Bundestag

Warum Abgeordnete heute den „Parlamentskreis Pferd“ gründen

Im Bundestag gibt es jetzt einen Kreis rund um das Thema Pferd. Warum auch Ursula von der Leyen und Andrea Nahles dabei sind.

Andrea Nahles ist eine Pferdefreundin und deshalb beim „Parlamentskreis Pferd“ des Bundestags vorne mit dabei.

Andrea Nahles ist eine Pferdefreundin und deshalb beim „Parlamentskreis Pferd“ des Bundestags vorne mit dabei.

Foto: Tobias Frick / dpa

Berlin.  Pferde gelten als aufmerksam, ausgeglichen und nervenstark – Eigenschaften, die in einer Zeit, in der die große Koalition aus Union und SPD von manchen bereits als „totgerittener Gaul“ betrachtet wird, in der Berliner Politik hoch im Kurs stehen. Am Dienstag gründen Pferdenarren verschiedener Parteien im Bundestag den „Parlamentskreis Pferd“. Fast 30 Abgeordnete haben sich im Büro des Mitinitiators und FDP-Politikers Pascal Kober angemeldet.

Mit von der Partie sind nach Informationen unserer Redaktion Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und SPD-Chefin Andrea Nahles. Beide sind seit ihrer Jugend begeisterte Reiterinnen. Auf Nahles‘ Hof in der Vulkaneifel steht Friesenwallach „Siebke“ im Stall. „Pferde sind wunderbare Tiere, sie begleiten uns Menschen seit Jahrtausenden. Ich liebe einen Ausritt in der Herbstlandschaft. Da bekomme ich den Kopf frei“, sagte Nahles kürzlich.

Reiten kein Sport nur für Reiche

FDP-Mann Kober findet, dass es allerhöchste Zeit ist, die politischen Anliegen rund um das Pferd professioneller anzugehen. Schließlich gebe es im Bundestag auch Zusammenschlüsse von Politikern, die sich für Fahrräder, Elektromobilität oder diverse Fußball-Bundesligaclubs begeisterten.

Um die vier Millionen Reiter sitzen in Deutschland regelmäßig hoch zu Ross, davon besitzen 900.000 ein eigenes Pferd. „Seit 6.000 Jahren ist das Pferd mit dem Menschen aufs Engste verbunden. Das Interesse an einem Parlamentskreis des Deutschen Bundestages zeigt, welche Faszination von diesem Tier ausgeht“, sagte Kober, ein früherer Militärseelsorger, unserer Redaktion. Reiten sei keineswegs ein Sport für Reiche. Einer repräsentativen Untersuchung des Allensbach-Instituts zufolge besitzen 30 Prozent der Reiter ein monatliches Haushaltseinkommen von 2000 Euro und weniger.

Pferdesteuer, Tierschutz, Reitwege – an Gesprächsstoff mangelt es nicht

An Gesprächsstoff dürfte es den Pferdefreunden im Bundestag nicht mangeln: Sie wollen sich mit der Sport- und Landwirtschaftspolitik, Pferdeberufen, dem Tierschutz, einer immer wieder diskutierten Pferdesteuer oder einheitlichen Reitwegen beschäftigen, wie Kober berichtet. „Auch die Kulturpolitik spielt eine Rolle, wenn es um Fragen des Erhalts seltener Rassen oder unter Denkmalschutz stehender Gestüte und Reitanlagen geht.“

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung, die die Interessen von fast 700.000 Reitern vertritt (78 Prozent der Mitglieder sind Frauen), ist hoch erfreut, dass die Bundespolitik endlich aufs Pferd gekommen ist. „In unserer zunehmend digitalen und automatisierten Welt bekommt der persönliche Bezug zum Tier eine ganz neue Dimension. Das Pferd ist von unschätzbarem Wert im zivilgesellschaftlichen Miteinander sowie als Wirtschaftsfaktor“, sagte Bernhard Feßler unserer Redaktion.

Er leitet das Berliner Büro der Vereinigung. Diskussionen über Tierschutz, die Zucht oder Kutschen im Straßenverkehr erreichten immer wieder eine politische Dimension. „Das zeigt uns, wie wichtig und fruchtbar es ist, unsere Argumente pro Pferd in den unterschiedlichen Politikbereichen in Berlin zu platzieren und aktiv mitzugestalten.“

Milliardenumsätze in der Pferdewirtschaft

Reiten ist übrigens nicht nur Breiten- und Olympiasport, sondern ein florierender Wirtschaftszweig. Der Jahresumsatz der deutschen Pferdewirtschaft liegt nach Angaben der Reiterlichen Vereinigung bei etwa 6,7 Milliarden Euro. Mehr als 10.000 Firmen, Handwerksbetriebe und Dienstleister haben direkt oder indirekt mit Pferden zutun. Auf den Reitpferdeauktionen der Zuchtverbände wurden 2017 mehr als 900 Reitpferde versteigert, der Gesamtumsatz dieser Auktionen betrug rund 22 Millionen Euro.