US-Präsident

Warum Donald Trump jetzt von einer Militärparade träumt

Spätauswirkung seines Besuchs am französischen Nationalfeiertag in Paris: US-Präsident Trump will Militär-Parade mitten in Washington.

U.S. President Donald Trump salutes upon his return to the White House in Washington, U.S., from Greenbrier, WV, February 1, 2018. REUTERS/Yuri Gripas

U.S. President Donald Trump salutes upon his return to the White House in Washington, U.S., from Greenbrier, WV, February 1, 2018. REUTERS/Yuri Gripas

Foto: YURI GRIPAS / REUTERS

Washington.  US-Präsident Donald Trump will die Stärke seines Landes nun auch mit einer Militärparade demonstrieren. Schwanger ging Donald Trump mit dem Gedanken, seit Emmanuel Macron ihm am 14. Juli 2017 auf den Champs-Élysées in Paris gezeigt hat, wie in Gestalt von goldbehelmten Reitern mit Pauken und Trompeten sowie Überschall-Jägern am Himmel Pomp und Nationalstolz zueinander finden.

Die Militärparade zum französischen Nationalfeiertag hat den amerikanischen Präsidenten – der weiland einen Fersensporn vorgeschoben hatte, um dem Dienst fürs Vaterland im Vietnam-Krieg zu entgehen – derart beeindruckt, dass er sich ein ähnliches Brimbamborium auch vor der eigenen Haustür vorstellen konnte. „Das war super-duper, 200 Flugzeuge über unseren Köpfen“, äußerte sich Trump begeistert, „hunderttausend verschiedene Uniformen.“

Trump hat dem Pentagon einen Auftrag erteilt

Sieben Monate später ist aus der lockeren Idee fester Vorsatz und Marschbefehl geworden. „Ich will so eine Parade wie die Paris“, gab der Commander-in-Chief den Spitzen des Pentagon Mitte Januar auf. Am besten auf der Pennsylvania und Constitution Avenue, die vom Weißen Haus (an Trumps Hotel vorbei) bis zum Kongress führt. Und zwar noch in diesem Jahr.

Einen enstprechenden Bericht der Washington Post bestätigte Trumps Sprecherin Sarah Sanders: „Präsident Trump unterstützt auf unglaubliche Weise Amerikas Soldaten, die jeden Tag ihr Leben riskieren, um unsere Land sicher zu halten. Er hat das Verteidigungsministerium beauftragt, die Möglichkeit für eine Feier zu erkunden, bei der alle Amerikaner ihre Wertschätzung zum Ausdruck bringen können.“

Als mögliche Termine werden bereits der 28. Mai (Memorial Day), der 4. Juli (Nationalfeiertag) oder – eher scherzhaft – der 14. Juni (Ende des Ramadan und Trumps Geburtstag) genannt. Das Pentagon bevorzugt den 11. November. Das Datum des 100-Jahre-Jubiläums des siegreichen Endes des 1. Weltkrieges „wäre am leichtesten zu entpolitisieren“, heißt es.

Militär-Aufmärsche à la Frankreich kennt Amerika nicht

Denn bei aller Liebe fürs Militärische, die bei keinem großen Sportereignis fehlt: Aufmärsche à la Frankreich kennt Amerika nicht. Sie rufen bei vielen Erinnerungen an Bilder vom Roten Platz in Moskau oder an den Tiananmen-Square in Peking wach, wo autoritäre Staatsapparate walten.

Zwar gab es nach dem Bürgerkrieg sowie nach Beendigung der beiden Weltkriege in Washington und New York kleinere Umzüge. Weil die USA danach aber weder in Korea noch in Vietnam Grund zum Jubel hatten, blieben militärische Machtdemonstrationen aus. Zuletzt ließ Präsident George W. Bush 1991 nach dem Golf-Krieg (Operation Desert Storm) 8800 Soldaten im Herzen Washingtons auflaufen. Seither galt die Devise des früheren Generalstabschefs Martin Dempsey: „Eine nationale Militärparade erscheint unangebracht, solange Amerikas Söhne und Töchter in Gefahr sind“ – sprich: in Afghanistan oder im Irak Dienst tun.

Trumps Wunsch nach Parade löst Sorge aus

Aber das ist nicht die einzige Sorge, die Trumps Begehr ausgelöst hat. Just am Dienstag wurde der von Trump nahezu wie ein Heiliger verehrte Verteidigungsminister James Mattis in zuständigen Kongress-Ausschüssen vorstellig, um noch eine paar Milliarden Dollar mehr für die angeblich verkümmerte Einsatzbereitschaft der größten und mit weitem Abstand teuersten Streitmacht der Erde herauszuschlagen.

Die Aussicht darauf, demnächst teures und schweres Material (ein Abrams-Panzer wiegt mehr als 60 Tonnen und ist herkömmlichem Straßen-Asphalt prinzipiell abträglich) sowie Tausende Soldaten aller Waffengattungen für ein Schaulaufen nach Washington expedieren zu müssen, behagt in Mattis’ Umfeld nicht jedem.

Präsident möchte von Beliebheitswerten des Militärs profitieren

Zumal bürokratischer Zwist um Nutzungsrechte mit der überwältigend demokratisch gestimmten Verwaltung der überwältigend von Wählern der Demokraten bevölkerten Haupstadt programmiert ist. Auch deshalb, so sagen Eingeweihte, ist verbindlich noch nichts entschieden.

Aber Trump wird sich davon nicht beirren lassen, heißt es. Seine wichtigsten Berater, die pensionierten Vier-Sterne-Generäle Mattis und Kelly (Stabschef) wie auch der Generalleutnant der Armee H. R. McMaster (Nationaler Sicherheitsberater), stehen nicht im Verdacht, dem Präsidenten seine Neigung zu militärischem Strass auszureden. Sie wissen, dass unter allen staatlichen Institutionen das Militär noch immer Werte von über 70 Prozent erreicht, wenn Amerikanr gefragt werden, in wen oder was sie ihr Vertrauen setzen. Davon möchte der herzlich unbeliebte Präsident profitieren.

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