Meuterei

Fast 70 Tote bei Gefängnisunruhen und Protesten in Venezuela

Foto: CARLOS GARCIA RAWLINS / REUTERS

Auf einer venezolanischen Polizeistation hat es einen Aufstand gegeben, Dutzende starben. Die Familien der Opfer sind außer sich.

Caracas.  In Venezuela sind 68 Menschen bei einer Meuterei von Gefangenen in einer Polizeistation ums Leben gekommen. Das teilten die Behörden des Landes in der Nacht zu Donnerstag mit. Der Aufstand im Bundesstaat Carabobo hatte am Mittwoch begonnen, als die Häftlinge einen ihrer Bewacher als Geisel nahmen und anschließend Matratzen in Brand setzten, berichtete die Zeitung „El Universal“. Viele der Opfer starben, weil sie Rauch eingeatmet hatten.

Die Staatsanwaltschaft habe Ermittlungen zu dem Brand eingeleitet, sagte Generalstaatsanwalt Tarek Saab auf Twitter. Unter den Toten seien ersten Informationen zufolge auch zwei Frauen. Sie hatten Verwandte besucht.

In den Haftzellen des Polizeihauptquartiers von Carabobo werden viele Untersuchungshäftlinge untergebracht. „Wir verbürgen uns dafür, dass wir die Ermittlungen vertiefen, um diese schmerzvollen Geschehnisse sofort aufzuklären“, schrieb Saab.

Mit Tränengas gegen trauernde Familienmitglieder

Verzweifelte Familienangehörige, darunter viele Frauen, versammelten sich vor der Polizeistation. Auf Fernsehbildern waren Polizisten in Kampfausrüstung zu sehen, die die Menschen zurückdrängten. Auch Tränengas sei zum Einsatz gekommen. „Es gab keine Information. Nichts!“, sagte eine verzweifelte Frau in einem Bericht des südamerikanischen Nachrichtensenders Senders NTN24. Ihr Sohn war in der Polizeistation.

Geschehnisse symptomatisch für Situation in Venezuela

Die Nichtregierungsorganisation „Una Ventana de Libertad“ machte Schlamperei und Nachlässigkeit beim zuständigen Ministerium für Justizvollzug verantwortlich für die Geschehnisse. „Was heute in Carabobo passierte, ist ein Beispiel dafür, was wir in ganz Venezuela erleben“, sagte ein Sprecher.

Die Haftbedingungen für Untersuchungshäftlinge seien seit langem in der Kritik. Polizeistationen seien hoffnungslos überfüllt. Das Ministerium habe vor Jahren versprochen, eigene Haftanstalten für Untersuchungshäftlinge zu errichten, bislang sei aber keine einzige fertiggestellt worden. (dpa)

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