Wahlen

Nicolas Sarkozy unterliegt bei Kandidatenkür in Frankreich

Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Konservativen hat der Ex-Regierungschef François Fillon die Nase vorn.

Nach der verlorenen Stichwahl der französischen Konservativen um die Präsidentschaftskandidatur kündigte Nicolas Sarkozy an, sich nun ganz ins Privatleben zurückziehen zu wollen.

Nach der verlorenen Stichwahl der französischen Konservativen um die Präsidentschaftskandidatur kündigte Nicolas Sarkozy an, sich nun ganz ins Privatleben zurückziehen zu wollen.

Foto: POOL / REUTERS

Paris.  Die beiden früheren Premierminister François Fillon und Alain Juppé stehen in der Stichwahl um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Konservativen. Die Politiker setzten sich am Sonntag in der Vorwahl des bürgerlichen Lagers gegen Ex-Präsident Nicolas Sarkozy durch, der seinen Abschied aus der Politik einläutete. „Es ist Zeit für mich, ein Leben mit mehr privater und weniger öffentlicher Leidenschaft zu beginnen“, sagte Sarkozy.

Der erste Wahlgang wurde zum Triumph für Fillon, der nach Auszählung des Großteils der Wahllokale am frühen Montagmorgen mit gut 44 Prozent der Stimmen klar vorn lag. „Eine mächtige Dynamik hat sich in Gang gesetzt“, sagte er. Der lange als Favorit gehandelte Juppé kam auf 28 Prozent, Sarkozy auf knapp 21 Prozent. Die vier weiteren Bewerber blieben weit abgeschlagen. Die entscheidende Stichwahl findet am kommenden Sonntag statt.

Frankreichs politische Zukunft

Frankreichs bürgerliche Rechte kürt ihren Kandidaten zum ersten Mal mit offenen Abstimmungen, an denen alle Anhänger teilnehmen können. Dem Sieger werden gute Chancen für die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr ausgerechnet.

Umfragen lassen derzeit ein Duell zwischen der Front-National-Chefin Marine Le Pen und dem konservativen Bewerber erwarten – die Vorwahl ist damit eine wichtige Weichenstellung. Ob der schwer angeschlagene sozialistische Amtsinhaber François Hollande noch einmal antritt, ist noch unklar.

Wirtschaftsreformen angekündigt

Über Monate hinweg hatten Umfragen ein Duell zwischen Juppé und Sarkozy vorhergesagt. Erst in den Wochen vor der Wahl hatte Fillon zu einer überraschenden Aufholjagd angesetzt. Der 62-jährige will Frankreich liberale Wirtschaftsreformen verordnen, damit das Land wieder wettbewerbsfähiger wird. Während Fillon eher eine konservative Kernklientel anspricht, zielt Juppé (71) mit seiner gemäßigteren Linie auch auf Wähler aus der Mitte. „Ich werde den Kampf fortsetzen“, sagte er vor seinen Anhängern.

Sarkozy versprach, den Sieger der Stichwahl zu unterstützen. Er selbst werde für Fillon stimmen, kündigte der Ex-Präsident (2007 bis 2012) an. Er rief seine Wähler auf, „niemals den Weg der Extreme zu wählen“ – eine klare Warnung vor der Front National.

Hohe Wahlbeteiligung

Die Beteiligung an der Vorwahl fiel hoch aus, nach französischen Medienberichten bildeten sich in vielen Wahllokalen lange Schlangen. Bis kurz nach Mitternacht wurden 3,9 Millionen Stimmen gezählt – da fehlten noch die Ergebnisse von etwas mehr als 800 der über 10.000 Wahllokale.

Abstimmen konnte jeder Franzose, der im Wählerregister steht, zwei Euro Kostenbeteiligung zahlte und sich per Unterschrift zu den Werten der bürgerlichen Rechten bekannte. Im Vorfeld hatte es Diskussionen gegeben, inwieweit auch linke Wähler oder Anhänger der Front National abstimmen könnten, um das Ergebnis in ihrem Sinne zu beeinflussen. (dpa)