IS-Terrorist

Al-Bakr soll sich in Berlin radikalisiert haben

Der Terrorverdächtige al-Bakr radikalisierte sich laut einem Bericht in Deutschland. Zuvor sei er unpolitisch gewesen, so sein Bruder.

Der mutmaßliche IS-Terrorist Dschaber al-Bakr plante den Ermittlungsbehörden zufolge einen Anschlag auf einen Berliner Flughafen.

Der mutmaßliche IS-Terrorist Dschaber al-Bakr plante den Ermittlungsbehörden zufolge einen Anschlag auf einen Berliner Flughafen.

Foto: Christian Zander / Polizei Sachsen/dpa

Leipzig.  Der Terrorverdächtigte Dschaber al-Bakr soll in Berlin zum radikalen Islam gekommen sein. Gegenüber „Der Spiegel“ sagte der Bruder al-Bakrs, der mutmaßliche IS-Terrorist sei vor seiner Flucht aus Syrien im Jahr 2014 unpolitisch gewesen.

Sein zehn Jahre jüngerer Bruder, so berichtet Alaa al-Bakr gegenüber dem Nachrichtenmagazin weiter, sei durch Internetvideos in Berührung mit islamistischer Ideologie gekommen. Außerdem habe ihn ein Berliner Imam einer Gehirnwäsche unterzogen.

Berliner Imam soll al-Bakr nach Syrien geschickt haben

Der Mann soll Dschaber al-Bakr aufgefordert haben, nach Syrien zurückzugehen und zu kämpfen. Der Aufforderung folgte Dschaber al-Bakr im September 2015, er schloss sich dem Islamischen Staat an – und die Familie brach den Kontakt zu ihm ab.

Der jetzige Stand der Ermittlungen der deutschen Behörden lässt Alaa al-Bakr fassungslos zurück. „Ich habe meinen Bruder erzogen. Er hätte niemals einen Anschlag begangen. Das ist eine Lüge“, sagte der Mann in einem telefonischen Interview.

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US-Geheimdienst soll entscheidenen Tipp gegeben haben

Einen entscheidenden Hinweis auf A-Bakr sollen die deutschen Behörden von einem US-Geheimdienst erhalten haben. Das berichtet die „Welt am Sonntag“. Demnach soll der fragliche Dienst mehrere Telefongespräche von Al-Bakr mit einem Kontaktmann der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien abgehört haben, in denen es auch um Anschlagspläne ging.

In einem Telefonat in der vergangenen Woche ging es dabei nach Informationen der Zeitung auch um die Sprengstoff-Herstellung. „Zwei Kilo sind fertig“, soll Al-Bakr seinem IS-Kontakt mitgeteilt haben. Außerdem habe der Syrer ein mögliches Anschlagsziel genannt: Ein „großer Flughafen in Berlin“ sei „besser als Züge“. In der Wohnung in Chemnitz, in der Dschaber al-Bakr zuletzt lebte, hatten die Ermittler 1,5 Kilogramm hochexplosiven Sprengstoff gefunden.

Auf die drei Syrer, die Dschaber al-Bakr in Leipzig überwältigt und der Polizei übergeben hatten, habe der mutmaßliche IS-Terrorist einen „wahnsinnigen“ Eindruck gemacht. Das teilten die als Helden gefeierten Flüchtlinge gegenüber „Der Spiegel“ mit. „Er wollte auch uns töten“, sagte einer der Männer dem Nachrichtenmagazin. Die drei seien aus Angst vor Racheakten mittlerweile aus Leipzig geflohen und versteckten sich derzeit bei Freunden in einer anderen deutschen Großstadt, heißt es in der Bericht weiter.

Obduktion bestätigt Selbstmord

Das Obduktionsergebnis hat unterdessen bestätigt, dass sich al-Bakr selbst getötet hat. Der Tod sei durch Erhängen eingetreten, teilte die Staatsanwaltschaft Leipzig am Freitag mit. Eine Fremdeinwirkung wurde nicht festgestellt. „Im Ergebnis der bisher durchgeführten Ermittlungen geht die Staatsanwaltschaft Leipzig davon aus, dass der Verstorbene Suizid begangen hat“, so Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz.

Zwei Tage nach seiner Festnahme hatte sich der 22-jährige Syrer am Mittwochabend in der Untersuchungshaft mit einem T-Shirt seiner Anstaltskleidung an einem Gitter in seiner Zelle erhängt. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden hatte er einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen geplant. Seit al-Bakrs Selbstmord stehen die Behörden in Sachsen einmal mehr in der Kritik. (ba/dpa)