Politik

Auf der Suche nach Guttenbergs Firma

Bei Comeback-Spekulationen verweist Karl-Theodor zu Guttenberg auf sein Unternehmen. Stellt man dazu Fragen, kommt Post vom Anwalt.

Seit Wochen wird über ein politisches Comeback von Karl-Theodor zu Guttenberg spekuliert. Doch dieser will seine Wahlkampfauftritte für die CSU nur als „Hilfe“ verstanden wissen und verweist auf Verpflichtungen durch seine Firma „Spitzberg Partners“ in New York. CSU-Chef Horst Seehofer allerdings kann sich Guttenberg sogar wieder als Bundesminister vorstellen. Aber der weist solche Gedankenspiele zurück. Die „Expansion“ seines Unternehmens fülle ihn „gänzlich aus“, sagt der 45-Jährige, der 2011 wegen seiner plagiierten Doktorarbeit als Minister zurücktrat.

Laut Spitzberg-Partners-Homepage gibt es neben dem Hauptsitz in New York inzwischen „Büros und Personal“ in Toronto, Washington, Zagreb und Berlin. Adressen der Standorte gibt es nicht. Entsprechende E-Mail-Anfragen der Berliner Morgenpost bleiben zunächst unbeantwortet. Nach weiteren Nachfragen im Zuge der Recherche kommt letztlich Post von Anwalt Christian Schertz. Der Experte für Persönlichkeitsrecht von Prominenten schreibt von „Betriebsinterna“, „warnt“ vor „Falschberichterstattung“ und will „notfalls“ Gegendarstellung und Unterlassung durchsetzen.

Die erste Rückmeldung kommt von Geschäftsführer Ulf Gartzke. Der Guttenberg-Vertraute gründete 2013 mit dem Ex-Minister „Spitzberg Partners“.

Gartzke will reden, schlägt ein Telefongespräch „off the record“ vor. Seine Aussagen möchte er also nicht in der Zeitung lesen. Gleichwohl: Gartzke bestätigt die Existenz einer Büroleiterin in Berlin und nennt eine Adresse an der Kantstraße in Charlottenburg.

Beim Ortsbesuch an dem Haus gibt es auf eine „Spitzberg Partners“-Niederlassung äußerlich keinen Hinweis. An den Klingelschildern finden sich aber die Namen „Guttenberg“ und „G Family Office“. Der Hausbriefkästen im Treppenhaus führt neben der Aufschrift „Büro Karl-Theodor zu Guttenberg“ auch eine „SPNYC Management GmbH“ auf. Von der steht an der Haustür weiter oben nichts. Auf wiederholtes Klingeln öffnet an dem Vormittag niemand, auch anderntags nicht.

Bei einem späteren Versuch antwortet eine Frauenstimme an der Gegensprechanlage. Es ist die Büroleiterin, eine Frau Anfang 30. Wie man sie mal telefonisch erreichen kann? Sie kommt in den Innenhof, der Reporter stellt sich vor. Bei „… von der Morgenpost“ wirkt sie erschrocken. Der Anruf bei Gartzke ist Monate her, aber sie weiß sofort, worum es geht. „Ich dachte, Herr Gartzke hat mit Ihnen gesprochen?“ Sie lächelt wieder. Und übergibt ihre Karte.

Das „G-Family Office“ gibt es schon länger an der Kantstraße. Von hier aus ließ Guttenberg 2011 Entschuldigungsschreiben versenden an Akademiker, deren Texte er für seine Doktorarbeit plagiiert hatte. Family Offices sind, vereinfacht gesagt, Dienstleister für reiche Familien.

Im Berliner Handelsregister sind unter „Guttenberg“ und „Spitzberg Partners“ keine Einträge verzeichnet. Der exakte Name vom Briefkasten aber führt zum Treffer. Die „SPNYC Management GmbH“ wurde im Juli 2016 „errichtet“, wie es im Register heißt, mit Unterschriften von Guttenberg, Gartzke und Martin Bernreuther. Der ist auch als Geschäftsführer eingetragen. Als Beteiligte genannt sind die von Guttenberg gegründete „SPNYC Verwaltungs GmbH“, sowie „Spitzberg Partners“ unter New Yorker Adresse, letztere mit einer Hafteinlage von 5000 Euro.

Einer Recherche des „Deutschlandfunks“ zufolge hatte Bernreuther schon einmal ein Büro für Guttenberg geleitet. Ein „Bürgerbüro“, das Guttenberg den Menschen in seiner Heimat bei seinem Abschied 2011 versprochen hatte. Auf Guttenbergs Kosten sollte dort eine „erfahrene Vollzeitkraft arbeiten“. Laut Bericht handelte es sich dabei um Bernreuther, damals zugleich stellvertretender Junge-Unions-Kreisvorsitzender in Guttenbergs Heimat und tätig in der CSU-Geschäftsstelle Kulmbach, an der identischen Adresse wie das „vermeintliche Bürgerbüro“, wie es im Beitrag heißt.

In der Folge stieg dieser weiter auf, ist nun CSU-Bürgermeister in Thurnau, keine halbe Autostunde vom fränkischen Anwesen der Guttenbergs entfernt. Zugleich ist er Geschäftsführer der beiden SPNYC-GmbHs an der Kantstraße. Der Geschäftszweck der Verwaltungs GmbH ist laut Register die Beteiligung an der Management GmbH. Deren Zweck wiederum sei Investitionsberatung. Einmal änderte Bernreuther den Geschäftszweck. Seitdem gehört auch „die Vermittlung von Rednerauftritten“ dazu. Auf die schriftliche Frage, welche Redner die Firma vermittelt habe außer Karl-Theodor zu Guttenberg: keine Antwort.

Diese und weitere Fragen schickt die Morgenpost per E-Mail an „Spitzberg Partners“, fragt nach den Büroadressen, Telefonnummern, Zahl der Mitarbeiter, Umsatz. Gartzke antwortet, diesmal schneller, man äußere sich nicht zu „Betriebsinterna, Klienten oder Investments“. Und: „Alternativ und mit Blick auf etwaige Berichterstattung verweisen wir auf Herrn Rechtsanwalt Prof. Dr. Christian Schertz“. Ein separater Fragenkatalog geht an den Anwalt. Der schickt seine „Warnung“.

In einem bei „Phoenix“ gezeigten Gespräch wird Guttenberg auf sein mögliches Comeback angesprochen. „Das Letzte, was ich will, ist, in einem expandierenden Unternehmen, das ich jetzt führen darf, nur eine Zweckgemeinschaft für meine eigene politische Zukunft zu sehen“, sagt eer. Diesen Gedanken hatte zuvor niemand geäußert, Guttenberg sagt das einfach so.

Am Rande eines Wahlkampf-Auftritts im bayerischen Moosburg spricht der Morgenpost-Reporter Guttenberg an, fragt ihn, wo die Büros von Spitzberg Partners sind. Guttenberg, gerade im Trachtenjanker auf dem Weg ins Festzelt, stutzt, sagt: „Die Büros sind da, wo die Mitarbeiter sind.“ Nachfrage: „Warum bekommen wir Post vom Anwalt, wenn wir das fragen?“ Guttenberg, barsch: „Weil wir nichts sagen zu Betriebsinterna. Relativ einfach.“

Geschäftsführer Ulf Gartzke erzählte übrigens einmal dem „Spiegel“, woher der Name „Spitzberg Partners“ stammt. So heißt ein Berg in Guttenbergs einstigem Wahlkreis. Für die Amerikaner klinge der Name nach Tradition, nach alteingesessener Kanzlei. Dabei handele sich eher um ein „bewaldetes Häubchen“. Der Spitzberg sei eigentlich gar kein Berg. Nur sein Name erweckt den Anschein.