Krise

Nach US-Sanktionen: Firmen ziehen aus dem Iran ab

Der Iran steckt in der schwersten Krise seit 40 Jahren. Nach den US-Sanktionen verlassen immer mehr Firmen die Islamische Republik.

Die Unzufriedenheit der Iraner ist groß. Präsident Hassan Ruhani muss um sein Amt fürchten.

Die Unzufriedenheit der Iraner ist groß. Präsident Hassan Ruhani muss um sein Amt fürchten.

Foto: Uncredited / dpa

Teheran/Tunis.  Im Iran schlagen die Wellen hoch. Der populäre Alt-Präsident Mohammad Chatami warnte sogar vor einem Zusammenbruch des politischen Systems. Die Islamische Republik steckt in der schwersten Krise ihrer bald 40-jährigen Geschichte.

Am Wochenende jagte das Parlament nach dem Arbeitsminister auch den Wirtschaftsminister von Präsident Hassan Ruhani aus dem Amt . Die Islamische Republik sei völlig unvorbereitet auf die neuen Sanktionen der USA, gegen die der Iran vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag klagt, wetterten die Abgeordneten. Der Mittelstand versinke in Armut.

In Teheran liegen die Nerven blank

In der politischen Klasse und in der iranischen Bevölkerung liegen die Nerven blank, während US-Präsident Donald Trump triumphierend die strategischen Ölreserven seines Landes bereitstellen lässt, um den Sanktionsausfall iranischer Lieferungen ab November zu kompensieren. Und auch in Europa zeigt Trumps aggressiver Kurs immer stärker Wirkung.

Dabei hatten die verbliebenen Atomvertragsmächte Frankreich, Großbritannien und Deutschland zusammen mit Russland und China noch Ende Juli versprochen, den Atomvertrag, den Geldfluss und die wirtschaftlichen Beziehungen intakt zu halten. Erst kürzlich gab die Europäische Kommission die erste Tranche eines 50-Millionen-Euro Hilfspakets frei.

Europäische Unternehmen ziehen aus dem Iran ab

Doch die Entscheidungen europäischer Unternehmen weisen in die entgegengesetzte Richtung. Der Exodus aus der Islamischen Republik läuft. Neben dem französischen Total-Konzern suchte auch der russische Energiegigant Lukoil das Weite. Schwergewichte wie Peugeot, Daimler und Siemens schlossen ihre Pforten.

Auch der Tunnelbohrspezialist Herrenknecht packte ein, obwohl unter dem 20-Millionen-Euro-Auftrag für einen neuen Autobahntunnel nur noch die Unterschriften fehlten. Auf einer schwarzen Liste der Amerikaner zu landen, will kaum jemand riskieren. Wie ein Menetekel wirkte auch die Ankündigung von Air France, KLM und British Airways, Teheran künftig nicht mehr anzufliegen. „Wir sind in unserem Land gefangen“, schimpften Iraner offen auf der Straße.

Ratlosigkeit lässt sich ín Europa nicht mehr vertuschen

Aber auch in Europa können markige Politikerworte die Ratlosigkeit nicht mehr vertuschen. „Wir lassen uns aus Washington keine Handelsbeziehungen mit anderen Ländern diktieren“, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier. „Jedes deutsche Unternehmen darf im Iran weiterhin investieren, so viel es möchte.“

EU-Politiker Elmar Brok (CDU), langjähriger Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, klang gedämpfter. Nach seiner Ansicht sind die Optionen von Brüssel sehr begrenzt, europäische Unternehmen vor US-Strafen zu schützen.