Ein Berliner Sprachwissenschaftler hat mit Studenten die Programme zur Bundestagswahl darauf untersucht, welche Worte welche Partei signifikant häufiger verwendet als die anderen. Bei der Union hat er besonders wenig gefunden, was etwas über die Positionen verrät. „Man kann daraus nicht erkennen, für was die Union steht“, sagt Dr. Simon Meier. Die Linke stellt sich bei der Analyse als „Muss“-Partei heraus, bei der AfD findet sich wenig überraschend der Islam-Schwerpunkt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Nachdem am vorgelegt haben, hat Linguist Meier im Rahmen eines Seminars „Sprache und Politik“ mit Studierenden der TU Berlin die Programme danach ausgewertet, welche Begriffe für welche Partei charakteristisch sind. Jedes Wort in jedem Programm wird gezählt, dann wird ausgewertet, ob Worte bei einer Partei besonders häufig auftauchen. Begriffe, die bei einer Partei deutlich häufiger auftauchen als bei den anderen, lassen vermuten, dass sie dieser Partei besonders wichtig sind.

Erster konkreter Begriff bei Union: Arbeitsplatz

Meier hat das in Wort-Wolken visualisiert. Je größer ein Wort darin erscheint, umso stärker ist es mit dieser Partei verbunden. Bei CDU und CSU findet sich auch unter Worten mittlerer Größe kaum ein Begriff, der mit einem politischen Inhalt verbunden werden kann. „Eigentümlich inhaltsleer“, nennt das Meier in einem Tweet.

Bei den Grünen stößt man schnell auf „Auto“, Kohle“, „ökologisch“, der Charakter der AfD spiegelt sich in Begriffen wie „Islam“, „Zuwanderung“ und „Asylbewerber“ wider, sie hebt auch anders als andere Parteien beispielsweise stark auf „Volk“ und „Bundesbank“ ab.

„Müssen“ und „!“ typisch für Linke

Dr. Simon Meier ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sprache und Kommunikation der Technischen Universität Berlin.
Dr. Simon Meier ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sprache und Kommunikation der Technischen Universität Berlin.© privat | privat


Bei den Linken fällt die häufige Verwendung des Begriffs „müssen“ auf – im Linken-Programm taucht das Wort einschließlich seiner konjugierten Formen mehr als 500 mal auf und damit fast so oft auf wie in den Papieren aller anderen Parteien zusammen.

Die Linke ist auch die Partei des Ausrufezeichens. Sie kann auch „sozial“ für sich verbuchen. Das Wort ist im Programm der SPD ebenso wenig signifikant wie „Gerechtigkeit“, obwohl das Programm mit „Es ist Zeit für mehr Gerechtigkeit“ überschrieben ist. Dafür wird bei SPD „wir“ und „unterstützen“ groß geschrieben. Auch „modern“ haben die Sozialdemokraten im Vergleich zu den anderen Parteien besonders häufig verwendet. Bei der FDP fällt auf, dass es wenige Begriffe gibt, die sie schlagwortartig besonders häufig im Unterschied zu anderen Parteien verwendet.

Die Auswertung, die er mit seinen Studenten gemacht hat, sei ein „erster Impuls“ zu den Programmen bei der Wahl im September. Weil die Methode die Programme zusammenfasst und zahlenmäßige Unterschiede herausarbeitet, blendet sie Details aus: Ein einzelner Satz kann große politische Aussagekraft haben.