Rechtsextreme

"Identitäre Bewegung": Zehn Festnahmen auf Schiff in Zypern

Mit der „C-Star“ wollten Rechtsextreme Flüchtlinge zurück nach Afrika bringen. Nun wird wegen Verdacht auf Menschenschmuggel ermittelt.

Die „C-Star" liegt erst einmal im Hafen von Famagusta im türkischen Teil von Zypern fest.

Die „C-Star" liegt erst einmal im Hafen von Famagusta im türkischen Teil von Zypern fest.

Foto: Erdogan Garip-Strengthening Asylum in Cyprus Project

Famagusta.  Der Kapitän des Schiffes "C-Star" ist in Zypern offenbar wegen des Verdachts auf Menschenschmuggel festgenommen worden. Das berichten die "taz" und die zypriotische Zeitung "Kibris Postasi" unter Berufung auf die Polizei. Mit dem Schiff wollten Anhänger de r rechtsextremen "Identitären Bewegung" Flüchtlinge unter dem Motto "Defend Europe" (Verteidige Europa) aus Afrika zurück nach Libyen bringen.

Ein Gericht in der Hafenstadt Famagusta hat laut "Kibris gazetesi" gegen neun weitere Verdächtige einen eintägigen Gefängnisaufenthalt angeordnet. Die Zeitung "Yeni Düzen" berichtete, ihnen werde unter anderem Dokumentenfälschung vorgeworfen. Die Nationalität der Besatzungsmitglieder war zunächst unklar. Die "Identitären" teilten via Twitter mit, die Crew bestehe aus verschiedenen Nationalitäten.

Schon am Mittwoch zeichnete sich ein PR-Desaster für die Rechtsextremen ab, die in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet werden: In sozialen Netzwerken hatte es Berichte gegeben, wonach die tamilische Besatzung des Schiffs in Zypern Asyl beantragt habe. Quelle war ein Blog-Eintrag des französisch-griechischen Filmemachers und Philosophen Yannis Youlountas. "Defend Europe, es ist vorbei", schrieb er. Die Häme im Netz war groß.

Laut den "Identitären" war die Besatzung an Bord, "um eine Kapitänsausbildung zu absolvieren", wie sie dem österreichischen "Kurier" gegenüber erklärten. Dafür hätten die Menschen auch gezahlt, das sei üblich. Von den Tamilen Geld für die Überfahrt verlangt zu haben, bringt den Organisatoren aber jetzt auch den Vorwurf der Schlepperei ein.

Besatzung "bedrängt", Asyl zu beantragen

Zumindest in Teilen bestätigten die Organisatoren die aktuellen Probleme. Die asiatische Crew, die das Schiff in Zypern verlassen habe, sei von Nichtregierungsorganisationen bedrängt worden, Asyl zu beantragen, twitterte der Account der Aktivisten. Und weiter: "Sie unternehmen alles, um die C-Star daran zu hindern, den Hafen von Catania zu erreichen."

In Catania auf Sizilien warten die Aktivisten aus der "Identitäten Bewegung" seit Tagen, um dort an Bord zu gehen und die Störaktionen im Mittelmeer vor der libyschen Küste zu starten. Die "Identitäre Bewegung" will nach eigenen Angaben auch Migranten im Mittelmeer abfangen und sie zurück nach Afrika bringen. Der Bürgermeister von Catania hat an die italienischen Behörden appelliert, dem Schiff die Einfahrt in den Hafen der Stadt zu verwehren.

Die Organisatoren hatten bereits mehrfach große Hindernisse zu überwinden. Zunächst für die Aktion gespendetes Geld wurde gesperrt, dann durfte das in Dschibuti gecharterte Schiff zunächst nicht in den Suez-Kanal einlaufen. (law/küp/dpa)

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