KZ-Gedenkstätte

Maas besucht Auschwitz und ruft zu mehr Zivilcourage auf

Außenminister Heiko Maas besucht das ehemalige KZ Auschwitz. Der Zentralrat der Juden mahnt, den Holocaust niemals zu vergessen.

Maas: Deutsche Verantwortung für Nazi-Verbrechen endet nie

Der Außenminister besucht die Gedenkstätte an das NS-Vernichtungslager Auschwitz.

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Berlin/Oswiecim.  Außenminister Heiko Maas hat nach seinem Besuch in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz zu mehr Zivilcourage gegen Rassismus und Antisemitismus aufgerufen. „Ich glaube, dass die Lautstärke der Rassisten und der Antisemiten vor allen Dingen etwas mit der Stille der Übrigen zu tun hat“, sagte er am Montag in einem Gespräch mit jungen Polen und Deutschen in einer Jugendbegegnungsstätte in der Nähe des früheren Konzentrationslagers.

Die überwiegende Mehrheit in Deutschland sei für ein weltoffenes Land, artikuliere das aber zu wenig. „Ich glaube, dass viele ihre Möglichkeiten unterschätzen, der Weltoffenheit und Toleranz eine Stimme zu geben.“

In das Gedenkbuch der KZ-Gedenkstätte schrieb er: „Die Hölle auf Erden – sie war eine deutsche Schöpfung namens Auschwitz“. Weiter hieß es: „Voll Trauer und Scham verneigen wir uns vor den Frauen, Männern und Kindern, die hier und an anderen Orten millionenfach von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Aus dem Vermächtnis der Opfer erwächst Deutschlands Verantwortung, für die unantastbare Würde des Menschen einzustehen – überall und jeden Tag. Diese Verantwortung endet nie“.

Zentralrat der Juden kritisiert AfD

Maas wurde von dem polnischen Auschwitz-Überlebenden Marian Turski durch das ehemals größte Vernichtungslager der Nazis geführt. In dem Lager wurden mehr als 1,1 Millionen Menschen ermordet, die meisten davon waren Juden. Als letzter deutscher Außenminister vor Maas hatte Klaus Kinkel 1992 die Gedenkstätte besucht. Ein Bundeskanzler war mit Helmut Kohl zuletzt 1995 in Auschwitz.

Vor einem Besuch des Außenministers Heiko Maas in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz hatte der Zentralrat der Juden die Haltung der AfD zur Erinnerung an den Holocaust in Deutschland zuvor scharf kritisiert.

Präsident Josef Schuster warf der Parteispitze vor, sich nie eindeutig vom thüringischen Fraktionschef Björn Höcke distanziert zu haben, der eine 180-Grad-Wende in der Erinnerungskultur in Deutschland gefordert hatte. „Damit muss man allerdings wirklich fragen, inwieweit sie (die AfD-Führung) auf dem Boden der deutschen Demokratie steht“, sagte Schuster der Deutschen Presse-Agentur.

Vor seiner Abreise nach Polen rief Maas dazu auf, die Erinnerung an die Gräueltaten der Nationalsozialisten für nachfolgende Generationen wach zu halten. „Für mich ist Auschwitz die immerwährende Mahnung, für die unantastbare Würde des Menschen weltweit einzustehen – persönlich wie politisch“, sagte der SPD-Politiker.

Maas: Wegen Auschwitz in die Politik gegangen

Maas hatte in seiner Antrittsrede als Außenminister im März gesagt, er sei wegen Auschwitz in die Politik gegangen. Schuster würdigte diesen Satz als Ausdruck des Geschichtsbewusstseins Maas’, aber auch als wichtigen Beitrag zur Debatte über die Erinnerungskultur. „Wenn es eine Partei gibt, bei der ein namhafter Vertreter eine 180-Grad-Wende in der Erinnerungspolitik fordert, dann ist diese Äußerung des Außenministers in meinen Augen genau der Gegenpol: Die Schoa darf nicht vergessen werden und aus der Schoa erwächst gerade für die Bundesrepublik Deutschland eine besondere Verantwortung.“

Höcke hatte im vergangenen Jahr die deutsche Erinnerungskultur als „dämliche Bewältigungspolitik“ bezeichnet und eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert.

Schuster erwartet von Maas auch, dass er bei seinem Gespräch mit dem polnischen Kollegen Jacek Czaputowicz am Rande des Auschwitz-Besuchs das polnische Holocaust-Gesetz anspricht. Es sah ursprünglich Geld- und Haftstrafen für diejenigen vor, die dem polnischen Staat oder Volk „öffentlich und entgegen den Fakten“ die Verantwortung oder Mitverantwortung für Verbrechen des Nazi-Regimes zuschreiben.

Erst nach heftigen Protesten der israelischen Regierung strich Warschau Ende Juni die Haftstrafen aus dem Gesetz. Jüdischen Organisationen reicht das aber nicht aus. Sie wünschen sich, dass das Gesetz ganz verschwindet.

Schuster sagte der dpa, es gebe keinen Zweifel, dass der organisierte Massenmord an den europäischen Juden von Deutschland geplant und durchgeführt worden sei. „Genauso wenig kann man aber in Zweifel ziehen, dass sich gar nicht so wenige Polen schnell haben einspannen lassen für das Vorgehen der Nationalsozialisten.

Wenn die polnische Regierung nun versuchen will, diesen Teil der Geschichte vergessen zu machen, und die wissenschaftliche Aufarbeitung damit behindert, dann ist das ein Versuch, dem es klar zu begegnen gilt.“ (dpa)

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