Kommentar

Zuwanderung: Europa hat keine moderne Asylpolitik gefunden

Die Krise dauert an: Nach der Flüchtlingswelle kommt die Integration. Ein moderner Weg ist noch nicht gefunden. Die Gräben sind tief.

Ein Mann hält seinen Sohn im Arm, nachdem beide aus einem Schlauchboot gerettet worden sind. Noch immer ertrinken im Mittelmeer Flüchtlinge.

Ein Mann hält seinen Sohn im Arm, nachdem beide aus einem Schlauchboot gerettet worden sind. Noch immer ertrinken im Mittelmeer Flüchtlinge.

Foto: Javier Fergo / dpa

Berlin.  Vor gut drei Jahren wirkte die Debatte über das europäische Asylsystem noch plüschig-weich wie die Kuscheltiere, die Nothelfende am Münchener Bahnhof an Flüchtlingskinder verteilt haben. Kanzlerin Merkel sagte: „Wir schaffen das.“

Doch schnell war klar: Deutsche Städte und Gemeinden waren überfordert, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schlidderte mit Fehlern und Pannen durch die Krise, Fremdenfeinde gewannen an Macht. Deutschland konnte nicht mehr, andere Staaten wie Polen und Ungarn wollten gar nicht erst.

Drei Jahre ist das her. Europa hat bis heute nie zu einem gemeinsamen Konzept gefunden, wie der reiche Kontinent einen Teil dazu beitragen kann, dass die globale Krise gemildert wird. Erst ließ Europa die Menschen unkontrolliert von Grenze zu Grenze marschieren und schaute hilflos zu. Jetzt lautet der Kern der EU-Asyl-Strategie: Abschottung.

Beides ist falsch.

Die ideologischen Gräben sind zu tief

Sind wir trotzdem weiter als 2015? Ja, aber. Eine gemeinsame Asylpolitik aller EU-Staaten scheint kaum mehr machbar. Zu tief sind die ideologischen Gräben, zu wenig Rückhalt hat eine Politik, die Schutzsuchende gerecht in Europa verteilen will. Weiterhin sterben Menschen auf der Flucht im Mittelmeer.

Trotz Unfähigkeit und Unwillen der Regierenden in der EU sieht man Erfolge. Nachbarschaften helfen weiterhin, Menschen aus Syrien, Irak oder Afghanistan in ein deutsches Leben zu manö­vrieren. Das Bundesamt schult Personal, um besser und schneller darüber zu entscheiden, ob ein Asylsuchender bleiben darf oder nicht.

Die Leistung liegt im Alltag

Aber auch die Menschen, die zu uns gekommen sind, haben vieles geschafft. Viele Flüchtlinge haben Deutsch gelernt, einige haben Ausbildungsplätze gefunden, andere Arbeit.

Die Krise ist nicht vorbei – manche sagen, die größte Herausforderung kommt erst noch: Integration. Doch für eine Bilanz darf der Fokus nicht nur auf den Negativ-Schlagzeilen liegen. Die Leistung liegt im Alltag.