Donald Trump trifft Wladimir Putin. Der amerikanische Präsident und sein russischer Amtskollege sitzen sich am Freitagnachmittag gegenüber: Ein Hauch von Showdown weht durch die Hamburger Messehallen. Es ist die erste persönliche Begegnung der zwei Alphatiere der Weltpolitik. Beide im staatstragenden dunkelblauen Anzug mit blau-weiß gemusterter Krawatte. Kurzer Blick in die Augen, fester Händedruck, Pokerface.

„Es ist eine Ehre, Sie zu treffen“, sagt Trump zu Putin. Dieser entgegnet, er sei ebenfalls „erfreut“ darüber. Danach ziehen sie sich zum Gespräch zurück. Es ist auf eine halbe Stunde angesetzt, dauert aber zwei Stunden und 16 Minuten. Bei der Unterredung sollte es um den Kampf gegen den internationalen Terrorismus, Rüstungskontrolle, die Ukraine und Syrien gehen.

Das Ergebnis war überraschend: Die beiden mächtigen Staatsmänner verständigten sich auf einen Waffenstillstand für den Südwesten Syriens. Die Waffenruhe, an der auch Jordanien beteiligt sei, solle am Sonntag beginnen, sagte US-Außenminister Rex Tillerson nach dem Treffen. Es handele sich um eine sehr wichtige Region in Syrien. „Es ist unser erster Erfolg“, so Tillerson. Für diese Unterredung fehlten Trump und Putin bei der zweiten Arbeitssitzung der Präsidenten und Premiers der G20-Länder der Industrie- und Schwellenländer zur Klimapolitik. Dass der Amerikaner nicht viel vom Pariser Klimavertrag hält, ist bekannt.

Die Rede in Warschau war mehr als nur ein Nadelstich

Viel wurde im Vorfeld über das Tête-à-Tête mit Putin spekuliert. Einige hatten kurz nach Trumps Wahl die Hoffnung, dass ein neues russisch-amerikanisches Tauwetter bevorstehe. Er strebe „großartige Beziehungen“ zu Moskau an, hatte der neue Chef im Weißen Haus angekündigt. Putin sei „sehr klug“. Der Russe gab die Blumen zurück und bezeichnete Trump als „intelligent“.

Optimisten träumten gar vom Beginn einer neuen Ära. Sie verwiesen auf den Vertrag zwischen Ronald Reagan und Michail Gorbatschow über den Abbau der Mittelstreckenraketen in Europa 1987, der das Ende des Kalten Krieges einleitete. Skeptiker befürchteten hingegen, dass die beiden Polit-Machos Trump und Putin über die Köpfe anderer hinweg ihre Separat-Vereinbarungen treffen könnten.

Die Sorgen scheinen sich verflüchtigt zu haben. Bei seiner Rede am Donnerstag in Warschau warf Trump Russland „destabilisierendes Verhalten“ in der Ukraine, im Syrien und im Iran vor. Er lobte den Verkauf von „Patriot“-Raketen an die polnische Regierung, die er wegen ihrer vergleichsweise hohen Verteidigungsausgaben als Musterknaben feierte. Für Moskau, das sehr sensibel auf alle Militär-Aktivitäten an der Ostflanke der Nato reagiert, war dies mehr als ein Nadelstich.

Russland und China mit gemeinsamen Zielen

Doch auch in wirtschaftlicher Hinsicht operiert der US-Präsident zunehmend mit härteren Bandagen. Vor wenigen Wochen lieferten US-Unternehmen erstmals Flüssiggas nach Polen. Bislang war der Gasmarkt in Europa fest in russischer Hand. Beim Konflikt mit Nordkorea schoss Trump Breitseiten gegen Russland und China.

Beide Länder täten zu wenig, um den atomwaffenversessenen Diktator Kim Jong-un an die Kandare zu nehmen, so der Präsident. Putin übte daraufhin den Schulterschluss mit Peking und forderte kühl: Washington solle die gemeinsamen Manöver mit Südkorea einstellen, dann könne man auch mehr Druck auf Pjöngjang ausüben. Russland und China verfolgen gemeinsame strategische Ziele. Sie wollen die Amerikaner aus ihrem Hinterhof Südostasien heraushalten und benutzen Nordkorea als Hebel.

Trotz der Annäherungsversuche des US-Präsidenten zu Beginn seiner Amtszeit: Moskau hat sich nie von einer Trump-Euphorie anstecken lassen. Der Kreml kalkulierte von Anfang an nüchtern, wo gemeinsame Interessen liegen könnten. Dabei stand der Kampf gegen den islamistischen Terror ganz oben.

Viele Republikaner kritisieren Trumps Russland-Politik

Mittlerweile hat sich jedoch Enttäuschung breit gemacht. „Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass Donald Trump keine unabhängige Außenpolitik machen kann“, kritisierte Adschar Kurtow, Chefredakteur der kremlnahen Zeitung „Problemy Nazionalnoi Strategii“. Trumps innenpolitische Gegner in Kongress, Senat und den Medien kontrollierten seine außenpolitischen Entscheidungen.

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G20-Gegner beginnen mit Blockade-Aktionen

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    Vor allem in Trumps republikanischer Partei beäugen etliche argwöhnisch die Russland-Politik des Präsidenten. Doch der Präsident steht zusätzlich unter Druck steht. Die Vorwürfe der US-Geheimdienste, Russland habe sich mit Hackerangriffen in den US- Wahlkampf eingemischt und einen Wahlsieg der demokratischen Rivalin Hillary Clinton verhindert, lasten schwer auf ihm.

    Beobachter in Washington sehen in Trumps härterem Kurs gegenüber dem Kreml den Versuch eines Befreiungsschlags. Der Präsident sei geradezu dazu verdammt, gegenüber Putin den Hardliner zu geben, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Kritiker gehen noch einen Schritt weiter: Da Trump bislang zur Lösung internationaler Konflikte wenig beigetragen habe, blieben ihm nur Kraftmeierei und Rabaukentum. Das komme vor allem bei den Leuten an, die ihn gewählt haben.

    Russland wieder zurück auf der Weltbühne

    Auch Putin zelebriert die Demonstration von Macht. Wie Trump spielt er gern mit Bildern von strotzender Maskulinität, die für manche eine Karikatur darstellen. So lässt der Kremlchef gern Fotos verbreiten, die ihn dabei zeigen, wie er Tiger jagt oder Judo-Partner auf die Matte legt. Putin weiß, dass die Bilder des starken Mannes zu Hause ziehen. Doch nicht nur das. Der Mann, der den Zusammenbruch der Sowjetunion einmal als die „größte geopolitische Katastrophe des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet hatte, hat Russland auf die Weltbühne zurückgebracht – mit zum Teil zweifelhaften Methoden wie in Syrien oder in der Ostukraine.

    Trump und Putin haben einen Hang zur Selbst-Inszenierung, der in einen permanenten Ego-Wettlauf mündet. Das macht es schwierig, Kompromisse zu finden. Zumindest einer hat aber das Ziel von einer Normalisierung der russisch-amerikanischen Beziehungen noch nicht aufgegeben. „Ich persönlich hoffe inständig, dass sich der Pragmatismus durchsetzt“, sagt der russische Außenminister Sergej Lawrow. Es klingt wie ein Stoßgebet.