Terrormiliz

IS-Chef al-Baghdadi soll in Mossul eingekesselt sein

Die irakische Armee ist auf Mossul vorgerückt. Dort könnte es zu einem entscheidenden Schlag gegen den IS und seinen Anführer kommen.

IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi bei einer Ansprache im Jahr 2014.

IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi bei einer Ansprache im Jahr 2014.

Foto: imago stock&people / imago/United Archives International

Berlin.  Die irakische Armee steht in Mossul möglicherweise vor einem vernichtenden Schlag gegen den „Islamischen Staat“. Wie „The Independent“ unter Berufung auf den Stabschef des kurdischen Präsidenten berichtet, befindet sich auch der Chef der Terrormiliz, Abu Bakr al-Baghdadi, in der nordirakischen Stadt. „Baghdadi ist da, und wenn er getötet wird, bedeutet das den Zusammenbruch des ganzen IS-Systems“, sagte Fuad Hussein der britischen Tageszeitung.

Al-Baghdadi ist seit 2010 Anführer der Terrororganisation. Der gebürtige Iraker ernannte sich im Juni 2014 zum Kalifen des „Islamischen Staats“. Schon seit Oktober 2011 führt ihn das US-Außenministerium auf der Liste der weltweit meistgesuchten Terroristen.

Kampf um Mossul dürfte noch lange andauern

Die irakische Armee war am Montag rund zwei Wochen nach Beginn der Großoffensive auf die IS-Hochburg nach eigenen Angaben erstmals auf das Stadtgebiet Mossuls vorgedrungen. Eliteeinheiten erreichten am Dienstag die Stadtgrenze und überquerten sie, wie der Chef der Anti-Terror-Kräfte, Talib Schaghati, dem Staatssender Al-Iraqiya sagte. „Wir haben nun die eigentliche Befreiung Mossuls begonnen.“ Nach UN-Angaben will die IS-Terrormiliz die Offensive aufhalten, indem sie Tausende Zivilisten als menschliche Schutzschilde nutzt.

Trotz des Vormarschs an die Stadtgrenze dürfte die Schlacht um die letzte Bastion der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak noch Wochen oder sogar Monate dauern. Die Extremisten verteidigen sich gegen die Angreifer mit Selbstmordattentätern und Scharfschützen. Zudem haben sie Tunnelsysteme ausgehoben, in denen sie sich geschützt bewegen können. Denn Angreifern drohen blutige Straßenkämpfe.

Hunderttausende Zivilisten in Gefahr

Hilfsorganisationen sorgen sich indes um das Leben von Hunderttausenden Zivilisten in Mossul. Man bereite sich jetzt auf das Schlimmste vor, erklärte der Irak-Direktor der Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council (NRC), Wolfgang Gressmann, am Mittwoch. „Das Leben von 1,2 Millionen Zivilisten ist in großer Gefahr.“ Jetzt sei der Moment der Wahrheit gekommen.

Die Hilfsorganisation Save the Children forderte einen Fluchtkorridor für die Menschen aus Mossul. Unter den 1,5 Millionen Zivilisten dort seien auch 600.000 Kinder. Da die Kämpfe zunähmen, werde es für Familien immer schwieriger, die Stadt zu verlassen.

18.000 Zivilisten sollen vertrieben worden sein

Höchst besorgt zeigt Save the Children auch angesichts von Berichten, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) missbrauche Tausende Zivilisten als menschliche Schutzschilde. „Unschuldige Zivilisten zu schützen, muss in der Schlacht Priorität haben“, hieß es.

Seit Beginn der Offensive vor mehr als zwei Wochen sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) rund 18.000 Zivilisten vertrieben worden. Der NRC warnte, die Nothilfelager in der Region füllten sich schnell. Hilfsorganisationen rechnen mit bis zu einer Million Flüchtlingen durch die Offensive. (ba/dpa)