US-Wahl

Präsident Obama empfängt Donald Trump im Weißen Haus

Der Machtwechsel kommt: Im Weißen Haus trafen am Donnerstag US-Präsident Barack Obama und sein Nachfolger Donald Trump aufeinander.

Donald Trump und Barack Obama trafen sich zum ersten Mal im Weißen Haus.

Donald Trump und Barack Obama trafen sich zum ersten Mal im Weißen Haus.

Foto: KEVIN LAMARQUE / REUTERS

Washington.  Richtig happy sieht Barack Obama nicht aus. Und auch Donald Trump, der ständig mit den Händen ein Raute à la Merkel formt, wirkte gestern Mittag angespannt. Es ist die erste Begegnung der beiden Männer auf besonderem Terrain.

Der amtierende Präsident Amerikas empfängt im Weißen Haus seinen designierten Nachfolger. Samt Gattin Melania. Übergangsgespräche führen. Den Wechsel einleiten. So geräuscharm wie möglich. Ein demokratisches Ritual. In schwerer Zeit.

Draußen im Land erhebt sich gerade eine Protestwelle gegen die Wahl des New Yorker Milliardärs. Verwundet fühlen sich viele Amerikaner durch den brutalen Wahlkampf, den Trump geführt hat. In der Nacht gab es Demonstrationen und Festnahmen. Obama weiß das. Seine Worte sollen, sie müssen die Wogen glätten.

Trump bedankt sich bei Obama

„Ich werde alles tun, damit Sie Erfolg haben“, sagt der (Noch-)Hausherr im Armsessel dem nur zwei Meter entfernt sitzenden Geschäftsmann, „denn wenn Sie erfolgreich sind, dann ist es auch unser Land.“ Eigentlich war der Termin nur auf 15 Minuten angesetzt. Obama gibt keine Details preis. Nur so viel: „Es war ein exzellentes Gespräch.“

Trump nickt, spricht von einer „großen Ehre“, und gibt die Blumen zurück. „Wir haben fast 90 Minuten gesprochen“, sagt der Unternehmer, „über wundervolle Sachen und über schwierige. Und wenn es nach mir gegangen wäre, hätte es noch länger dauern können“.

Trump, ein seltener Moment, macht sich klein, spricht von „tollen Dingen“, die unter Obama erreicht worden seien und bekundet Lernwillen. „Ich werde wieder Ihren Rat suchen und sehe weiteren Gesprächen in der Zukunft entgegen.“ Von Konflikten – Trump machte Obama im Wahlkampf regelmäßig nieder, Obama nannte Trump im Gegenzug regierungsunfähig – nicht die Spur. Das Signal: Wir wollen es nicht noch schwerer machen. Wir müssen den Wechsel schaffen.

Menschen protestieren gegen Trump

Ob’s hilft? Wenige hundert Meter entfernt, vor dem neuen Trump-Luxus-Hotel in Washington, steht Jim Bremmer. Der 43-jährige Bauarbeiter gehört zu mehreren Demonstranten, die sich mit Trumps Wahl nicht abfinden wollen. „Klar hat er fair gewonnen“, sagt Jim Bremmer, „aber er ist immer noch ein Spalter und Brunnenvergifter.“ Bremmer ist kein Einzelfall.

Ob in New York, Atlanta, Dallas, Portland, Kansas City, Los Angeles, Oakland, Chicago, Philadelphia, Pittsburgh, Seattle oder Baltimore – überall gingen am Mittwoch und Donnerstag Frauen, Männer, junge Leute, alte Leute, Lesben, Schwule, Latinos, Muslim und Asiaten auf die Straße, um ihrem Unmut über die Wahlniederlage Hillary Clintons Luft zu verschaffen.

Vereinzelt wurden Puppen, die den New Yorker Unternehmer darstellen, verbrannt. In einigen Städten legten Protestler Feuer, blockierten Autobahnen oder unterbrachen mit Sitzstreiks den Nahverkehr. Die Polizei setzte Tränengas ein. Dutzende Menschen wurden vorübergehend festgenommen. Viele Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie „Nicht mein Präsident“, „Liebe schlägt Hass“ oder „Trump, hau ab“. Sie fürchten sich vor dem Amerika, das der Milliardär im Wahlkampf angekündigt hat.

Angespannte Atmosphäre

„Was geschieht jetzt mit meinen Eltern?“, fragte in Los Angeles die Latina Rosario Diaz (20). Sie ist in den USA geboren. Ihre Eltern kamen vor 25 Jahren aus Mexiko illegal nach Kalifornien. Trump hat seinen Anhängern immer wieder versprochen, Millionen Illegale abzuschieben, wenn er ins Amt kommt. Diaz: „Unser gesamtes Leben hängt auf einmal in der Luft.“

In New York, der Heimatstadt Trumps, rückten die Gegner dem Geschäftsmann auf die Pelle. Ein Demonstrationszug mit tausenden Teilnehmern zog am Mittwochabend vom Union Square zum Trump Tower, dem Wohn- und Firmensitz des designierten Präsidenten. Um Eskalationen zu vermeiden, hatte die Polizei das Gebäude mit Sattelschleppern abgeriegelt. Die Atmosphäre war angespannt. Die Sprechchöre kreisten immer wieder um drei Themen: Fremdenhass, Rassismus und Frauenfeindlichkeit. Viele riefen: „Donald Trump, go away. Racist, sexist, anti-gay.“

Trump wird „den Hass im Land beflügeln“

Verhallt der Appell der unterlegenen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und Obamas, das Wahlergebnis zu akzeptieren und sich nach dem Schlachtenlärm des Wahlkampfs in einem Akt der nationalen Einheit unterzuhaken?

Rudy Giuliani, Ex-Bürgermeister von New York, kanzelt die Demonstranten als „einen Haufen Heulsusen“ ab, die nichts begriffen hätten. In einem Jahr, so der 72-Jährige, würden die verwöhnten College-Kids dankbar sein, weil sie dann „in einem bessere Land leben“, sage Giuliani dem TV-Sender Fox.

Vor dem Trump Tower von Chicago, der Heimatstadt von Präsident Obama, steht Michael Burke und ist vom Gegenteil überzeugt. Trump wird den „Hass im Land beflügeln“, sagt er. Darum sei es die Pflicht aufrechter Amerikaner, dagegen zu protestieren. Solange Trump nicht einlenke und zu „verträglichen Positionen“ zurückkehre, will Burke weiter protestieren.

Trump traf sich mit Republikanern

Insgesamt stehen bei der US-Bundesregierung allein 2,8 Millionen zivile Beschäftigte in Lohn und Brot. Zumindest noch. Newt Gingrich, früherer Sprecher des Abgeordnetenhauses und besonders nah an Trumps rechter Seite, sagte: „Will Trump Leute rekrutieren, die regieren, oder Leute, die die Regierung ändern? Das sind sehr verschiedene Jobbeschreibungen.“

Im Anschluss an das Treffen im Weißen Haus nahm Trump am Donnerstag Kurs auf den „Hill“, den sanften Hügel, der vom Kapitol gekrönt wird. Dort wollte er mit mächtigen Republikanern zu Mittag essen. Im gegenseitigen Verhältnis gibt es sehr viel zu klären.

Bewegung des zivilen Ungehorsams erkennbar

Die Ablehnung Trumps in den ersten Tagen nach der Wahl treibt kuriose Blüten. In San Francisco ließen Tausend Schüler und Studenten Unterricht und Vorlesungen ausfallen. Sie zogen mit Plakaten durch die Universitätsstadt Berkeley.

Vor allem Trumps Einwanderungspolitik löst dort Widerstand aus. „Wer die Eltern von Studenten abschieben will, muss mit unserer Gegenwehr rechnen“, zitiert die Lokalzeitung „Chronicle“ den 24-jährigen Ramon.

In Kalifornien, das für die Demokratin Clinton gestimmt hat, sind erste Anzeichen einer Bewegung des zivilen Ungehorsams zu erkennen. Schulen und Universitäten wollen Schutzräume anbieten für Studenten ohne Aufenthaltserlaubnis und deren Familien. Dahinter steht die Ankündigung von Trump, im Falle seiner Wahl Verordnungen von Obama rückgängig zu machen, die den Kindern von illegalen Einwanderern Schutz vor Deportierung bietet. Obama und Trump, sie haben noch viel zu besprechen.