Politik

„Das Denkmal für die Einheit ist das Brandenburger Tor“

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Brigitte Schmiemann

Zum Artikel: „Eine Waage für die Einheit“ vom 3. Januar

Das Einheits-„Denkmal“ und kein Ende. Diese Vorstellung vom Aussehen des zukünftigen Einheitsdenkmals ist an Tristesse kaum zu überbieten. Glaubt man wirklich, mit dieser bananenförmigen Betonschaukel die Freude über die wiedergewonnene deutsche Einheit ausdrücken zu können? Im Hintergrund Grau in Grau, Außenministerium und Schinkels Bauakademie. Sie wirken auf dieser Darstellung wie hochbunkerartige Betonklotze. Berlins Mitte hat genug gelitten und etwas Besseres verdient.

Dr. Edgar Gruber, Zehlendorf

Ich verstehe Kulturstaatsministerin Grütters insofern, als überhaupt nicht einleuchtet, was dieser Schloßplatz mit der Einheit zu tun hat. Es geht auch nicht nur um die friedliche Revolution in der DDR, sondern um die gesamte Nachkriegspolitik. Ein Denkmal würde besser ins Regierungsviertel passen.

Jürgen Spiegel, Neukölln

Dieses Modell für die deutsche Einheit sollte erst erstellt werden, wenn die deutsche Einheit im Ganzen vollzogen worden ist: das heißt gleicher Lohn und gleiche Rente in Ost und West. Die Millionen, die man für dieses Denkmal auszugeben gedenkt, sollten erst für diese Einheit ausgeben werden.

Marianne Girbig, per E-Mail

Die erneut aufkommenden Versuche zur Durchsetzung des zu Recht umstrittenen Freiheits- und Einheitsdenkmals an der Schlossfreiheit sind kaum zu ertragen. Ich bin sehr froh über die Wiedererlangung unserer staatlichen Einheit und hatte auch immer darauf gehofft, aber ihr auf diese alberne Art ein Denkmal geben zu wollen, ist würdelos. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat mit seiner Entscheidung, diese wie ein überdimensioniertes Kinderspielzeug anmutende Einheitswippe zu kippen, mehr Geschmack und Verantwortung bewiesen als die Fachjury. Diese Wippe würde in der historischen Umgebung zwischen Schlossfassade und Bauakademie nicht nur besonders lächerlich wirken, sondern auch wegen der zu erwartenden technischen Anfälligkeit permanent hohe Wartungs- und Instandhaltungskosten verursachen. Das Argument gegen die höheren Baukosten für die Rekonstruktion der Kolonnaden kann nicht überzeugen, denn diese werden keine ewigen Folgekosten zur Wartung und Instandhaltung verursachen. Außerdem passen sie dorthin.

Jörg Görn, Moabit

Ich arbeite wöchentlich in der Humboldt-Box und werde oft auf die Wippe angesprochen. Ich habe noch niemanden getroffen, der dieses Bauwerk für schön, notwendig oder gar praktikabel hält. Vor allem die „Begehbarkeit“ bei Eis und Schnee wird als Witz empfunden. Wir brauchen diesen stilistisch nicht ins Umfeld passenden Bau nicht. Das Denkmal für die Einheit ist das Brandenburger Tor.

L. Hillel, per E-Mail

Verkehrsfluss ist für Berlins Wirtschaft unverzichtbar

Zum Artikel: „Vorfahrt für die Radfahrer“ vom 4. Januar

Woher nimmt die Initiative den Anspruch für derartige Forderungen, woher die Anmaßung, Senat und Bezirke zu etwas zwingen zu wollen? Soll das Demokratie sein? Hier will sich eine Minderheit mit einem aberwitzigen Vorhaben gegen die Mehrheit der Verkehrsteilnehmer durchsetzen. Was sind schon 105.000 Stimmen des Volksbegehrens gegenüber mehr als drei Millionen anderer Bürger? Der notwendige Vorrang für den Kfz-Verkehr kommt doch nicht aus einem Machtanspruch heraus, sondern ergibt sich aus der Notwendigkeit, einen zügigen Verkehrsfluss zu gewährleisten, der für die Wirtschaft Berlins unverzichtbar ist.

Dr. Klaus Pade, per E-Mail