Terror

Paketbomben-Serie erschüttert die USA im Wahlkampf

Mindestens acht Sprengsätze gingen an Trump-Gegner in den USA. Dort stehen demnächst wichtige Wahlen an, die Stimmung ist vergiftet.

Dieses Päckchen wurde an die New Yorker Zentrale des TV-Senders CNN geliefert.

Dieses Päckchen wurde an die New Yorker Zentrale des TV-Senders CNN geliefert.

Foto: HANDOUT / REUTERS

Washington.  Die Serie von Paket- und Briefbomben an prominente Trump-Kritiker hat sich ausgeweitet – und sorgt für große Aufregung im amerikanischen Wahlkampf.

Die US-Bundespolizei FBI hat am Donnerstag bestätigt, dass auch an die demokratische Kongressabgeordnete Maxine Waters zwei Paketbomben adressiert waren. Damit steigt die Zahl der an prominente Demokraten versendeten Sprengsätze auf acht.

Weitere gingen unter anderem an Ex-Präsident Barack Obama und die frühere Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, aber auch an den US-Fernsehsender CNN. Die kalifornische Abgeordnete Waters ist eine scharfe Kritikerin von US-Präsident Donald Trump.

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio sprach von einem „Terrorakt, der darauf abzielt, unsere freie Presse und die Anführer unseres Landes durch Gewalttaten zu untergraben“.

Kaum waren die Eilmeldungen von verdächtigen, möglicherweise mit Sprengsätzen bestückten Paketen am Mittwoch in der Welt, da meldete sich die Sprecherin des Weißen Hauses Sarah Sanders mit einem Statement zu Wort, das wie eine Brandmauer wirken sollte: „Diese terrorisierenden Akte sind verabscheuungswürdig“, sagte das Sprachrohr von Donald Trump, „und jeder, der dafür verantwortlich ist, wird zur Rechenschaft gezogen und die volle Härte der Gesetze spüren.“

Die damit verbundene Botschaft war klar: Niemand sollte auf die Idee kommen, die bedrohlichen Aktionen, die vom Secret Service nach eigenen Angaben frühzeitig bemerkt und unschädlich gemacht wurden, mit der seit Wochen eskalierenden Rhetorik des amtierenden Präsidenten gegen den politischen Gegner in Verbindung zu bringen – den Demokraten.

Trump setzt Demokraten immer wieder mit „Mob“ gleich

Trump hatte sie mehrfach als „verrückt“ bezeichnet, mit einem „Mob“ gleichgesetzt und seinen Anhängern bei aufgepeitschten Wahlkampfveranstaltungen eingetrichtert, dass in Amerika der Sozialismus nach dem Muster Venezuelas eingeführt werde, sollten die Republikaner die Zwischenwahlen im Kongress am 6. November verlieren.

Mehr noch: Dass sich derzeit mehrere tausend Armutsflüchtlinge in einer Karawane durch Mexiko Richtung US-Südgrenze bewegen, bezeichnete Trump als „Angriff auf unser Land“, den die Demokraten orchestriert und finanziert hätten. Warum? Sie liebten Amerika einfach nicht genug.

Trump fordert zivilisierten Ton

Nach Bekanntwerden der Paketbomben meldete sich Trump zu Wort. „Diejenigen, die sich in der politischen Arena befinden, müssen damit aufhören, politische Gegner als moralisch fehlerbehaftet zu behandeln“, sagte er am Mittwochabend (Ortszeit) bei einem Wahlkampfauftritt im Bundesstaat Wisconsin.

Der Präsident erklärte weiter: „Wir sollten Menschen im öffentlichen Raum nicht anpöbeln oder öffentliches Eigentum zerstören.“ Zudem nahm er Journalisten in die Pflicht. „Die Medien stehen auch in der Verantwortung, einen zivilisierten Ton zu setzen und die endlosen Anfeindungen sowie die ständigen negativen und oft falschen Angriffe und Geschichten zu stoppen.“

Dass in der vergiftete Gemengelage in den USA Wirrköpfe, Rechtsextreme oder militante Demokraten-Hasser aktiv werden könnten und Racheakte verüben, um Angst und Schrecken zu verbreiten, ist in Washingtoner Sicherheitskreisen seit Wochen inoffiziell Gesprächsthema.

„Wenn der Präsident den nationalen Notstand beschwört und wahrheitswidrig so tut, als würde Amerika von Kriminellen überrannt, weil die Demokraten angeblich für offene Grenzen seien“, sagte ein Mitarbeiter des Außenministeriums unserer Redaktion, „muss man sich nicht wundern, wenn kurz vor dem Wahltag Leuten die Sicherungen durchbrennen. Der politische Diskurs trägt dazu bei.“

Vorboten für die Szenarien, die am Mittwoch geballt eskalierten, gab es erst vor wenigen Tagen. Am Wohnsitz des Milliardärs, Philantropen und Demokraten-Förderers George Soros in Bedford nördlich von New York wurde zu Wochenbeginn eine Briefbombe entdeckt. Ein Angestellter fand den Sprengsatz im Briefkasten von Soros’ Anwesen, berichtete die „New York Times“ unter Bezug auf die Polizei. Der 88-Jährige war nicht vor Ort. Sprengstoffexperten des FBI ließen den Gegenstand kontrolliert explodieren. Soros, ein in Ungarn geborene Holocaust-Überlebender, ist in rechten Kreisen Dauerzielscheibe von Hass und Verleumdung geworden.

Ohne Beweise beizubringen, machen auch führende Republikaner im Kongress den schwerreichen Mann für all jene Protest-Bewegungen mitverantwortlich, die sich seit Amtsantritt Trumps gebildet haben und die Politik des Weißen Hauses regelmäßig kritisieren.

Soros, so die Diktion, die auch in dem von Trump besonders geschätzten TV-Sender Fox News regelmäßig gepflegt wird, stecke vor allem mit Obama und den Clintons unter einer Decke, finanziere mit Millionensummen politische Kandidaten auf der Linken mit dem Ziel, die republikanische Mehrheit im Kongress zu brechen.

Secret Service: Obama und Clinton waren nicht in Gefahr

Barack Obama und Hillary Clinton, zu Amtszeiten Commander-in-Chief und Außenministerin, wurden am Mittwoch unfreiwillig in die toxische Wahlkampf-Endspurtphase hineingezogen. Wie Regierungsstellen bestätigten, wurden bei Routine-Kontrollen am Dienstagabend und am Mittwochmorgen verdächtige Pakete abgefangen, die an die Privatwohnsitze von Obama (in der Hauptstadt Washington) und Clinton (in Chappaqua bei New York) adressiert waren. In Clintons Fall war ein Sprengsatz installiert, der Ähnlichkeit mit dem aufwies, der für den Milliardär Soros bestimmt war, berichtet die „New York Times“ aus Ermittlerkreisen.

Der zuständige Secret Service betonte, dass die Postsendungen sehr früh sichergestellt worden seien. Für die potenziellen Empfänger habe zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden. Über die Herkunft der Pakete und den Absender ist öffentlich bislang genau so wenig bekannt, wie über die Beschaffenheit der Sprengsätze und die Gefährlichkeit. „Wir ermitteln mit Hochdruck“, sagte ein Behördensprecher. Dabei würde lokale, bundesstaatliche und federale Experten eingesetzt. Berichte, wonach auch ein verdächtiges Paket an das Weiße Haus gegangen sein soll, haben sich als falsch herausgestellt.

Sprengsatz an von Trump beschimpften Sender CNN

Inmitten dieser Nachrichten sorgte auch ein anderes regelmäßiges Ziel von bitterböser Kritik Trumps unfreiwillig für Schlagzeilen. Im New Yorker Büro des Senders CNN, den der Präsident seit Amtsantritt konstant der Verbreitung von „Fake News“ zeiht und stellvertretend als „Feind des Volkes“ geißelt, ging am Mittwochvormittag ebenfalls ein verdächtiges Paket ein.

Network-Chef Jeff Zucker ließ die Büros im Time-Warner-Gebäude vorsorglich evakuieren. Zu diesem Zeitpunkt waren Morgenschicht-Moderator Jim Sciutto und seine Kollegin Poppy Harlow gerade auf Sendung, als deutlich ein Alarm zu hören war. Nach vorläufigen Angaben der Bomben-Experten der New Yorker Polizei, die umgehend zur Stelle war, handelte es sich um einen Sprengsatz.

CNN berichtete, die Postsendung sei an den früheren Chef des Geheimdienstes CIA, John Brennan, adressiert gewesen; einer der härtesten Kritiker Donald Trumps, der oft auf CNN zu sehen ist.

Vize-Präsident Mike Pence schloss sich der verlautbarten Empörung des Weißen Hauses über die Ereignisse mit eigenen Worten an: „Diese feigen Taten sind abscheulich und haben in unserem Land nichts zu suchen.“ Schließlich teilte auch US-Präsident Trump den Tweet mit den Worten: „Damit stimme ich voll und ganz überein.“ (mit dpa/rtr)