Diplomatie

Skripal-Fall: Russland weist vier deutsche Diplomaten aus

Russland hat die Botschafter von Deutschland und Frankreich einbestellt. Es wird erwartet, dass viele Diplomaten ausgewiesen werden.

Fall Skripal und Ausweisung von Diplomaten: Moskau bestellt deutschen Botschafter ein

Rüdiger von Fritsch betonte das Interesse Deutschlands an einem guten Verhältnis zu Russland. Im Streit um die Vergiftung zweier Russen in Großbritannien scheinen sich die Fronten zwischen mehreren Ländern und Russland zu verhärten.

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Moskau.  Russland verweist als Reaktion auf die Massenausweisung seiner Diplomaten aus westlichen Ländern auch vier deutsche Diplomaten des Landes. Darüber wurde der deutsche Botschafter in Moskau am Freitag informiert, wie das Auswärtige Amt in Berlin mitteilte.

Deutschland hatte seinerseits vier russische Diplomaten ausgewiesen. Bundesaußenminister Heiko Maas sagte, Deutschland bleibe zum Dialog mit Russland bereit. „Unsere Reaktion im Fall Skripal war als politisches Signal notwendig und angemessen, aus Solidarität mit Großbritannien und weil sich Russland bisher jeglicher Aufklärung des Sachverhalts verweigert“, sagte Maas.

Auch andere EU-Länder sind von den Ausweisungen betroffen: Fünf Diplomaten aus den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen müssen Russland verlassen, wie die Außenämter in Tallinn, Riga und Vilnius am Freitag mitteilten. Demnach müssen die Regierungen der drei Länder ebenso viele Diplomaten abziehen, wie zuvor von ihnen russische Vertreter ausgewiesen wurden.

Vier polnische und zwei niederländische Diplomaten ausgewiesen

Wie das Außenministerium in Warschau mitteilte, wies Russland auch vier polnische Diplomaten aus. Der polnische Botschafter sei am Freitag darüber informiert worden, meldete die Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf das Ministerium.

Laut der niederländischen Botschafterin Renée Jones-Bos wurden auch zwei Diplomaten der Niederlande ausgewiesen, nachdem am Freitag im Außenministerium eine Protestnote überreicht worden war. Das meldete die Agentur Tass.

Das niederländische Außenministerium bezeichnete die Ausweisung der zwei Diplomaten als „wenig überraschend“. Die Niederlande würden weiterhin erwarten, dass Russland an der Aufklärung des Anschlags auf Skripal mitwirken muss.

Deutschland wolle offen für Dialog bleiben

Neben dem deutschen wurde auch der französische Botschafter in Russland vorgeladen. Den Chefdiplomaten würden ebenfalls Protestnoten übergeben und die Gegenmaßnahmen verkündet, teilte das russische Ministerium mit.

Zum Inhalt der Gespräche machte der deutsche Botschafter Rüdiger von Fritsch zunächst keine Angaben. „Es bleibt Deutschlands Interesse, ein gutes Verhältnis mit Russland zu haben. Wir bleiben offen für den Dialog“, sagte er.

60 US-Diplomaten bereits ausgewiesen

Zugleich habe er die Gelegenheit genutzt, Russland zur Zusammenarbeit im Fall Skripal aufzurufen. „Angesichts der schlimmen Vorfälle von Salisbury ist es an der russischen Regierung, alles zu unternehmen, Klarheit und Transparenz zu schaffen und berechtigte offene Fragen zu beantworten“, sagte Botschafter von Fritsch.

Russland weist 60 US-Diplomaten aus und schließt Konsulat
Russland weist 60 US-Diplomaten aus und schließt Konsulat

Das russische Außenministerium bestellte neben dem deutschen Botschafter auch die Vertreter anderer EU-Staaten ein, die sich an der Ausweisung russischer Diplomaten beteiligt hatten. Am Donnerstagabend hatte Russland bereits die Ausweisung von 60 US-Diplomaten angekündigt.

Russland weist Vergiftung von Skripal und seiner Tochter zurück

Damit regierte Moskau auf die Entscheidung von rund 25 Staaten sowie der Nato, mehr als 140 russische Diplomaten des Landes zu verweisen. Auch Deutschland hatte vier Russen zu unerwünschten Personen erklärt. Außenminister Sergej Lawrow hatte gesagt, dass Moskau ebenso viele Diplomaten ausweisen werde, wie zuvor Russen betroffen waren.

Der Schlagabtausch ist Teil des Konfliktes um den vergifteten Ex-Agenten Skripal und seiner Tochter Julia in Großbritannien. London wirft Moskau vor, in den Fall verwickelt zu sein. Russland weist das zurück. (dpa)

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