Rassismus

Obama verteidigt Protest von Football-Profi Kaepernick

| Lesedauer: 3 Minuten
Der Quarterback der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, kniete aus Protest gegen Polizeigewalt gegen Schwarze während der Nationalhymne.

Der Quarterback der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, kniete aus Protest gegen Polizeigewalt gegen Schwarze während der Nationalhymne.

Foto: Jake Roth / REUTERS

Eine Geste des Footballspielers Kaepernick gegen Rassismus hat viele empört. Er übe damit legitimen Protest aus, sagte Barack Obama.

Hangzhou/San Francisco.  Während des Erklingens der Nationalhymne – der sogenannten Pledge of Allegiance – nicht aufzustehen und nicht die rechte Hand aufs Herz zu legen, gilt vielen Amerikanern als eine Form von Verrat gegenüber der eigenen Nation. Die daraus folgende Empörung bekam der Footballspieler Colin Kaepernick ab, der sich vor einem Spiel seiner Mannschaft, der San Francisco 49ers, hinkniete, statt sich wie alle anderen zu erheben. Die Nationalhymne war gespielt worden, während Soldaten die amerikanische Flagge ausbreiteten.

Kaepernick erklärte, er habe sich mit seiner Geste gegen Rassismus, Ungleichbehandlung und Polizeigewalt wehren wollen. Zuvor hatte Kaepernick den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump als „offen rassistisch“ bezeichnet.

Obama: verfassungsmäßiges Recht, ein Statement abzugeben

Inzwischen ist der amtierende US-Präsident Barack Obama Kaepernick zu Hilfe geeilt: „Er übt sein verfassungsmäßiges Recht aus, um ein Statement abzugeben“, sagte Obama am Rande des G20-Gipfels in der chinesischen Stadt Hangzhou über den stillen Protest des Quarterback. „Ihm liegen reale und legitime Fragen am Herzen, über die gesprochen werden muss.“

Trump wiederum riet dem 28-Jährigen, die USA zu verlassen. Auch viele Amerikaner fanden Kaepernicks Geste nicht lustig und protestierten mit Plakaten und Bannern gegen dessen Auftritt.

#VeteransForKaepernick

Von amerikanischen Soldaten erhielt Kaepernick dagegen Zuspruch: Unter dem Hashtag #VeteransForKaepernick zeigten viele ehemalige oder noch dienende Soldaten ihre Unterstützung für die Anliegen des schwarzen Sportlers.

Am Sonntagabend (Ortszeit) hatte sich auch Fußballerin Megan Rapinoe dem stillen Protest Kaepernicks angeschlossen. Vor dem Spiel ihrer Seattle Reign gegen die Chicago Red Stars war sie bei der Nationalhymne niedergekniet. „Das war mit voller Absicht“, erklärte Rapinoe nach dem 2:2 im Duell der National Women's Soccer League (NWSL). Es sei „ein kleines Nicken“ in Richtung NFL-Quarterback Kaepernick gewesen, sagte die 31-Jährige, „und für all das, wofür er jetzt eingestanden ist“. Auch Kaepernicks Teamkollege Eric Reid schloss sich dessen Protest an.

Die meisten Sportverbände verbieten politische Äußerungen und Gesten. Doch immer wieder wehren sich Einzelne dagegen, zuletzt die schwedische Leichtathletin Emma Green Tregaro, die während der WM in Russland mit ihren Fingernägeln in Regenbogenfarben ein Zeichen gegen die Diskriminierung von Homosexuellen, Inter- und Transsexuellen setzen wollte.

Nicht lustig: Christoph Hartings Auftritt hat Konsequenzen

In Deutschland unterdessen hat das Gebaren des Diskurswerfers Christoph Harting während der Siegerehrung bei den Olympischen Spielen Folgen: Nachdem Harting auf dem Podest herumgetänzelt war und Grimassen zog, während die Deutsche Hymne gespielt wurde, berichtete die „Welt am Sonntag“ nun von einem internen Verfahren bei der Bundespolizei . Der 26 Jahre alte Athlet und dessen Vorgesetzter Jochen Maron, Leiter der Bundespolizeisportschule Kienbaum, die Harting besucht, wollten keine Stellungnahme abgeben. (dpa/aba)

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos