Wird er wirklich umsetzen, was er im Wahlkampf versprochen hat, oder wird das Amt ihn milder machen? Seit Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten vor einer Woche rätseln und spekulieren die USA und auch die internationale Gemeinschaft, was von einem Präsidenten Trump zu erwarten ist. Jetzt weiß man ein bisschen mehr: Am Sonntag gab der nächste Präsident der Vereinigten Staaten dem Fernsehsender CBS ein ausführliches Interview. Im Gespräch verstrickte er sich in Widersprüche und ruderte bei den ersten Wahlversprechen zurück. Das sagte Donald Trump über ...
... die Clintons: Auch für seine Rivalin Hillary Clinton und ihren Ehemann Bill war Trump voll des Lobes. „Sie hätte nicht freundlicher sein können“, so Trump über den Anruf, bei dem Clinton ihm zu seinem Sieg gratulierte, und: „Sie ist sehr stark und sehr klug.“ Auch Bill Clinton hatte angerufen, um seine Glückwünsche zu überbringen. „Er sagte, es sei ein erstaunliches Rennen gewesen“, berichtete Trump über das Gespräch.
Entsprechend zurückhaltend war Trump dann auch, was seine vor der Wahl gemachte Ankündigung anging, einen Sonderermittler gegen Clinton einsetzen zu lassen. „Sie hat schlimme Dinge getan“, so Trump, „ich werde darüber nachdenken.“ Aber die Clintons seien gute Menschen, und er wolle ihnen nicht schaden. Priorität scheinen Clinton und ihr privater E-Mail-Server – zu dem das FBI bereits erklärt hatte, dass das Vorgehen nicht strafrechtlich relevant war – jedenfalls nicht mehr zu haben: „Ich will mich auf andere Dinge konzentrieren“, sagte Trump – zum Beispiel Immigration.
... die Mauer: Sie war das zentrale Versprechen seines Wahlkampfs – die große Mauer an der Grenze zu Mexiko, die illegale Einwanderer aus Süd- und Mittelamerika fernhalten soll. „Ja“, sagte Trump schlicht auf die Frage, ob er wirklich eine Mauer bauen werde. An manchen Stellen, schränkte er anschließend aber ein, „könnte es einen Zaun gaben.“ Gleichzeitig wiederholte er seine Ankündigung, im großen Stil abschieben zu wollen: „Leute mit Vorstrafen, Gang-Mitglieder, Drogendealer – von denen haben wir viele, zwei, vielleicht drei Millionen – die kriegen wir aus dem Land oder sperren sie ein“, so Trump. Sobald die Grenze sicher sei, werde entschieden, was mit anderen Migranten ohne Papiere geschehen soll – die seien „großartige Menschen“.
... den IS: „Wir werden ISIS loswerden“, so Trump. „Wir haben großartige Generäle.“ Gleichzeitig wiederholte er, dass er es besser wisse als die Generäle: „Ich will Ihnen gegenüber ehrlich sein: Wahrscheinlich tue ich das, denn schauen Sie sich an, was sie getan haben. Sie haben diesen Job nicht erledigt.“
... das Gesundheitssystem: „Obamacare“, die Gesundheitsreform des Demokraten, „wird abgeschafft und ersetzt“, bestätigte Trump ein Wahlkampfversprechen. „Es wird eine großartige Gesundheitsversorgung für viel weniger Geld geben“. Kernelemente von Obamacare wie die Mitversicherung von Kindern bis zu 26 Jahren bei den Policen der Eltern und ein Verbot der Ausgrenzung wegen Vorerkrankungen sollen aber – entgegen dem, was Trump zuvor gesagt hatte – erhalten bleiben.
...den Supreme Court: Als Präsident hat Trump das Recht, Kandidaten für das Oberste Gericht der USA zu nominieren. Seine Kandidaten würden Abtreibungsgegner sein, so Trump. Sollte der Gericht die Entscheidung aus dem Jahr 1973 kippen, die Abtreibung erlaubt, „würde es zurück an die Bundesstaaten gehen“, so Trump. „Vielleicht müssen die Frauen dann in einen anderen Staat reisen“ wenn sie eine Schwangerschaft abbrechen wollen. Mit der gleichgeschlechtlichen Ehe, die das Verfassungsgericht der Vereinigten Staaten erst im vergangenen Jahr im ganzen Land erlaubt hatte, hat er dagegen kein Problem. „Das wurde im Supreme Court entschieden“, so der 70-Jährige, „das ist erledigt.“
... die anhaltenden Demonstrationen: Seit Trump gewählt wurde, gehen täglich Tausende Menschen in zahlreichen US-Städten auf die Straße, unter dem Slogan „Nicht mein Präsident“. „Das ist nur, weil sie mich nicht kennen“, kommentierte Trump die Proteste, „ich glaube einfach, sie kennen mich nicht.“ Und: „In manchen Fällen sind das professionelle Demonstranten.“
... über die Welle von rassistischen Übergriffen: Trump zeigte sich überrascht, als die Interviewerin Lesley Stahl auf die zahlreichen Berichte von rassistischen Angriffen auf schwarze, lateinamerikanische, muslimische und homosexuelle Amerikaner zu sprechen kam. „Ich bin sehr überrascht, das zu hören“, sagte er, „aber ich denke, das ist eine sehr kleine Zahl.“ Den Angreifern wolle er sagen: „Macht das nicht, das ist furchtbar, denn ich werde dieses Land zusammenführen.“
... sein Gehalt als Präsident: Trump hat angekündigt, auf sein Gehalt als oberster Staatsdiener der USA zu verzichten. „Ich habe mich nie dazu geäußert, aber die Antwort ist Nein. Ich glaube, von Rechts wegen muss ich einen Dollar erhalten, also nehme ich einen Dollar im Jahr“, so Trump. Er wisse gar nicht, wie hoch das Gehalt des Präsidenten sei.

