Fernost

Nord- und Südkorea reichen sich nach zwei Jahren die Hand

Die Annäherung hat nun doch rasch geklappt: Erstmals seit fast zwei Jahren treffen sich Vertreter von Nord- und Südkorea zu Gesprächen.

Treffen im Grenzort Panmunjeom in der entmilitarisierten Zone: Ranghohe Vertreter aus Nord- und Südkorea begrüßen sich.

Treffen im Grenzort Panmunjeom in der entmilitarisierten Zone: Ranghohe Vertreter aus Nord- und Südkorea begrüßen sich.

Foto: Pool / Getty Images

Seoul/Peking.  Vor nicht einmal zwei Wochen standen sich Nord- und Südkorea noch spinnefeind gegenüber. Pjöngjangs Machthaber Kim Jong-un wetterte ohne Unterlass gegen Südkorea, dem „Vasallenstaat der USA“. Zehntausende Artilleriegeschütze sind auf die südkoreanische Hauptstadt Seoul gerichtet.

Auf der anderen Seite entlang des 38. Breitengrades haben sich südkoreanische Soldaten zusammen mit US-GIs auf einen bewaffneten Konflikt vorbereitet und provozieren mit regelmäßigen Manövern. Nun kommt die plötzliche Wende: Vertreter beider Seiten reichen sich die Hand.

Es war die erste Zusammenkunft beider Koreas seit mehr als zwei Jahren

Mitten in der so genannten entmilitarisierten Zone im Grenzort Panmunjeom ist es am Dienstagmorgen erstmals seit über zwei Jahren zu einem Treffen zwischen ranghohen Vertretern der beiden verfeindeten Länder gekommen. Südkoreas Vereinigungsminister Cho Myoung- gyon und sein Stellvertreter Chun Hae- sung betraten um exakt 10 Uhr von Süden kommend die berühmte blaue Baracke, die sich exakt auf dem Grenzstreifen befindet. Die Machthaber in Pjöngjang schickten ihren Chefunterhändler Ri Son-gwon.

Die Baracke ist der einzige Ort, an dem es seit dem Waffenstillstandsabkommen von 1953 offizielle Treffen zwischen beiden Seiten gibt. Keine von beiden Seiten muss gegnerisches Territorium betreten. Über einen breiten weißen Tisch schüttelten sie sich vor laufender Kamera die Hände und lächelten sogar.

Hauptthema des Treffens ist Nordkoreas mögliche Olympia-Teilnahme

Eigentlich sollte nur über Nordkoreas Teilnahme an den Olympischen Winterspielen gesprochen werden, die in einem Monat im südkoreanischen Pyeongchang beginnen. Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hatte in seiner Neujahrsrede überraschend die Einladung Südkoreas in Erwägung gezogen – und damit eine Entspannungspolitik eingeleitet, auf die Südkoreas linksliberaler Präsident Moon Jae-in seit Monaten gehofft hatte.

Nordkorea: So gefährlich ist der Konflikt wirklich

Doch nach Nordkoreas vielen Raketentests der vergangenen Monaten und der Zündung einer unterirdischen Wasserstoffbombe war das Verhältnis zerrütteter denn je. Die Hasstiraden von US-Präsident Donald Trump auf Twitter gegen Kim und die gegenseitigen Beleidigungen verschärften den Konflikt auf der koreanischen Halbinsel zusätzlich.

Südkorea will seine Sportler mit denen Nordkoreas ins Stadion marschieren lassen

Nun sagte Nordkoreas Chefunterhändler nicht nur die Teilnahme seines Landes an den Winterspielen zu, sondern kündigte an, auch eine hochrangige Delegation mit staatlichen Vertretern schicken zu wollen. Der Norden begeht den 70. Jahrestag seiner Gründung am 9. September und der Süden ist Gastgeber der Olympischen Spiele. Dies sei „eine gute Gelegenheit, um das Prestige unserer Nation zu demonstrieren“ hatte Machthaber Kim in seiner Neujahrsrede vorgegeben.

Südkorea bot an, dass die Sportler beider Staaten bei Eröffnung und Abschluss der Spiele gemeinsam ins Stadion einmarschieren. Sollte sich Nordkorea darauf einlassen, wäre diese Geste das stärkste Bild der Versöhnung der vergangenen Jahre.

Auch das Programm zur Familienzusammenführung konnte wieder starten

Südkoreas Vereinigungsminister schlug beim Treffen am Dienstag zudem vor, das Programm zur Wiedervereinigung von Familien wieder aufzunehmen, die seit dem Krieg von 1953 voneinander getrennt sind. Die letzte Zusammenführung gab es im Herbst 2015. Als Gegenleistung bot Südkorea Militärgespräche an. „Beide Staaten müssen versuchen, Frieden und Versöhnung durch Dialog zu erreichen“, sagte Gyons Stellvertreter Chun. Das Ziel müsse sein, sämtliche Atomwaffen auf der koreanischen Halbinsel abzubauen.