Prozessauftakt

Lebenslange Haft für islamistischen Messerstecher gefordert

Ahmad A. hat vergangenes Jahr mit einem Messer einen Menschen getötet und mehrere verletzt. Die Tat sei islamistisch motiviert gewesen.

Im Prozess gegen Ahmad A. in Hamburg treten mehrere Nebenkläger auf.

Im Prozess gegen Ahmad A. in Hamburg treten mehrere Nebenkläger auf.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Hamburg.  Im Prozess um einen mutmaßlich islamistischen Attentäter hat die Bundesanwaltschaft am Montag eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert.

Der heute 27 Jahre alte Palästinenser Ahmad A. habe sich bei seinem Attentat in und vor einem Hamburger Supermarkt des Mordes sowie versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in sechs Fällen schuldig gemacht. Die Tat sei islamistisch motiviert gewesen.

Es sei zudem die besondere Schwere der Schuld festzustellen, sagte die Vertreterin der Bundesanwaltschaft, Yasemin Tüz, am Montag, vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht. Wird eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt und außerdem die besondere Schwere der Schuld festgestellt, ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen.

Angeklagter hat Tat gestanden

Der abgelehnte Asylbewerber hatte bei Prozessauftakt in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung gestanden, am 28. Juli 2017 in einer Edeka-Filiale im Stadtteil Barmbek einen 50-Jährigen an einem Getränkeautomat erstochen und einen weiteren Kunden an der Fleischtheke schwer verletzt zu haben. Abschließend rannte er auf die belebte Einkaufsstraße „Fuhle“ und verletzte fünf weitere Menschen.

Ahmad A. gesteht Messerangriff in Hamburger Supermarkt

Der psychiatrischer Gutachter Prof. Norbert Leygraf hält den 27-Jährigen für voll schuldfähig. Ahmad A. leide weder an einer psychischen Erkrankung noch habe er bei seiner Tat unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen gestanden. Der Angeklagte habe ihm gesagt, „der Vorfall“ sei nicht seine eigene Entscheidung, sondern Gottes Wille gewesen, erklärte Leygraf.

Täter stach mehrfach zu

Das Gericht schaute sich am Mittwoch Videoaufnahmen aus Überwachungskameras an, die den Tatablauf zeigen. Anschließend verlas der Vorsitzende Richter ein Polizeiprotokoll, das die Bilder beschreibt. Demnach dauerte das Geschehen im Edeka-Markt nur 46 Sekunden. 14 brauchte Ahmad A., um sich das Messer aus einem Regal zu holen, und 4, um die Schutzhülle abzuziehen. Dann stach er innerhalb von 10 Sekunden viermal auf sein erstes Opfer ein.

Der 50-Jährige hatte keine Chance. Zwei der Stiche in die Brust- und Bauchhöhle, 18 und 21 Zentimeter tief, seien absolut tödlich gewesen, erklärte der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin, Prof. Klaus Püschel. Der Täter müsse das Messer bis zum Heft in den Körper des Mannes „hineingerammt“ haben. Sogar Rippen und Wirbelsäule seien eingekerbt gewesen, fanden die Mediziner bei der Untersuchung des Leichnams heraus. Der 50-Jährige verblutete.

Auf der Straße attackierte Ahmad A. noch drei Männer und zwei Frauen. Wie eine Rechtsmedizinerin vor Gericht erklärte, erlitten sowohl das zweite Opfer im Markt als auch ein Mann auf der Straße akut lebensgefährliche Verletzungen. Zwei weitere Männer und eine Frau befanden sich in potenzieller Lebensgefahr, weil die Stiche nur ganz knapp lebenswichtige Gefäße oder Organe verfehlten. Eine andere Frau trug eine weniger gravierende Verletzung an der Brust davon. (dpa)