Ausschreitungen

Scharfe Kritik für Trumps lasche Reaktion zu rechter Gewalt

Zu schwach, zu spät, zu wenig: Selbst Republikaner fordern von US-Präsident Trump eine klarere Haltung zu den rechten Ausschreitungen.

Auto rast bei Nazi-Demo in Gegendemonstranten

Bei einer Nazi-Demo in Charlottesville, Virginia, ist ein Auto in eine Gruppe Gegendemonstranten gerast. Eine Frau kam ums Leben, viele weitere wurden verletzt,
So, 13.08.2017, 09.19 Uhr

Auto rast bei Nazi-Demo in Gegendemonstranten

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Berlin.  Schwere Ausschreitungen zwischen rechten Aktivisten und Gegendemonstranten erschüttern die USA. Eine Frau starb, als am Samstag ein Auto – wohl absichtlich – in eine Menschenmenge in der Stadt Charlottesville raste.

Und der US-Präsident? Meldet sich entgegen seiner sonstigen Art erst spät zu Wort. Und die kargen Worte, die er findet, stoßen auf scharfe Kritik. Nicht nur bei seinen Gegnern, sondern auch innerhalb seiner eigenen Partei.

Trump adressierte rechte Gruppen nicht direkt

Donald Trump hatte die Gewalt im US-Bundesstaat Virginia am Samstag zwar verurteilt, in einem Statement von "ungeheuerlicher Gewalt" gesprochen, sich gegen "Hass und Vorurteile" positioniert. Einen direkten Verweis auf die rechten Aktivisten, auf Weiße Nationalisten, Neonazis, Neo-Konföderierte, hatte er aber vermieden.

Auch in seiner ersten Reaktion – einem Tweet, wie könnte es auch anders sein – hatte er die rechten Gruppen nicht direkt adressiert. "Wir ALLE müssen zusammenstehen & alles verurteilen, für das Hass steht", hatte er getwittert. "Es gibt keinen Platz für diese Art von Gewalt in Amerika."

"Nazis sind nicht patriotisch"

Das reichte vielen nicht. Zu lasch, zu wenig konkret. Man müsse das Böse auch beim Namen nennen, schrieb etwa der republikanische Senator von Colorado, Cory Gardner auf Twitter.

Ähnlich reagierte auch Marc Rubio, Senator in Florida und ebenfalls Republikaner wie Trump. Es sei nichts Patriotisches an Nazis, dem Ku Klux Klan oder White Supremacists, schrieb er auf Twitter. Das sei genau das Gegenteil von dem, was Amerika sein wolle.

Schon seit längerem werfen Politiker aller Richtungen dem US-Präsidenten vor, sich nicht stark genug vom rechten Rand der US-amerikanischen Gesellschaft zu distanzieren. Seine scharfe Rhetorik etwa beim Thema Zuwanderung stärke und ermutige die Nationalisten nur, so die wiederkehrende Kritik. Nun die Gewalt in Virginia und die fehlende Abgrenzung.

"Es gibt nur eine Seite"

Die frühere Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, bot Trump via Twitter eine kleine Schulung an. "Sprechen Sie mir nach, Herr Trump: Weiße Überlegenheit ist eine Beleidigung amerikanischer Werte."

Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren forderte Trump auf, zu zeigen, auf welcher Seite er stehe. "Er kann damit beginnen, dass er das Geschehen öffentlich als das bezeichnet, was es ist: weiße Überlegenheit", schrieb sie auf Twitter.

Und Joe Biden, Vize-Präsident unter Trumps Vorgänger Barack Obama, kommentierte das Ganze knapp mit den Worten. "Es gibt nur eine Seite."

Trump reagierte erst spät

Die Parade der Rechten in Charlottesville hatte schon am Freitagabend (Ortszeit) mit einem Marsch über das Universitätsgelände begonnen und den ganzen Samstag angedauert. Trump hatte aber erst darauf reagiert, als es am Samstagnachmittag (Ortszeit) zu den gewaltsamen Auseinandersetzungen kam. Viel zu spät, wie viele kritisierten.

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"Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling etwa, bekannt als scharfe Kritikerin des US-Präsidenten, warf Trump vor, dass er ausgerechnet an so einem Tag vergesse, wie man twittere.

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