Studie

Die Elternzeit wirkt – Väter machen später mehr im Haushalt

Väter, die in Elternzeit gehen, arbeiten auch später mehr im Haushalt. Ministerin Giffey ist nicht nur deswegen vom Konzept überzeugt.

Mit Einführung des Elterngelds stieg der Anteil der Männer, die eine Arbeitspause für das Kind einlegen: von drei auf 36 Prozent.

Mit Einführung des Elterngelds stieg der Anteil der Männer, die eine Arbeitspause für das Kind einlegen: von drei auf 36 Prozent.

Foto: istock / iStock

Berlin.  Zwei Monate Windeln wechseln und Fläschchen machen, vielleicht noch einen Urlaub mit der ganzen Familie – und dann zurück in den Vollzeitjob. Für viele junge Väter ist Elternzeit ein Intermezzo, gerade so lang, wie es sein muss, um Anspruch auf Elterngeld zu haben.

Doch die wenigen Wochen, die die meisten Väter nach der Geburt ihrer Kinder zu Hause bleiben , wirken lange nach: Wie eine Auswertung des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen ergab, die unserer Redaktion vorliegt, sind Väter, die Elternzeit und damit auch Elterngeld in Anspruch nehmen, auch noch Jahre danach zu Hause engagierter. „Auch wenn das meistens nur zwei Monate sind, verändert es langfristig die Rolle, die der Vater in der Familie hat“, sagt der Autor der Studie, Marcus Tamm.

So beschäftigen sich Männer, die eine Zeit lang im Job ausgesetzt haben, um ihr Baby zu betreuen, auch Jahre nach der Elternzeit mehr mit ihren Kindern: An Wochenenden verbringen sie pro Tag eineinhalb Stunden mehr mit Söhnen und Töchtern als jene Väter, die durchgehend gearbeitet haben. Auch bei der Verteilung anderer Aufgaben in der Familie wirkt sich die Zeit zu Hause aus.

Zwölf Monate kann ein Elternteil Vollzeit zu Hause sein

So verbringen Väter, die Elternzeit genommen haben, täglich eine halbe Stunde mehr mit Hausarbeit als andere Väter. Diese Effekte zeigen sich laut Studie auch noch Jahre nach dem Ende der Babypause. „Dass diese Verhaltensänderungen so nachhaltig sind, war auch für uns überraschend“, sagt Tamm. Für die Studie hat er Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet, einer Langzeitbefragung von rund 30.000 Menschen in Deutschland, die seit 1984 läuft.

Der Wissenschaftler untersuchte die Antworten von Vätern, die sowohl vor dem Jahr 2007 als auch danach Kinder bekommen haben. Das war das Jahr, in dem das Elterngeld eingeführt wurde, einschließlich der sogenannten Partnermonate: zusätzlich zwei Monate Geld vom Staat, auf die Familien nur Anspruch haben, wenn beide Eltern einen Teil der gesamten Zeit zu Hause bleiben.

Maximal zwölf Monate kann ein Elternteil Vollzeit zu Hause sein und währenddessen immerhin noch 65 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens vor der Pause beziehen. Bleibt der andere Partner ebenfalls mindestens zwei Monate zu Hause, verlängert sich die maximale Bezugszeit des Elterngeldes auf 14 Monate, die auf beide Elternteile verteilt werden können. Wer Teilzeit arbeitet, kann den monatlichen Auszahlungsbetrag halbieren und seinen Anspruch so auf 24 Monate ausdehnen. Das Erziehungsgeld, das es vorher gab, betrug maximal 450 Euro.

Es entsteht eine engere Bindung zum Kind

Mit Einführung des Elterngelds stieg der Anteil der Väter, die eine Babypause einlegen, sprunghaft: Blieben vorher drei Prozent der Väter in den ersten Lebensmonaten ihres Kindes zu Hause, sind es heute 36 Prozent. Die allermeisten Väter nehmen jedoch nur zwei Monate.

Doch selbst die relativ kurze Zeit ändert die Arbeitsteilung in der Familie, sagt Tamm. „Wir sehen bei denselben Vätern Unterschiede zwischen dem ersten Kind, bei dem sie keine Elternzeit genommen haben, und dem zweiten, bei dem sie mindestens zwei Monate genommen haben.“ Dafür gibt es mehrere Erklärungsansätze. Möglich ist zum Beispiel, so Tamm, dass eine engere Bindung zum Kind entsteht, wenn Väter eine Weile lang die Hauptverantwortung tragen. Dadurch kann sich die Rollenverteilung innerhalb der Familie verschieben, auch über diese Zeit hinaus.

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Gleichberechtigte Arbeitsteilung im Alltag

Eine andere Theorie besagt, dass die Väter in ihrer Zeit zu Hause neue Fähigkeiten lernen. „Wenn man sich zwei oder mehr Monate intensiv mit Kinderbetreuung beschäftigt, dann erwirbt man eben auch Kompetenzen in dem Bereich, die man sonst vielleicht nicht hätte“, erklärt Tamm. „Das macht die Arbeitsteilung auch dann leichter, wenn die Elternzeit vorbei ist.“ Heißt so viel wie: Wer Wickeln und Füttern nicht erst lernen muss, bringt sich eher ein, auch nach der Rückkehr in den Job.

In jedem Fall sei es wichtig, dass die Väter in ihrer Elternzeit tatsächlich auch zu Hause sind, erklärt der RWI-Forscher. Viele Familien nutzen die zwei Monate, die Väter mindestens zu Hause bleiben müssen, um gemeinsam zu reisen. Das fördere eine gleichberechtigte Arbeitsteilung im Alltag aber nicht, sagt Tamm: Kinderbetreuung im Urlaub sei „etwas anderes, als wenn man zu Hause, im gewohnten Umfeld Verantwortung für das Kind übernimmt.“

Die Elternzeit der Väter hat auch Auswirkungen auf die Berufstätigkeit der Mütter – zumindest kurzfristig. In Familien, in denen auch Väter eine Weile zu Hause waren, arbeiteten Mütter im ersten Lebensjahr des Kindes im Schnitt neun Stunden mehr außer Haus als in anderen Familien.

Mit steigendem Alter der Kinder verschwindet dieser Effekt aber. An der grundlegenden Rollenverteilung in vielen Familien – der Vater arbeitet als Hauptverdiener in Vollzeit, die Mutter geht neben Kinderbetreuung und Haushalt maximal einem Teilzeitjob nach – ändert die Elternzeit daher wenig.

Ministerin Giffey ist von der Elternzeit überzeugt

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) ist von dem Konzept trotzdem überzeugt. Das Elterngeld sei „unsere wichtigste familienpolitische Leistung“. 6,7 Milliarden Euro flossen zuletzt im Jahr an junge Familien – das sind 60 Prozent des Etats ihres Ministeriums. „Wir haben mit dem Elterngeld einen gesellschaftlichen Wandel erreicht“, sagte Giffey unserer Redaktion und verweist auf den wachsenden Anteil der Väter, die zumindest vorübergehend zu Hause bleiben.

Elternzeit-Väter hätten nicht nur eine engere Bindung zu ihren Kindern, sagte Giffey. „Sie ermöglichen es auch den Müttern, sich wieder mehr um ihren Beruf zu kümmern.“

Diese Partnerschaftlichkeit wolle die Regierung in dieser Legislatur fördern, indem sie Teilzeit und Elterngeld noch flexibler kombinierbar mache.