Politik

Der einstige SPD-Chef Jan Stöß verfehlt Mandat

Jan Stöß gehörte für viele zu den Hoffnungsträgern seiner Partei. Doch nun zählt er zu den großen Verlierern der Wahl: Erst wurde der einstige Vorsitzende der Berliner SPD im Vorfeld der Wahl von seinem parteiinternen Widersacher Michael Müller ziemlich unsanft entmachtet. Der Regierende Bürgermeister entriss ihm im April den Landesvorsitz. Dann verpasste Stöß am Sonntag auch noch den Einzug ins Abgeordnetenhaus.

Stöß war als Direktkandidat in Mitte angetreten. Im Stimmbezirk 2 unterlag er der Kandidatin der Linken, Carola Bluhm. Während Stöß 23,9 Prozent der Stimmen erzielte, konnte die frühere Sozialsenatorin 27,9 Prozent auf sich verbuchen. Schwacher Trost für Stöß: In der traditionellen Linke-Hochburg rund um Alexanderplatz und Leipziger Platz sammelte er mehr Stimmen als seine Partei. Bei den Zweitstimmen kam die SPD im Wahlkreis nur auf 19 Prozent. Anders als andere prominente Direktkandidaten war Stöß nicht über einen Platz auf der Bezirksliste abgesichert. Deshalb spielt das Bundesvorstandsmitglied der SPD in der Landespolitik jetzt nur noch eine Beobachterrolle. Stöß kommentierte die Niederlage nicht. Er reiste zum SPD-Parteikonvent nach Wolfsburg, wo über die Haltung der Partei zum Freihandelsabkommen der EU mit den USA und Kanada gestritten wird. Stöß, ein erklärter Gegner von TTIP und Ceta, schrieb über den Kurznachrichtendienst Twitter nur: „Wir schaffen das.“

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