Berlin

Albig und die Frauen: Die Folgen einer Homestory

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Christian Latz

Berlin. Wenn sich Politiker von ihrer menschlichen Seite zeigen, kommt das beim Wähler gut an. So mag sich das auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) vor der Wahl am Sonntag gedacht haben. Doch ein persönliches Interview, das er vor gut zwei Wochen der „Bunten“ gab, entwickelte sich zum PR-Desaster. Nun sieht seine Partei darin den Grund für die Wahlniederlage. Zu Recht?

„Irgendwann entwickelte sich mein Leben schneller als ihres“, hatte Albig in dem Interview über die Trennung von seiner Frau gesagt. Sie sei in der Rolle als Mutter und Managerin des Hauses „gefangen“ gewesen. Gestern sagte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley, im Wahlkampf sei es „eher um Dinge wie das Privatleben des Ministerpräsidenten“ gegangen. Offensichtlich hätten „vor allem Frauen weniger die SPD gewählt“.

Tatsächlich zeigen Wähleranalysen von Infratest Dimap: Bei Frauen über 35 Jahren hat die SPD überdurchschnittlich stark verloren. Der Stimmenanteil nahm in der Gruppe der 35- bis 44-Jährigen um vier Prozentpunkte ab im Vergleich zur vorangegangen Landtagswahl 2012. Bei den 45- bis 59-Jährigen sank die Wählerzahl um fünf Punkte. Aber: Unter jungen Frauen bis 24 Jahren schnitt die SPD überdurchschnittlich stark ab. Am Stimmenverhältnis zwischen weiblichen und männlichen SPD-Wählern änderte sich daher insgesamt zu 2012 kaum etwas. Immer noch wurde die Partei von Frauen und Männern gleichermaßen gewählt.

Matthias Jung, Geschäftsführer der Forschungsgruppe Wahlen, hält die Datenlage nicht für ausreichend, um die These der SPD-Generalsekretärin zu stützen. Die Wahlniederlage sei durch mehrere Gründe zu erklären, sagt er: „Da spielen sicher die unzureichenden Kompetenzwerte bei den wichtigen Themen Bildung und Verkehr eine Rolle.“

Ähnlich sieht es der Geschäftsführer von Infratest Dimap, Nico Siegel: Albigs Äußerungen in der „Bunten“ könnten den Trend womöglich verstärkt haben, meint er. „Aber allein ausschlaggebend war das Interview nicht.“ Den Grund für das schwache Abschneiden in Schleswig-Holstein sieht der Meinungsforscher trotzdem beim SPD-Spitzenmann selbst. Albig sei nie ein besonders beliebter Ministerpräsident gewesen. „Es ist dem Spitzenkandidaten offensichtlich nicht gelungen, erfolgreich Wahlkampf zu führen, sich als beliebter und empathischer Landesvater zu inszenieren“, urteilt Meinungsforscher Siegel.