Was in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden passiert ist, ist beschämend und traurig. 26 Jahre nach der deutschen Einheit gibt es im Osten rechte Wutbürger, die vieles oder alles, was die Wiedervereinigung gebracht hat, verachten und bespucken. Nur ein Beispiel: Ein dunkelhäutiger Mann, der zum Gottesdienst in die Frauenkirche geht, wird mit Affenlauten empfangen, die Demonstranten rufen „abschieben, abschieben“. Und das am wichtigsten Feiertag der Deutschen.
Postfaktisch – das neue politische Modewort in der Hauptstadt beschreibt die Sache ziemlich gut: Gefühle und Stimmungen überlagern die Wirklichkeit. Den meisten Menschen in Sachsen geht es heute besser als zur Zeit von Mauer und Schießbefehl. Und doch rasten manche von ihnen aus. Immer wieder. Pfeifen, pöbeln, hetzen.
Verachtung als Hauptmotiv
Sie verachten den Parlamentarismus, die Demokratie, die Freiheit. Den Bundespräsidenten, die Bundeskanzlerin. Halten Weltoffenheit und Hilfsbereitschaft nicht für Stärke, sondern für Schwäche. Wünschen sich, dass jemand an die Macht kommt, der Deutschland mit harter Hand regiert.
Natürlich gibt es noch viel zu tun. Natürlich gibt es Abgehängte, Menschen, die sich als Verlierer der Globalisierung fühlen und keine Perspektive sehen. Und natürlich gibt es gute Gründe, Angela Merkels Management in der Flüchtlingskrise kritisch zu sehen, vor allem aus dem sicherheitspolitischen Blickwinkel. Aber all das ist kein Grund, so zu pöbeln und zu hetzen.
Vertrauen in die Politik fehlt
Es hilft nicht, das Problem kleinzureden. Klar, in Dresden brüllen nur ein paar Hundert Pegida-Demonstranten. Aber die Wahlerfolge der AfD bei den Landtagswahlen – zuletzt auch bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin – zeigen: Viele Menschen haben kein Vertrauen in Politik – und das Problem sitzt verdammt tief. Es ist die Aufgabe der demokratisch gewählten Politiker, sich dem entgegenzustellen. Am besten mit guter und gut erklärter Politik.


