Bundeswehr

Wehrpflicht: Welcher Politiker hat gedient – und wer nicht?

Wehrdienst, Zivi oder ausgemustert? Manche Politiker gehen offen mit der Frage um, bei anderen sucht man vergebens. Ein Überblick.

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hat eine mögliche Wiedereinführung einer Dienst- oder Wehrpflicht ins Gespräch gebracht. Wir zeigen vier zentrale Fakten der Debatte.

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Berlin.  Unversehens ist eine neue Debatte um die Wehrpflicht entbrannt. Ob es sich um ein Sommerloch-Thema handelt, oder ob sich entsprechende Forderungen aus den Reihen der Union tatsächlich durchsetzen könnten, ist nicht absehbar. Die Wehrpflicht war zum 1. Juli 2011 ausgesetzt worden.

Die Mehrheit der Deutschen jedenfalls befürwortet eine Wiederaufnahme der Wehrpflicht. Laut einer Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag unserer Redaktion sprachen sich 55,6 Prozent von insgesamt 5046 Befragten dafür aus. 39,6 Prozent antworteten ablehnend: 27 Prozent der Befragten wollen „auf keinen Fall“ eine Wiedereinführung, 12,6 Prozent antworteten mit „eher nein“.

Gabriel: Habe es nur zum Obergefreiten gebracht

Doch wie sieht es bei den Politikern mit dem eigenen Wehrdienst aus? Jedenfalls gehen sie sehr unterschiedlich damit um. Einige erwähnen Wehr- oder Zivildienst in ihren Lebensläufen, bei andere sucht man vergebens.

„Nach der Schule ging ich ,zum Bund’. Für zwei Jahre hatte ich mich verpflichtet“, berichtet etwa der frühere SPD-Chef und Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) auf seiner Homepage, „aber ich habe es nur bis zum Obergefreiten gebracht.“

Von Gabriels Parteikollegen und Nachfolger im Auswärtigen Amt Heiko Maas ist lediglich bekannt, dass er Wehrdienst leistete. Sein Vater war Berufssoldat.

Diese Politiker haben Zivieldienst gemacht

Über Olaf Scholz, Finanzminister und ebenfalls Sozialdemokrat, weiß man, dass er den Dienst mit Waffe verweigerte und seinen Zivildienst in einem Altenpflegeheim leistete.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) schreibt in seinem Lebenlauf: „1992/93 Zivildienst beim Paritätischen Wohlfahrtsverband in Peine.“

Die Ausgemusterten von Schulz bis Spahn

Martin Schulz, glückloser SPD-Chef und unterlegener Kanzlerkandidat 2017, musste keinen Wehrdienst leisten, da er nach einer schweren Knieverletzung ausgemustert wurde.

Zu den Ausgemusterten gehören laut einem Bericht der „Bild“ auch Innenminister Horst Seehofer (CSU) und Jens Spahn (CDU).

Wer hat Wehrdienst geleistet?

Den Wehrdienst absolvierten dagegen Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU).

Gleiches gilt für Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU): 1993 bis 1994 Wehrdienst in Koblenz.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, leistete 1986 im Transportbataillon 270 in Nürnberg seinen Wehrdienst.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) machte 1977/1978 seinen Zivildienst in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Kinderheilanstalt Hannover.

Kompliziert gestaltete sich die Angelegenheit beim ehemaligen Bundesumweltminister Jürgen Trittin von den Grünen. Trittin reichte nach seinem Abitur 1973 seine Kriegsdienstverweigerung ein. Diese wurde jedoch von den Behörden als nicht begründet zurückgewiesen. Also wurde Trittin im April 1974 zur Bundeswehr eingezogen und diente in Bremen als Fernmelder.

Trittin zog vor das Verwaltungsgericht, das anders als die Behörden zuvor seine Verweigerungsbegründung für statthaft hielt. Als anerkannter Kriegsdienstverweigerer konnte Trittin sich 1974 von der Bundeswehr abmelden. 1975 machte er in Bremen Zivildienst in einer Einrichtung für schwer erziehbare Kinder.

Debatte über Wehrpflicht

In den vergangenen Tagen ist eine Debatte um die Wehrpflicht entbrannt. Der Wehrbeauftragte sieht eine Rückkehr zur Wehrpflicht kritisch , während sich die Mehrheit der Deutschen laut einer Umfrage dafür ausspricht . (W.B.)