Sachsenhausen

AfD-Besuchergruppe musste KZ-Gedenkstätte verlassen

Eine Besuchergruppe der AfD hat in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen mit rechter Hetze provoziert. Eingeladen hatte Alice Weidel.

Das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen.

Das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Berlin.  Eine Besuchergruppe aus dem Wahlkreis von AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel hat die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen wegen Äußerungen zum Massenmord der Nationalsozialisten verlassen müssen.

Die etwa 20-köpfige Gruppe sei am 10. Juli gleich zu Beginn der Führung auffällig geworden, weil Teilnehmer mehrfach Tatsachen zum NS-Massenmord in Zweifel gezogen hätten, sagte der Sprecher der Gedenkstätten-Stiftung, Horst Seferens, am Freitag.

Wenig später habe der Referent das pädagogische Programm abgebrochen. Die Gruppe sei des Geländes verwiesen worden. Eingeladen hatte AfD-Fraktionschefin Alice Weidel . Die Fahrt der Gruppe vom Bodensee war vom Bundespresseamt finanziert worden.

„Diese Leute kannten sich offenbar gut aus - da wurde das gesamte Repertoire des geschichtlichen Revisionismus und des Relativismus aufgefahren“, berichtete Seferens. So seien auch Verbrechen der Nazis in dem Konzentrationslager durch Vergleich mit angeblichen Verbrechen der Alliierten relativiert sowie Zweifel an der technischen Durchführung der Massenmorde geäußert worden. „Dabei wurde nach unserer Wahrnehmung die Grenze zu strafbaren Äußerungen bewusst nicht überschritten“, sagte Seferens.

Die Brandenburger Polizei leitete Ermittlungen ein. Dazu ermittele der Staatsschutz in der Gedenkstätte, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums.

Alice Weidel war beim KZ-Besuch nicht dabei

Einige der AfD-Besucher relativierten die Verbrechen im KZ durch Vergleiche mit angeblichen Verbrechen der Alliierten, warfen den Gedenkstätten-Mitarbeitern Manipulation vor und zogen die Existenz von Gaskammern in Zweifel.

„Mit solchen Äußerungen sollen nicht nur reaktionäre und rechtsextreme Positionen gesellschaftsfähig gemacht werden“, kritisierte Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD): „Damit werden Millionen von Opfern des NS-Unrechtsregimes verhöhnt und verunglimpft.“

Im KZ Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Zehntausende von ihnen wurden ermordet oder starben auf andere Weise. 1942 wurde dort eine Vernichtungsanlage mit Krematorium, Genickschussanlage und später eingebauter Gaskammer errichtet.

Der Leiter der Gedenkstättenstiftung, Axel Drecoll, sagte am Freitag im RBB-Inforadio, es gebe immer mehr Besucher, die NS-Verbrechen bei Führungen relativieren wollten. Solche revisionistischen Tendenzen seien eine ernste Bedrohung für „unsere Kultur und unsere Gesellschaft“, sagte Drecoll. Dagegen sei ein breiter Konsens nötig.

Auschwitz-Komitee kritisiert AfD scharf

Das Internationale Auschwitz Komitee warf der AfD einen zunehmend offenen Rechtsextremismus vor und forderte eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Der Vorfall in Sachsenhausen zeige, dass antisemitisches und den Holocaust leugnendes Gedankengut in der AfD weit verbreitet sei, erklärte Vizepräsident Christoph Heubner.

Der Vorfall ereignete sich offenbar bereits am 10. Juli. Doch weder das Bundespresseamt noch die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten machten die Sache von sich aus bekannt. Die brandenburgische Regierung soll seit Wochen von dem Vorfall gewusst haben. Die Polizei allerdings erfuhr erst durch einen Zeitungsbericht davon und hat inzwischen Strafanzeige von Amts wegen gestellt und Ermittlungen eingeleitet.

Alice Weidel war beim Besuch der Gedenkstätte nicht dabei. Sie zeigte sich „ziemlich überrascht“ von den Vorwürfen. (jha/epd)