Plastikmüll

EU-Kommission will Plastikbesteck und -Strohhalme verbieten

Plastikmüll in den Weltmeeren belasten das Ökosystem enorm. Nun plant die EU-Kommission drastische Maßnahmen, um das Problem zu lösen.

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Brüssel.  Im Kampf gegen die wachsende Flut von Plastikmüll plant die EU-Kommission jetzt drastische Maßnahmen: Plastikbesteck, Strohhalme aus Plastik oder Wattestäbchen für den privaten Gebrauch sollen verboten werden. Für andere Plastikprodukte wie Luftballons zum Spielen oder zur Dekoration sollen auffällige Warnhinweise vorgeschrieben werden, die die Verbraucher über die Umweltrisiken aufklärt.

Das sieht der Entwurf für eine Richtlinie zur Verringerung der Umweltbelastung durch Plastikprodukte vor, den die Kommission Ende Mai beschließen will und der dieser Redaktion vorliegt.

Plastikrückstände gelangen über Fische in die Nahrungskette

Die Kommission begründet den Vorstoß mit dem zunehmenden Plastikmüll in den Weltmeeren, der die Ökosysteme belaste und kaum biologisch abbaubar sei. Rückstände gelangten über Fische und Schalentiere in die Nahrungskette und gefährdeten die menschliche Gesundheit.

85 Prozent des gesamten Mülls in den Meeren weltweit bestehe aus Plastik. Anfang des Jahres hatte die EU-Kommission bereits eine Plastikmüll-Strategie vorgelegt, nach der ab 2030 alle Kunststoffverpackungen auf dem EU-Markt recyclingfähig sein sollen und der Verbrauch von Einwegkunststoffen reduziert werden soll.

Jetzt folgen erste Umsetzungs-Richtlinien: Zu den Produkten, die verboten werden sollen, zählt nicht nur das gesamte Sortiment von Plastikbesteck einschließlich Essstäbchen oder Plastikteller, sondern auch die Plastik-Halterungen von Luftballons. Die Kommission erklärt, ein Verbot schlage sie nur für Produkte vor, bei denen es bereits leicht verfügbare Alternativen gebe.

Hersteller sollen Kosten für Müllentsorgung tragen

Eingeschränkt werden sollen die Plastikverpackungen, wie sie Imbissbuden oder der Asia-Snack um die Ecke für das Essen zum Mitnehmen verwenden: Die Hersteller solcher Fast-Food-Verpackungen sollen die Kosten für die Müllentsorgung – auch auf den Meeren – tragen und Umwelt-Aufklärungskampagnen finanzieren; auch die Hersteller etwa von Zigarettenfiltern oder Leicht-Plastiktaschen sollen auf diese Weise herangezogen werden.

Super-Enzym könnte Plastikmüll-Problem lösen
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Die Mitgliedstaaten sollen weitere Maßnahmen ergreifen, um die Menge solcher Plastikprodukte zu reduzieren. Zu den Produkten, die „auffällige, deutlich lesbare und unauslöschliche“ Warnhinweise tragen sollen, gehören dem Entwurf zufolge neben Luftballons auch Damenbinden (Pads), vorbenetzte Körperpflegeprodukte, Haushalts- und Industrietücher.

Bis die neuen Vorgaben umgesetzt sind, dürften aber noch Jahre vergehen: Der Vorschlag muss, wenn er denn in dieser Form am 23. Mai von der Kommission verabschiedet wird, vom EU-Parlament und im Rat von den Mitgliedstaaten angenommen werden; anschließend müssen die Mitgliedsstaaten ihre nationale Gesetzänderung entsprechend ändern.

Die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im EU-Parlament, Rebecca Harms, begrüßte den Vorschlag als „guten Anfang“, um die Meeresverschmutzung mit Plastikmüll in den Griff zu bekommen. „Wir brauchen einen umfassenden und nachhaltigen Ansatz für Herstellung, Verbrauch, Recycling und Entsorgung von Kunststoffen“.