Je näher der 8. November rückt, umso häufiger tauchen diese Fragen auf: Wie kann es sein, dass Leute Donald Trump unterstützen? Warum würde jemand so einen Mann wählen? Haben die Amerikaner vollkommen den Verstand verloren? Aus deutscher Sicht scheint es kaum zu erklären, warum ein Mann, der nie ein öffentliches Amt bekleidet hat, der ein Vermögen im protzigen Immobiliengeschäft gemacht hat und der öffentlich gegen die Einwanderung von Muslimen kämpft, tatsächlich für das Weiße Haus kandidieren darf.

Immer und immer wieder wird behauptet, dass so jemand in Deutschland niemals eine Chance hätte, auf der politischen Leiter so hoch zu klettern, wie jetzt Donald Trump. So will jeder es glauben. Doch ist das so? Das Verhalten der Trump-Anhänger ist bekanntermaßen hässlich. Gegner werden angepöbelt oder gar geprügelt, ohne dass der Kandidat selber ein Wort dagegen sagt. Im Gegenteil: Oftmals unterstützt er sogar ein solches Verhalten. Unbequeme Journalisten werden einfach rausgeschmissen und weitere Berichterstattung kurzerhand untersagt.

Doch sind die Anhänger von Pegida-Chef Lutz Bachmann, die Woche für Woche über mehrere Monate hinweg im Namen der Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes auf die Straßen Dresdens gegangen sind, so anders? Auch die Anhänger von Pegida pöbeln und hetzen gegen die Machthaber und Mitbürger, die eine andere Meinung haben. Auch werden Journalisten auf der Straße angegriffen und eine Berichterstattung unmöglich gemacht.

Die Unterstützer von Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke, die sich monatlich in Erfurt versammeln, um gegen die Pläne der Ahmadiyya-Gemeinschaft für den Bau einer Moschee zu protestieren, sind ebenso anti-islamistisch wie diejenigen US-Amerikaner, die Trumps Einwanderungsverbot für Muslime unterstützen.

Bei Trump blieb selbst die Bundeskanzlerin nicht von Kritik verschont. Die Mi­grationspolitik Angela Merkels nannte er neulich eine „Katastrophe“. Er warnte zugleich davor, Hillary Clinton zu wählen, weil sie im Falle eines Wahlsieges in ähnlicher Weise wie Merkel agieren würde. So weit ist kaum ein Bündnispartner Deutschlands je gegangen. Allerdings hatte Erwin Sellering, SPD-Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, vor den gestrigen Wahlen deutlich gemacht, dass er Merkels Einwanderungspolitik verantwortlich macht für das Erstarken der Alternative für Deutschland (AfD) in seinem Bundesland.

Als Begründung hatte Herr Sellering der Kanzlerin vorgeworfen, die Sorgen der „ganz normalen Bürger“ nicht ausreichend ernst zu nehmen. Diese Sorgen drehen sich meist um einen gefühlten Sicherheitsverlust und den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen oder Rentenansprüchen. Interessant ist, dass die meisten Unterstützer Trumps sich auch als „ganz normale Bürger“ sehen, die sich ähnlich wenig wahrgenommen fühlen vom jetzigen US-Präsidenten Barack Obama und seiner Regierung. Diese Bürger sehen die illegalen Einwanderer als eine Bedrohung für ihre Arbeitsplätze. Ähnlich bedrohlich seien internationale Abkommen, die Jobs nach China und Mexiko verlagert haben, und die angeblich zahlreichen Muslime, die nach Amerika einwandern wollen, um dort Terrorattacken zu verüben. Dass viele dieser US-Bürger jetzt eine bezahlbare Krankenversicherung haben, und viel mehr Amerikaner Opfer von Waffendelikten als von Terroranschlägen geworden sind seit Obama 2008 ins Amt gewählt wurde, wird nicht erwähnt.

Genauso wenig vermisst man in Deutschland eine Diskussion darüber, wie viele „ganz normale Bürger“ hierzulande durch den Flüchtlingsstrom auch Arbeit gefunden haben – sei es als Bauarbeiter für das Errichten von Unterkünften oder Sozialarbeiter, die bei der Integration helfen.

Trump sollte die Deutschen also nicht so sehr überraschen, denn er ist eigentlich nicht so fremd, wie es behauptet und geglaubt wird. Leider.