Beatrix von Storch von der AfD (m.) sorgte bei Anne Will mit einem Dexit-Vorschlag für Aufsehen.

Beatrix von Storch von der AfD (m.) sorgte bei Anne Will mit einem Dexit-Vorschlag für Aufsehen.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin. Die EU muss reformiert werden, Spitzenpolitiker debattieren um die nun wichtigen Punkte. Aber auch Beatrix von Storch (Afd) will mitspielen und schlug bei „Anne Will“ in der ARD kurzerhand einen Dexit vor. Ungünstig für die Politikerin: Christian Lindner (FDP) erklärte souverän, warum die Idee ein Flop ist.

Das Thema der Sendung: Wie stark ist Europa gespalten? Anlass für die Debatte war Emanuel Macrons neuerlicher Aufruf, die Staatengemeinschaft zu reformieren. Der französische Präsident sieht die EU durch Nationalisten und Populisten gefährdet. Seine Antwort: Mehr Europa und weniger Nationalstaat wagen. Neben von Storch sorgte bei „Anne Will“ vor allem Griechenlands früherer Finanzminister Yanis Varoufakis für Aufsehen.

„Anne Will“ mit Europa-Talk – das waren die Gäste:

• Manfred Weber (CSU),

• Christian Lindner (FDP),

• Beatrix von Storch (AfD),

• Yanis Varoufakis, Ex-Finanzminister Griechenlands

• Journalistin Cathrin Kahlweit

Die Gästeliste war in einer Hinsicht überraschend: Einen glühenden Verfechter von Macrons Vorschlägen suchte man in der Runde vergebens. Stattdessen verlegten sich die Befürworter der EU darauf, kleine Schritte zu fordern. So etwa FDP-Chef Lindner, der in Abgrenzung zur AfD beispielsweise eine Stärkung des gemeinsamen Grenzschutzes forderte.

Für den großen Wurf warb nur Yanis Varoufakis, freilich in Abgrenzung zu Macron: Solidarisch – also auch kostenintensiver – solle die EU sein, forderte der frühere Minister. Varoufakis tritt bei der Europawahl an – für Deutschland.

Dass es in Zeiten von Globalisierung ohne die EU nicht mehr geht, darin waren sich abgesehen von Beatrix von Storch aber alle einig. „Wir können unsere Interessen nur über die EU auf der Weltbühne vertreten“, fasste Lindner zusammen.

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Dexit: Schwere Zeiten für von Storch von der AfD

Die AfD-Abgeordnete ließ sich davon freilich nicht irritieren. Munter behauptete sie, die EU sei undemokratisch. Warum? Weil von den rund 750 Europaabgeordneten nur 96 in Deutschland gewählt würden. „Wie viele möchten Sie denn?“, fragte Varoufakis da grinsend. „Für die AfD?“, erwiderte von Storch irritiert.

Es war nicht die einzige selbstverschuldete Untiefe, die die AfD-Abgeordnete überstehen musste. Spätestens als sie dafür warb, dass Deutschland im äußersten Fall aus der EU austreten müsse, war ihre ohnehin dünne Argumentation offen für Angriffe.

Den besten Treffer landete dabei Christian Lindner, der von Storch fragte, ob sie ernsthaft glaube, dass ein deutscher Wirtschaftsminister allein in Peking die Interessen des Landes durchsetzen könne. Im Januar hatte die AfD noch von sich gegeben, dass Deutschland doch nicht unbedingt aus der EU austreten müsse.

Und auch sonst wurde in der Debatte so mancher Widerspruch in der AfD-Haltung zu Europa deutlich. Man ist gegen das Europaparlament – aber bemüht sich doch um Sitze.

Man ist gegen Migration, befürwortet aber doch die Politik von Ungarn, die aber eine einheitliche Migrationspolitik in der EU verhindert. Nein, es war wahrlich kein glanzvoller Auftritt, den Beatrix von Storch da ablieferte.

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Die interessanteste Äußerung...

...kam ebenfalls von Lindner, der an diesem Abend gut drauf war. Beim Thema Bankenkrise überholte der FDP-Chef kurzerhand Yanis Varoufakis von links.

„Wenn eine private Bank in die Knie gehen, müssen ihre Anteilseigner und Gläubiger herhalten – und nicht der europäische Steuerzahler“, forderte Lindner. Es könne nicht angehen, dass Gewinne privat ausfielen, Probleme aber vergemeinschaftet werden. Hört, hört!

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Das Fazit von „Anne Will“ gestern

Mehr Europa oder weniger Europa wagen, darum wird in den kommenden Wochen im Europawahlkampf noch viel gestritten werden. Bei „Anne Will“ zeigte sich schon mal, dass es derzeit nicht so recht en vogue ist, als glühender Europäer aufzutreten.

• Mehr zur ARD Talkshow: Jürgen Trittin spricht bei Anne Will die „hässliche Seite deutscher Außenpolitik“ an

Das ist eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, für wie viel Wohlstand und Sicherheit die Gemeinschaft gesorgt hat. „Wir sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr: Wir leben in Frieden und Freiheit“, erinnerte zwischendurch Manfred Weber. Das sollte man bei aller berechtigten Kritik an der EU tatsächlich niemals vergessen.

„Anne Will“ : Kommentare zur Sendung

Nicht nur Beatrix von Storchs Auftritt wurde in den sozialen Netzwerken diskutiert. Es gab unter anderem auch Kritik an den Machern der Sendung. Eine Auswahl von Kommentaren:

• „Bemerkenswert, dass bei #AnneWill von den Parteien im Bundestag nur die drei rechts der Mitte eingeladen sind.“

• „Dafür schon lohnt sich Varoufakis bei #annewill: Griechenlandrettung war eine Rettung der deutschen Bank und Commerzbank“

• „Bekomme irgendwie n leichtes Gefühl von Fremdscham, wenn von Storch spricht.“

„Anne Will“ vom 10. März 2019: Wiederholung in der Mediathek anschauen

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Hier finden Sie die Ausgabe von „Anne Will“ in der ARD-Mediathek.